Was ich aus dem NaNoWriMo gelernt habe

Veröffentlicht am 16.Dezember 2008

Vor etwa zwei Wochen habe ich meinen ersten Romanentwurf fertiggestellt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was mir der NaNoWriMo überhaupt gebracht hat. Gibt es neben der Konsequenz einen Roman geschrieben zu haben noch weitere Vorteile, die mir der NaNoWriMo gebracht hat?

Kein Plot? Kein Problem!

Was Chris Baty in seinem Buch „No Plot? No Problem!” verspricht – nämlich, dass man sich um den Plot keine Gedanken machen braucht – hat sich bei mir bewahrheitet. Ich habe zwar einen Plot angefertigt, aber für nur etwa die Hälfte der Story. Die andere Hälfte des Plots ist während des Schreibens entstanden. Ich hatte zwar immer eine grobe Richtung im Auge, die konkreten Szenen und Details waren mir allerdings selbst unbekannt, bis ich sie aufgeschrieben habe.

Was man dafür umso mehr braucht, sind Charaktere. Man muss nicht notwendigerweise wissen, in welchem Verein sie Handball spielen oder welche Klamotten sie in ihrer Teeniezeit trugen, aber man muss ihnen nahe sein. Wenn man es schafft die Welt aus ihren Augen zu sehen, hat man schon gewonnen. Lebendige Charaktere entstehen und diese schleppen einen dann durch den Rest des Buches.

Ich kann einen Roman schreiben

Die Herkunft dieser Erkenntnis ist ziemlich offensichtlich und niemand wird sich deswegen mit mir streiten können. Für mich ist diese Erkenntnis neu. Ich hatte bisher noch keinen Roman geschrieben und deswegen auch keinen Beweis, dass ich es könnte. Hier ist der Beweis: Ich habe es getan und könnte es jederzeit wieder tun.

Schnelles Schreiben, Ausdauerndes Schreiben

Um noch anderen Aktivitäten während dieses Monats nachgehen zu können, war es für mich notwendig, die Sache mit einem schnellen Schreibtempo anzugehen. Zu Beginn des Monats brauchte ich für 1000 Wörter etwa eine Stunde. Jetzt brauche ich nur noch etwa eine dreiviertel Stunde. Meine Effektivität hat sich dadurch gründlich gesteigert.
Nach 2000 – 2500 Worten war ich meistens am Ende, selbst wenn sich diese Wortanzahl über den Tag hinweg verteilte. Da ich gegen Ende des Monats etwas in Zeitdruck geriet, konnte ich meinen Wortrekord auf 7000 Worte an einem Tag erhöhen. Und danach hätte ich sogar noch weiterschreiben können.

Inneren Zensor zum Schweigen bringen

Der innere Zensor ist die Stimme in unserem Kopf, die uns sagt, dass das, was wir gerade geschrieben haben, Blödsinn ist, dass wir sowieso nicht schreiben können und sonst eigentlich auch kein Talent haben. Wer sich mit dieser Stimme im Kopf an ein Projekt in NaNoWriMo-Größe wagt, hat zwei Möglichkeiten: Entweder auf die Stimme hören und es sein lassen oder die Stimme abschalten. Ich hab mich für letzteres entschieden. Das ist meiner Meinung nach auch der Hauptgrund, warum ich die 50000 Wörter erreicht habe. Ohne inneren Zensor gibt es nichts und niemandem mehr, der es einem vermiesen kann, sich kreativ auszudrücken.
Was meinen Zensor betrifft: Er hat diesen Monat wirklich die Klappe gehalten.

Herausforderung

Der NaNoWriMo war für mich die passende Herausforderung: Einerseits gab es genug Hürden, die ich überwinden musste und dadurch einiges gelernt habe, andererseits war er für mich dennoch machbar. Ich hab also mit dem Durchhalten meiner NaNo-Zeit nicht nur mein Endergebnis „Roman schreiben“ abhaken können, sondern auch einige Erfahrungen sammeln können, die mir für andere Projekte weiterhelfen können, was mir persönlich noch wichtiger ist als der Roman selbst.

Für alle, die irgendwann mal ein Buch schreiben wollten oder es vielleicht noch immer möchten, ist der NaNoWriMo eine perfekte Trainingsmöglichkeit. Der NaNoWriMo findet jedes Jahr im November statt.
Ob ich selbst nächstes Jahr wieder dabei bin, kann ich noch nicht voraussagen und wird sicherlich damit zusammenhängen, womit ich nächsten November beschäftigt bin. Ich kann euch aber auf jeden Fall empfehlen, es selbst einmal zu versuchen oder, wenn ihr es diesmal nicht geschafft habt, es wieder zu versuchen.

Songparts und ihre Funktionen

Veröffentlicht am 4.November 2008

Jeder Song ist aus verschiedenen Teilen aufgebaut, die meistens in einer bestimmten Reihenfolge aufeinander abfolgen. Manche Songparts eines Liedes werden wiederholt, andere kommen nur einmal vor. Um zu verstehen, wie die Songparts und damit der Songaufbau mit deinem Text und deiner Melodie zusammenhängen, ist es wichtig zu wissen, welche Funktion die einzelnen Songparts haben.

Intro

Mit dem Intro beginnt der Song, deswegen hat es die Funktionen, den Hörer musikalisch in den Song einzuführen. Du bereitest den Hörer quasi auf die Stimmungen und Melodien vor, die darauf folgen. Es ist deswegen ratsam, Stimmung und Atmosphäre des Intros dem restlichen Song anzupassen.

Einen Text brauchst du in diesem Songteil noch nicht zu verwenden. Ein kurzer instrumentaler Part reicht vollständig. Rapper verwenden das Intro aber oft dazu, das Publikum und ihren Gegner (Battelrap) zu begrüßen, und sich vorzustellen.

Die meisten Intros dauern zwischen 3 und 30 Sekunden. Allerdings wirst du feststellen, dass Radiohits eher zu kürzeren Intros tendieren. Im Metall und im progressiven Rock findet man dafür längere und sehr abwechslungsreiche Intros, die bei langen Stücken teilweise sogar über einige Minuten gehen („Octavarium“ – Dreamtheater).

Intros sind nicht obligatorisch, aber sehr weit verbreitet. Wenn du eine starke erste Strophe hast, kannst du auch damit anfangen („Drain You“ – Nirvana).

Strophe

Strophen haben die Funktion, die Situation der lyrischen Hauptperson zu schildern oder eine Geschichte zu erzählen. Strophen können im Gegensatz zum Refrain den Inhalt sehr detailliert darstellen. Die meisten Strophen dauern etwa 15-30 Sekunden lang.

1.Strophe

Während das Intro eine musikalische Einführung der Songs darstellt, wird der Hörer in der ersten Strophe mit dem Inhalt des Songs bekannt gemacht. Die allgemeine Situation wird beschrieben, und falls der Inhalt eine Geschichte erzählt, findet man in der ersten Strophe auch den ersten Teil der Geschichte. Der Hörer bekommt einen ersten inhaltlichen Eindruck vom Song, ohne jedoch zu viel zu erfahren.

Wichtig in der ersten Strophe ist es, im Hörer die Lust nach mehr zu wecken. Das geht am besten, indem du sowohl in der Musik als auch im Text eine Spannung aufbaust. Ein provozierender erster Satz oder eine Frage am Ende der ersten Strophe, die nach einer Antwort verlangt, können eine spannende Wirkung erzielen.

2., 3., 4., …Strophe

Alle anderen Strophen sollten sich vom Textaufbau an der ersten Strophe orientieren. Zum Beispiel kannst du Stilmittel verwenden, die du in der ersten Strophe schon verwendet hast. Wenn du in der ersten Strophe Fragen stellst, frag in der zweiten Strophe weiter („Ist das so?“ – Wir Sind Helden). So hat der Hörer den Eindruck ein zusammenhängendes Lied zu hören, anstatt einer Aneinanderreihung von zufälligen Textfragmenten.

Wenn du eine Geschichte erzählst, ist es jetzt Zeit, sie weiterzuerzählen. Manchmal werden in zwei verschiedenen Strophen sogar zwei verschiedene Geschichten erzählt („Krankenhausreif“ – Fettes Brot).

Ab der zweiten Strophe kannst du dich entweder versuchen, die Spannung zu halten, die du in der ersten Strophe gebaut hast und den Text dafür inhaltlich vertiefen, oder du kannst die Spannung noch erhöhen, indem du zum Beispiel deine Worte drastischer wählst oder die Situation, in der sich das lyrische Ich befindet, verschlimmerst.

Prechorus

Der Prechorus, ist der Teil, der sich zwischen Strophe und Refrain befindet (also vor dem Chorus). Seine Funktion ist es, einen eleganten aber spannenden Übergang von der Strophe zum Refrain herzustellen. Nicht selten ist er wesentlich kürzer als die Strophen, und kann sogar auf einen einzigen Satz reduziert sein („Given Up“ – Linkin Park).

Der Prechorus stellt meistens eine Spannungssteigerung da. Oft hat man im Prechorus andere Akkorde als in den Strophen, um die Spannung vor dem Refrain noch mal zu erhöhen („Let Love Be Your Energy“ – Robbie Williams).

Inhaltlich bringt der Prechorus erst mal nichts neues. Auch Geschichten werden hier meistens nicht weitererzählt, da der Prechorus bei seinen Wiederholungen meistens denselben, zumindest aber einen sehr ähnlichen Text hat („Numb“ – Linkin Park).

Der Prechrous ist wie das Intro nicht obligatorisch. Außerdem findet man ihn nicht in allen Stilrichtungen. Im Hip Hop und Rap fehlt der Prechorus zum Beispiel sehr häufig (da man hier keinen Gesang hat, bringt ein Akkordwechsel relativ wenig für die Spannung).

Refrain

Der Refrain, oft auch Chorus genannt, ist der wichtigste Songpart. Von ihm geht alles aus und auf ihn führt alles zurück.
Im Chorus befindet sich die zentrale Botschaft deines Textes. Das heißt vor allem: Kein Herumreden mehr um den heißen Brei. Oft ist der Refrain sehr direkt mit seiner Botschaft („all I want to do / is be more like me / and be less like you“ – “Numb” – Linkin Park). Selbst wenn man hier nicht so direkt wird, ist dies der Ort, wo du deine Message in konzentrierter Form unterbringen musst. Was austauschbar und nicht essentiell ist, gehört nicht in den Refrain. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche, wird dein Refrain auch verallgemeinert. Dadurch können sich mehr Leute mit dem Thema identifizieren.

Textlich gesehen geht es im Refrain trotzdem darum, Aufmerksamkeit zu erwecken. Wenn du dich von anderen Songs absetzen willst, braucht dein Refrain originelle Textideen, sogenannte „Hooks“, die sofort ins Ohr gehen. Abgewandelte Sprichwörter und Redensarten, sowie Neologismen (Wortneuerfindungen) bieten sich hier besonders an.

Oft befindet sich der Songtitel im Refrain in gut hörbarer Stellung. Wenn du noch keinen Songtitel hast, kannst du nach einem Wort suchen, dass sich für deine Message eignet und gleichzeitig im Refrain eine zentrale Rolle spielt.

Der Refrain wird manchmal jeweils nur einmal gespielt, manchmal doppelt, oft auch erst beim letzten Mal noch mal angehängt. Das ist von Lied zu Lied sehr verschieden und hängt oft von der Refrain- und der Songlänge im Allgemeinen ab. Ein kurzer Refrain bietet sich zum Wiederholen natürlich eher an als ein langer.

Der Refrain ist immer der kraftvollste Teil des Songs und wiederholungsintensivste. Innerhalb des Refrains wiederholen sich Melodien oft noch stärker als im gesamten restlichen Song. Einen guten Song wird man dank seines Refrains wiedererkennen, deswegen findet man hier oft die typischen „Ohrwrummmelodien“.

Wenn vorher ein Spannungsaufbau stattgefunden hat, entlädt sich dieser ebenfalls im Refrain. Das ist auch der Grund, warum man sich so oft auf diesen Teil des Songs freut.

Bridge

Die Bridge hat im Song eine besondere Stellung. Sie hebt sich von den anderen Songparts ab und genau das ist auch seine Funktion: Abwechslung. Nachdem man sich die ersten zweieinhalb wiederholungsintensiven Minuten eines Songs angetan hat (Strophe – Refrain – Strophe – Refrain), stößt man nun auf einen Teil, der dem Song noch mal eine andere Note gibt.

Oft wird in der Bridge das Thema aus einer neuen Perspektive betrachtet, es werden Gefühle geschildert, die vorher nicht zur Geltung gekommen sind, es werden teilweise neue Informationen gegeben, die einen das bisher gesagte neu betrachten lassen – manchmal nimmt der Song hier eine überraschend gute oder schlechte Wendung oder es gibt eine Pointe.

Genauso wie sich der Inhalt ändert, ändern sich in der Bridge oft die Harmonien, teilweise gibt es auch Arrangementänderungen. Gesangsmelodien ändern sich in der Bridge fast immer.

Die Bridge wird in einigen Musikrichtungen (etwa New Metal) auch als Höhepunkt des Songs verwendet („One Step Closer“ – Linkin Park). Dort gibt es dann Gefühlsausbrüche auf die man in den anderen Songparts bewusst verzichtet hat. Die Bridge unterscheidet sich dann meistens grundlegend vom Rest des Songs.

In einigen Genres ist ein instrumentaler Bridge nicht ungewöhnlich. Im klassischen Rock befinden sich Gitarrensoli zum Beispiel sehr gerne in der Bridge.

Outro

Das Outro ist das Gegenstück zum Intro, ist also der Songteil mit dem der Song abschließt. Outros sind nicht so häufig wie Intros, vor allem nicht bei moderner Pop- und Rockmusik oder dauern häufig nur wenige Sekunden.

Das Outro hat den Sinn, den Song ausklingen zu lassen und zu verhindern, dass er zu abrupt endet. Im Idealfall möchte man nach dem Outro den Song noch mal hören. Deswegen kann es von Vorteil sein, Intro und Outro aus dem selben Material zu basteln.

In seltenen Fällen führt ein neues Melodiethema vom Song komplett weg. Dies kann aber als Methode dienen, um zwei Songs von einem Album zu verbinden („Shadows Of The Day“ – „What I’ve Done“ – Minutes To Midnight, Linkin Park). Dann können Outros oft lange werden und eine langsame Arrangementveränderung durchmachen.
Auf Radiosingles werden diese Art von Outros aber in den meisten Fällen abgeschnitten.

Instrumentals

Neben Intro, Outro und Bridge, können in einem Song auch noch andere instrumentale Parts eingeführt werden. Sehr gängig sind Instrumentals direkt nach dem ersten Refrain. Es bietet sich aber auch grundsätzlich an, an den Refrain noch einen instrumentalen Teil anzuhängen („In The Shadows“ – The Rasmus).

Während es in manchen Genre üblich ist, viele Instrumentals zu haben (etwa Metal und Electro), ist es im Pop und Rock eher unüblich. Dort sind instrumentale Teile meistens nur wenige Sekunden lang, um den Songfluss- und die Struktur nicht zu unterbrechen.

Das waren alle wichtigen Songparts. Jetzt, wo du weißt, welche Songteile welche Funktionen haben, kannst du dir aneignen, Texte und Melodien zu schreiben, die zu ihren jeweiligen Funktionen passen. Damit erhältst du einen strukturierteren, logischeren Song, dem deine Hörer gut folgen können.

NaNoWriMo: Tag 27-30

Veröffentlicht am 1.Dezember 2008

Es ist offiziell: Der National Novel Writing Month ist vorbei und ich bin eine Gewinnerin.

NaNoWriMo

12999 Worte habe ich in den letzten Tagen geschrieben, davon 7000 am Sonntag, dem 30.November. Meine Wortgesamtanzahl beträgt 50055 Wörter.

Die letzten Tage waren zwar nicht ganz leicht, aber mir war klar, dass ich gewinnen würde. Hätte ich aufgegeben, wäre das nichts weiter als ein verschenkter Sieg gewesen. Ich habe das Gefühl, dass es eine kritische Masse von Wörtern bei jedem gibt, die auslöst, dass es kein zurück mehr gibt. Irgendwann bedeutet es weniger Leid, den Roman zu Ende zu schreiben, als ihn aufzugeben.

Ich bin jetzt also Romanautorin. Novel Writer. Dafür, dass ich mir erst vor 30 Tagen angefangen habe zu schreiben, gefällt mir jetzt schon das Ergebnis. ;)
Da mich jetzt jeder fragt, ob er das Buch zu lesen kriegt: Nein, das geht (noch) nicht. Das, was ich geschrieben habe, ist noch der erste Entwurf. Jetzt folgt erstmal die Überarbeitung.

Meine Story ist nochmal ziemlich durcheinander geraten, ich habe aber vermieden, Korrekturen vorzunehmen, um noch besser voran zu kommen. Bisher habe ich nichts von meinem Buch gelesen. Deswegen kann ich noch überhaupt nicht voraussehen, wie viel Editierungsaufwand notwendig ist. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass das Buch noch länger wird. Die 50000 Wörter haben kaum ausgereicht, um alle Personen vorzustellen; von den meisten kennen Erin (meine Protagonistin) und ich nicht mehr als den Namen und ihr ungefähres Alter. Ich hab also noch etwas Arbeit vor mir, dafür aber auch schon eine ganze Menge hinter mir.

Endergebnis: 50055