Mastermind

Seit Anfang Februar bin ich jetzt in einer Online-Mastermindgruppe. Das Mastermind-Prinzip stammt von Napoleon Hill, dem Autor von Think And Grow Rich, und man könnte es folgendermaßen zusammenfassen: Gehirne denken in Gesellschaft besser.

Um dieses Prinzip auch für mich nutzen zu können, bin ich vor etwa vier Wochen einer Mastermind-Gruppe beigetreten. Ich hatte schon einige Zeit davor an so eine Gruppierung gedacht, allerdings hatte ich niemanden gefunden, der Interesse hatte. Kurz darauf wurde ich von meiner Freundin Rosine darauf aufmerksam gemacht, dass sie vorhatte eine Mastermind-Gruppe zu gründen und fragte mich, ob ich Interesse hätte beizutreten. Ich war natürlich dabei.

Unsere Gruppe besteht mit mir aus fünf Frauen, die auf der ganzen Welt verstreut, sowie alle treue Leser von Steve Pavlina sind :) . Wir treffen uns Montag bis Freitag jeweils einmal für 15-30 Minuten im Chat und nehmen uns ein bis zwei Aufgaben für den nächsten Tag vor, die unseren jeweiligen Zielen entsprechen. Am nächsten Tag berichten wir dann, wie es uns ergangen ist und bestimmen neue Aufgaben für den darauffolgenden Tag. Einmal in der Woche weiten wir unser Treffen zeitlich etwas aus und sprechen ausführlicher und gezielt über ein bestimmtes Thema, indem wir unser Treffen zum Beispiel einer einzelnen Person unserer Gruppe widmen. Dabei geht es nicht darum, sich um allgemeine Themen zu unterhalten, sondern sich mit den Zielen, Problemen und Weltvorstellungen der anderen auseinanderzusetzen, sich gegenseitig zu helfen und zu motivieren, damit jeder einzelne seinen Zielen näher kommen kann. Gerade hier spielt der Gruppenaspekt eine große Rolle: Allein hat man nun mal nicht so viel Inspiration wie zusammen.

Motivation

Eine Mastermindgruppe motiviert auf zwei Arten:

1. Das Versprechen bestimmte Tätigkeiten zu erledigen ist viel bindender, je mehr Leute davon wissen. Wenn man das Versprechen nicht hält, bricht man nicht nur das Versprechen, das man sich selbst gegeben hat, sondern auch das, das man der Gruppe gegeben hat.

2. Die Gruppe ist nicht nur dazu da, Aufgaben abzuchecken, sondern ganz generell zur Unterstützung der einzelnen Mitglieder. Ergebnisse werden in der Gruppe gefeiert, bei schwierigen Situationen spricht man sich Mut zu und feuert sich an.

Strategie

Ich erledige natürlich mehr als 1-2 Aufgaben am Tag und habe auch eine ganze Reihe mehr auf meiner täglichen To-Do-Liste stehen. Die Aufgaben, die ich mir für die Mastermindgruppe setze sind allerdings meine höchste Priorität. So kann ich sichergehen, dass ich die besonders wichtigen Aufgaben nicht für eine Reihe unwichtiger Arbeiten umgehe.

Ergebnisse

Bis auf zwei Mal konnte ich seit Anfang des Monats alle Aufgaben erfüllen, die ich mir in der Gruppe vorgenommen hatte. Dabei habe ich mich darauf konzentriert, vor allem Aufgaben zu erledigen, die mich besonders herausfordern, die besonders viel ausmachen oder Dinge, die ich ohne mein bindendes Versprechen an die Gruppe vielleicht nicht machen würde (selbst wenn sie nur ein paar Minuten dauern!). Dementsprechend effektiv sind die ersten Ergebnisse: Ein unmittelbares Resultat dieser Aufgaben war z.B. der Gig im Bamberger Irish Pub am 14.Februar (auf den übrigens mindestens ein weiterer Gig folgen wird).

Technisches

Um uns online zu treffen, benutzen wir einen privaten Chatroom auf Javabasis. Daneben haben wir eine private Gruppe bei Google Groups, in der die täglichen Berichte über die Treffen gepostet werden (jeden Tag ist ein anderes Mitglied für den Bericht zuständig), sowie andere Diskussionen. Denkbar wären zudem Skype-Meetings (davon hatten wir bisher nur ein kurzes, um mal hallo zu sagen), da durch die Konferenzfunktion ein Gespräch mit mehreren Personen möglich ist.

Man braucht keine besonderen Vorkenntnisse, um eine Mastermind-Gruppe zu arrangieren. Detailliertere Informationen dazu habe ich in diesem Artikel bei i-bux.com gefunden.

Wenn ich mir die Erfahrungen aus den letzten drei Wochen durch den Kopf gehen lasse, bin ich mir sicher, dass mir die Mitgliedschaft in der Gruppe in den nächsten Wochen und Monaten dabei helfen wird, besser voranzukommen und wahrscheinlich auch mehr Spaß am Vorankommen zu haben. Schließlich ist der Weg das Ziel. ;)

Veröffentlicht am 25.Februar 2010

Wie man seinen Kopf frei bekommt

In unserem Alltag gibt es oft so viel zu bedenken, dass es selten ist, dass wir jemals den Kopf richtig frei haben. Zwar ist gezieltes Denken ein gutes Werkzeug, wird man jedoch von der Gedankenflut übernommen, bleibt vom Denken wenig Konstruktives übrig. In vielen Situationen können unkontrollierte Gedankenströme sogar besonders störend sein, z.B. wenn man versucht, sich zu konzentrieren.

Glücklicherweise gibt es einige Möglichkeiten, mit denen man die Gedanken in seinem Kopf auf einen Bruchteil reduzieren kann.

1.Tagebuch schreiben

Lieber die Gedanken auf einem (virtuellen) Blatt Papier, als im Kopf. Es ist erstaunlich wie sehr es helfen kann, Gedanken niederzuschreiben. Sind sie einmal auf das Papier gebannt, hat man das Gefühl, dass es keinen Grund gibt, sich mehr damit zu beschäftigen – schließlich stehen sie schon irgendwo.
Bei Tagebüchern dieser Art, geht es nicht darum, den Tag oder den Tagesablauf zu dokumentieren, sondern lediglich darum die Gedanken niederzuschreiben, die einen im Moment beschäftigen.
Am sinnvollsten ist es, regelmäßig Tagebuch zu schreiben. So verhinderst du, dass sich Gedanken über einen längeren Zeitraum aufschaukeln und zu einem riesigen Komplex werden.

2.Kreativität

Kreativer Selbstausdruck ist eine weitere Möglichkeiten, seinen Kopf leer zu kriegen. Warum nicht die Gedanken und Gefühle, die dir im Kopf herum gehen dazu nutzen, einen Roman oder einen Song zu schreiben? Durch die kreative Beschäftigung mit einem Thema, kannst du selbst größere Themenkomplexe vollständig abhaken. Nicht zu vergessen, gleicht der Flow-Zustand, in den man kommt, wenn man sich kreativ betätigt, bereits einem Zustand der Leere.

3.Listen

Oft geht uns so viel durch den Kopf, weil wir so viel zu tun haben und uns an so viele Dinge erinnern müssen. Weil man im Kopf keine Notizzettel schreiben kann, muss unser Geist wichtige Dinge ständig im Bewusstsein halten, was dazu führt, dass wir wieder und wieder das gleiche denken. Was für eine Gedankenverschwendung!
Doch glücklicherweise gibt es eine Abhilfe: Listen. Indem man Listen dazu nutzt, die wichtigen Dinge zu verwalten, an die man sich sonst ständig erinnern müsste, räumt man damit einige Gedanken auf.
Nutze eine To-Do-Liste, um dich daran zu erinnern, was du heute noch machen möchtest. Nutze eine Ideenliste, um alle Ideen festzuhalten, die dir in den Sinn kommen. Nutze eine Einkaufsliste, um deinen Einkauf zu organisieren. Und so weiter.
Solche Listen helfen dir nicht nur, deinen Kopf zu entlasten, sondern auch, dich längerfristig an Dinge zu erinnern, die du sonst vergessen würdest.
Ich führe zum Beispiel eine Liste mit Ideen für Blogartikel. Diese Liste führt mittlerweile über 150 Ideen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich an Ideen, die ich vor einem halben Jahr hatte, erinnern würde, wenn ich diese Liste nicht hätte. So ist es jedoch ganz einfach.

4.Meditation

Gedanken aufzuräumen lässt sich auch durch einfaches Üben lernen. Beim Meditieren versucht man sich auf die eigene Leerheit und damit einhergehenden Frieden zu konzentrieren und erschafft so nahezu einen Zustand der Gedankenlosigkeit.
Meditation übt man meistens an einem ruhigen Ort in einer ruhenden Position. Wenn man etwas geübter ist, kann man aber in jedem Zustand meditieren. Gedankenüberfluss ist ab diesem Punkt kein Problem mehr. Ein sehr effektives Buch, das dabei hilft, sich langfristig in einen Meditationszustand zu bringen, ist The Power Of Now. Möchtest du deinen Kopf wirklich frei bekommen, kommst du um Meditation nicht herum.

5.Neue Ordnung schaffen

Durch eine Philosophie mit festen Prinzipien gibst du deinem Bewusstsein die Möglichkeit, Dinge übersichtlich einzuordnen, statt wild durcheinander zu werfen. Mehr dazu findest du im Artikel Prinzipien und Gedankenmodelle.

Wenn du erst mal so weit bist, wirst du bemerken, wie viel angenehmer es ist, sich nicht von seinen Gedankenströmen beherrschen zu lassen. Aus einem Gefühl der Ruhe und des Friedens wird schließlich ein Gefühl des tiefen inneren Glücks. Es ist sicherlich nicht einfach, aus dem Sog des Gedankenstroms herauszukommen, doch jeder Schritt, der daraus hinaus führt, lohnt sich sofort.

Veröffentlicht am 21.Oktober 2009

Ein Buch pro Woche

Durch einen Artikel von Steve Pavlina bin ich Anfang September auf die Idee gekommen, ein Buch pro Woche zu lesen. Ich entschloss mich sofort dazu, das Ganze einmal auszuprobieren. Ich bin bisher (abgesehen von meiner Kindheit und frühen Jugend) eher Gelegenheitsleser gewesen. Schon deswegen, weil meine Augen sich relativ schnell überanstrengen und das Lesen unbeleuchteter Sachen für mich schnell mühevoll bis unmöglich werden kann.

Ich konnte mir aber gut vorstellen, dass ich mit einem Buch pro Woche meine Grenzen nicht überschreiten würde. Ich nahm mir nicht explizit vor, ein Buch pro Woche zu lesen, da ich nicht wusste, wie viel Zeit ich in den einzelnen Wochen haben würde, sondern verteilte das ganze auf die Monatsebene: Ich wollte vier Bücher in einem Monat schaffen. Wenn ich hier von Büchern rede, rede ich übrigens ausschließlich von Sach- und Fachbüchern. Es ging mir nicht um Unterhaltung, sondern rein um Information.

Schon nach einem Monat (und übrigens nein, es war nicht schwierig, dieses Vorhaben durchzuhalten) ist mir nun klar, dass ich aus dem Bücherlesen eine Gewohnheit machen möchte. Was an Büchern so besonders ist? Im Gegensatz zu anderen Medien haben sie den Vorteil, dass sie sich viel detaillierter mit einem Thema auseinandersetzen können und damit meistens wesentlich mehr in die Tiefe gehen, als andere Medien.

Es ist so leicht, oberflächliche Informationen aus dem Internet zu erhalten, dass man leicht vergessen kann, dass es auch Möglichkeiten gibt, sich detailliertes, tiefgründiges und fokussiertes Wissen über ein Thema zu besorgen. Es ist zwar in den meisten Fällen etwas aufwendiger, sich ein Buch zu einem Thema zu besorgen, statt einen Blog zu dem Thema zu lesen, wenn man sich aber wirklich mit einem Thema auseinandersetzen möchte, ist ein Buch meistens die bessere Wahl.

Vielen Leuten fällt der Qualitätsunterschied verschiedener Informationsquellen kaum oder gar nicht auf. Deswegen mag ihnen so ein Artikel absurd erscheinen. Er liest sich wie: „Du willst mehr Informationen? Dann besorg dir mehr Informationen!“ Es geht allerdings eben gerade nicht um die Quantität der Informationen, sondern um die Qualität.

Da Bücher meistens einen größeren Eindruck hinterlassen, eignen sie sich hervorragend, um den eigenen Geist längerfristig zu füttern: Jede Woche ein Schwung geballter Eindrücke und Ideen – rechnet man das längerfristig, kann man sich in etwa vorstellen, wie groß der Unterschied nach einem Jahr zwischen jemandem ist, der wöchentlich ein Buch gelesen hat und jemandem, der das nicht getan hat. Oder nach fünf Jahren. Oder nach zehn Jahren.

Bevor man eine Gewohnheit erlernt hat, kann man in der Regel nicht voraussehen, welche Effekte sie auf einen hat. Deswegen am besten einfach mal selbst austesten. Wenn du überhaupt nicht weißt, bei welchem Buch du anfangen sollst, schau doch mal in einer Bücherei vorbei. So musst du nicht gleich finanziell belasten, wenn du wenig Geld zur Verfügung hast. Für den Fall, dass du speziellere Informationen suchst, kannst du auch Unibibliotheken nutzen. An Ressourcen sollte es also nicht scheitern.
Nach ein paar gelesenen Büchern solltest du bereits den Unterschied zu vorher erkennen. Dann kannst du entscheiden, ob die neue Gewohnheit für die in Frage kommt oder nicht. Ich werde sie erstmal behalten.

Veröffentlicht am 13.Oktober 2009

Lass dich nicht verwickeln

Ich weiß nicht, was so viele Leute an persönlichen Dramen finden. Bei Desperate Housewives mag das ja vielleicht ganz amüsant sein, aber im richtigen Leben sind Dramen doch vorallem eins: unproduktiv in höchstem Maße!

Auch wenn man selbst keine Dramen inszeniert, kann man von anderen Leuten in eines verwickelt werden.
Wenn du nun anfängst, mit so jemandem zu diskutieren, führst du nur das Drama weiter. Der Dramatiker wird auf jeden Fall deine Diskussion zu einem weiteren Teil des Dramas machen. Diskussion ist also keine Option.

Meistens kann man Dramasüchtige kaum mehr ärgern, als komplett unbeteiligt zu bleiben. Wenn sich keiner an einem Drama beteiligt, stirbt es schließlich.

Unbeteiligtheit lässt sich einerseits durch Ignoranz ausdrücken (eignet sich gut, wenn du keinen Wert auf die Kommunikation mit dem Dramatiker legst). Für die Fälle, in denen man trotzdem kommunizieren möchte oder zumindest in der Lage sein möchte eine Erklärung für die eigene Unbeteiligtheit abgeben zu können, hier eine Vorlage:


Lieber Dramasüchtiger,

Ich kenne den Grund deiner Dramasucht nicht und weiß auch nicht, aus welchem Grund du diesmal wieder ein Drama heraufbeschworen hast.

Im Moment bist du offensichtlich [wütend/ traurig/ frustriert/ verzweifelt/ beleidigt/ unglücklich/...] weil ich dein Bedürfnis nach [Nähe/ Annerkennung/ Liebe/ Spaß/ Zweisamkeit/ Geld/ Wissen/ Sex/ Sicherheit/ Erfolg/ Friede/...] nicht erfüllen [kann/will].

Da ich allerdings keine Macht über deine Gefühle habe, bin ich auch nicht für sie verantwortlich. Du allein entscheidest, wie du dich fühlen willst. Wenn du dich also [wütend/ traurig/ frustriert/ verzweifelt/ beleidigt/ unglücklich/...] fühlst, ist es nicht meine Aufgabe, deinen Gefühlszustand zu ändern.
Konstruktiver wäre es, wenn du dich für einen angenehmeren Gefühlszustand entscheiden würdest und nach einem anderen Weg zur Befriedigung deines Bedürfnisses Ausschau halten würdest, als darauf zu bestehen, dass ich dafür verantwortlich bin.

Drama kostet nicht nur Zeit, sondern auch Energie. Ich bin sicher, du kannst beides besser einsetzen.

Gruß
Die dem Drama Abgeneigte

Nach so einer Erklärung kann es sein, dass der Dramasüchtige noch um einiges emotionaler wird. Lass dich auch davon nicht beeindrucken.
Solange du unbeteiligt bleibst, hat er keine Chance.

29.September 2009

10 Anzeichen, dass du angepasst bist

Wir alle leiden zumindest teilweise unter sozialer Konditionierung. Das Problem an sozialer Konditionierung ist die Machtlosigkeit, die damit einhergeht, dass wir uns ständig anpassen.
Unglücklicherweise wissen die meisten angepassten Menschen nicht, dass sie angepasst sind, denn sie haben generell verlernt, auf sich selbst zu hören.
Hier sind 10 Zeichen, an denen du erkennen kannst, ob du selbst angepasst bist:

1] Kritisch gegenüber Minderheiten und Andersartigen

Du bist kritisch gegenüber Menschen, die in manchen Lebensbereichen nicht der Norm entsprechen: Vegetarier, Veganer, Reiche, Polygamisten, Erfolgreiche, Alleinerziehende, Esoteriker, Extremsportler, Abstinenzler, Singles, Selbstständige;
Du suchst überall nach Beweisen, dass ungewöhnliche und unangepasste Lebensstile schlecht sind, ohne nur darüber nachzudenken, sie selbst mal auszuprobieren.

Der Kontakt mit unangepassten Lebensstilen zwingt dich oft in den Verteidigungsmodus: Du erklärst, wie sehr dich die dummen Veganer noch motivieren, erst recht viel Fleisch zu essen.
Auch wenn du keine Ahnung hast, hast du eine Meinung:
Du kennst wahrscheinlich keinen polyamourösen Menschen, weißt aber 100%ig, dass Mehrfachbeziehungen über längere Zeit nicht gut gehen können.
Du kennst keinen einzigen Multimillionär, glaubst aber, dass solche Menschen primär von Geld motiviert sind.

2] Du hast kein Lebensziel

Anstatt herauszufinden, was dich wirklich bewegt, hast du dich dazu entschieden, der Herde hinterherzulaufen. Wahrscheinlich bewegt sich dein Leben genau in die Richtung der anderen, mit denen du rumhängst, ohne dass du dich jemals bewusst für diese Richtung entschieden hast.
Eventuell siehst du bereits die Auswirkungen deiner Ziellosigkeit: Du bist an einem Ort angekommen, an dem du niemals wirklich sein wolltest. Vielleicht steckst du schon seit Jahren in so einer Situation fest, die dich nicht erfüllt.

Vielleicht hast du sogar ein Lebensziel, aber es erfüllt dich nicht. Das ist typisch für Ziele, die man sich hat einreden lassen oder die man sich von anderen abgeschaut hat. Die Ziele angepasster Menschen sind Ziele, die oft erst in der Zukunft Erfüllung versprechen und nicht in der Gegenwart. Dadurch wird dir nicht bewusst, dass du wegen deines Ziels unzufrieden bist und nicht deswegen, weil es noch nicht eingetreten ist. Und da dir das nicht bewusst ist, kommst du nie darauf, deine Ziele einmal zu überprüfen.

3] Du erwischst dich manchmal dabei, Dinge aus Gruppenzwang zu tun

Du trinkst, obwohl du dir vorgenommen hattest, heute nichts zu trinken. Du gehst nur in die Schule, um deinen Eltern zu gefallen. Du gehst auf die Party, auf die du keine Lust hast, damit du dazugehörst. Du kaufst dir etwas, was du nicht brauchst, weil jeder sowas hat.
Wenn du etwas nicht tun willst und es letztlich doch tust, weil du jemand anderem gefallen willst, passt du dich an. Vielleicht hast du sogar das Gefühl, keine andere Wahl zu haben, als nach dem Willen von jemand anderem zu handeln (was natürlich Blödsinn ist).

4] Du wirst von Angst angetrieben

Du gehst auf die Arbeit, weil du Angst davor hast, kein Geld zu haben. Du erledigst etwas für deine Eltern, weil du Angst hast, dass sie sonst enttäuscht von dir sind.
Angst macht reaktiv. Wenn du reagierst, statt agierst, passt du dich damit immer der Sache oder der Person an, die diese Reaktion hervorrufen. Du verlierst die Kontrolle über deine Aktionen – und passt dich an.

Vielleicht machst dir oft Sorgen. Das mag soweit gehen, dass deine Sorgen oft das sind, womit du dich in deinen Gedanken am meisten beschäftigst.
Folglich bist du viel zu ängstlich deinem eigenen Willen zu folgen. Schon diese Tatsache macht dich zu einem Angepassten.

5] Du glaubst, du bist nicht 100%ig verantwortlich

Irgendjemand trägt die Schuld dafür, wenn es dir schlecht geht – nur du nicht. Deine Eltern, deine Freunde, deine Arbeitskollegen; du findest schon einen Schuldigen.

Da du selbst keine Verantwortung übernimmst, denkst du auch, dass jemand anderes für dich deine Probleme lösen soll: Wenn sich das und das verändert, kannst du endlich glücklich sein. Nur dumm, dass die Veränderung nicht in deiner Hand liegt!
Nicht zuletzt deswegen liebst du politische Diskussionen: Keiner erhört dich und so kannst du weiter die Rolle des Opfers spielen.

Klar, dass du gerne klagst. Du klagst über das Wetter, das schlechte Fernsehprogramm, die Politik, deine Mitmenschen, den Verkehr, dein Lebensumstände, dein körperliches Unwohlsein, deine Vergangenheit;
Vielleicht hast du dir sogar eine schöne Geschichte ausgedacht, die dein Elend begründet. Vermutlich kommen in dieser Geschichte deine Eltern oder die Gesellschaft im Allgemeinen vor.
Deine Klagen lullen dich vorrübergehend in Selbstmitleid ein (außerdem bekommst du die Bestätigung von anderen), was sich nicht so schmerzhaft anfühlt wie die Wahrheit, dass du selbst für ein Glück verantwortlich bist.

Deutlich zeigt sich dein Drücken vor der Verantwortung auch in deinem bisherigen Erfolg: Er ist kaum oder nur mäßig vorhanden. Den Grund für deinen Misserfolg schiebst du nämlich ebenfalls auf andere: Du glaubst, du bist nicht erfolgreich, weil dir niemand eine Chance gibt.

6] Du glaubst, dass es Dinge gibt, die man tun „sollte“

Man sollte seinen Eltern gehorchen. Man sollte höflich sein. Man sollte auf E-Mails antworten. Man sollte der Gesellschaft nicht auf der Tasche liegen. Man sollte Kompromisse eingehen können. Man sollte manchmal seine Wünsche hinten anstellen können.

Die meisten dieser Regeln hast du irgendwann von irgendjemandem übernommen, ohne überhaupt zu wissen, warum! Dir ist dabei nicht bewusst, dass diese Regeln komplett optional sind und dich nur einschränken.

Klar, dass du diese Dinge auch von anderen erwartest. Schließlich hast du diese Regeln selbst dein Leben lang befolgt. Natürlich ist dir nicht bewusst, dass dir diese Regeln lediglich eingebläut wurden, um dich besser kontrollieren zu können – um dich anpassen zu können. Nun sorgst du automatisch dafür, dass sich auch andere Leute anpassen, indem du ihnen das Gefühl gibst, dass sie schlechtere Menschen sind, wenn sie sich nicht an die gesellschaftlichen Regeln halten. Du bist einfach der perfekte Sklave. Zum Knuddeln. ;)

7] Du bist co-abhängig

Eine Abhängigkeitsbeziehung passt gut in deinen Lebensentwurf: Dein zentrales Problem ist es, dich nicht geliebt zu fühlen. Ansonsten würdest dich nicht ständig anpassen.

Ohne eine Beziehung fühlst du dich deswegen einsam. Vielleicht macht dich das Single-Dasein sogar richtig depressiv.
Der Zustand deiner Beziehung wird zur Messlatte deines persönlichen Glücks.
Klar, dass es deine größte Angst ist, Verlassen zu werden, sobald du in einer Beziehung steckst.

Besonders witzig ist, dass du deine Abhängigkeit vielleicht in Ordnung findest, weil die Co-Abhängigkeit breit gesellschaftlich akzeptiert ist. Vielleicht ist es dir aufgrund der Häufigkeit von Co-Abhängigkeit gar nicht bewusst, dass langfristiges Glück ohne Beziehung möglich ist!

8] Du hast ein Leben wie viele andere Menschen in deiner Demographiegruppe

Kein Wunder, dass Klischees immer stimmen, denn du sorgst persönlich für deinen Teil der Anpassung.
Wenn du eine Frau bist, brauchst du vermutlich ein extra Schuhregal, um deine Schuhe unterzubringen. Wenn du ein Mann bist, interessierst du dich für Sport. Wenn du Anfang 20 bist, gehst du jedes Wochenende feiern. Wenn du in den 30ern bist, denkst du darüber nach Kinder in die Welt zu setzen.

Was das Alter betrifft, wirst du dich witzigerweise in 5, 10 oder 20 Jahren von deinem früheren Ich distanzieren und alle jüngeren kritisieren, die genauso sind, wie du mal warst. Schließlich bist du jetzt so viel reifer und hast den Durchblick. Hast du dich schon erwischt, wie du über die Jugend von heute schimpfst?

9] Du weißt nicht, wer du bist

Du definierst dich über deine Freunde, über deine Herkunft, über deine Hautfarbe, über dein Ansehen, über deinen Erfolg, über das, was du hast oder tust, nur nicht über das, was du bist. Denn wer oder was bist du?

Eine der essentiellen Fragen, die es im Leben zu beantworten gibt, und du hast keinen Schimmer. Wahrscheinlich hast du nie versucht, es herauszufinden.
Da du nicht weißt, wer du bist, merkst du es auch nicht, wenn du dein wahres Wesen verrätst, wenn du dich anpasst.

10] Du denkst, es ist in Ordnung, für andere auf etwas zu verzichten

Gut, dass du das denkst, denn so kann man dich weiter versklavt halten! Du musst deine Wünsche eben manchmal aufopfern. Und so erwartest du auch, dass andere ihre Wünsche aufopfern – ein perfektes System aus Druck und Erwartungen! Und du hältst es selbst aufrecht!
Erwarte dafür nur keinen Preis.

Da die meisten Menschen angepasst sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch du einer der Angepassten bist. Was nun?
Angepasstheit lässt sich wie alle erlernten unterbewussten Verhaltensmechanismen auch wieder verlernen.

Das beste, was du tun kannst, wenn du angepasst bist, ist es, herauszufinden, wer du bist und was du willst. Nur wenn du weißt, was du willst, findest du genügend Motivation, um dich aus der Anpassung herauszubewegen. Ansonsten kann es sein, dass du für den Rest deines Lebens dort feststeckst. Wie die meisten Menschen eben.

Veröffentlicht am 28.September 2009.