Songwriting-Blogs und -Webseiten

Da Seiten zum Thema Songwriting nicht gerade weit verbreitet sind (und besonders nicht in Deutschland), habe ich mal ein paar gesammelt und möchte sie euch hier als Linkliste präsentieren. Der Fokus dieser Seiten liegt besonders auf der kreativen Arbeit des Songwriters.

Die Liste wird ständig erweitert. Falls ihr weitere Seiten kennt oder selbst eine besitzt, würde ich mich freuen, wenn ihr mich kontaktiert.

Englisch:

http://www.bloggingmuses.com/
http://jeffsongwriting.blogspot.com/
http://theshysinger-songwriter.blogspot.com/
http://christinekane.com/blog/
http://lyrist101.blogspot.com/
http://www.tdbstudio.com/blog/
http://www.songwritingzen.com/
http://lavellsworld.com/
http://www.greatsongwriting.com/index.html
http://www.ultimatesongwriting.com/index.html
http://garyewer.wordpress.com/
http://www.berkleeshares.com/songwriting__arranging/

Deutsch:

http://www.delamar.de/category/songwriting/
http://www.klangkost.net/

Veröffentlicht am 11.April 2009

FAWM

Veröffentlicht am 2.Februar 2009

Was wäre dieser Blog ohne eine allmonatliche Herausforderung mit einer zungenbrecherischen englischen Abkürzung? FAWM bedeutet ausgeschrieben „February Album Writing Month“. In einem Monat (und noch dazu in einem besonders kurzen) sollen die Teilnehmer des FAWM ein Album schreiben.

Zur Entstehungsgeschichte des FAWM habe ich leider nichts gefunden. Sympathisch ist mit aber schon mal der Name. Wer am FAWM teilnehmen möchte, kann sich auf der dazugehörigen Webseite anmelden. Dort werden auch die Regeln (was nicht besonders viele sind) für die Herausforderung näher erläutert.

Als Album gelten 14 Songs. „Songs“ – der Begriff kann nach Belieben ausgelegt werden, denn Instrumentals sind genauso willkommen wie Tracks mit Gesang. Aufgenommen müssen die Songs nicht werden, allerdings sollen Informationen zu den Songs auf der FAWM-Webseite hinterlassen werden, um den Fortschritt zu dokumentieren.

Wenn du meinen Blog schon länger kennst, wirst du es schon ahnen: Ich werde natürlich daran teilnehmen. „Komplette“ Songs (mit fertigem Arrangement) werde ich zwar nicht schreiben können, da ich momentan nicht auf mein Keyboard zugreifen kann, aber mir reichen schon Songgerüste, sprich Text + Melodie + Harmonien.

Warum?

Mein Album „Spurlos“ ist kurz vor der Fertigstellung. Da ich für neue musikalische Projekte bisher nur wenig Ideen gesammelt habe, möchte ich die Chance nutzen und dafür sorgen, dass ich, wenn ich mit einem neuen Projekt beginne, erstmal nicht in Ideenmangel gerate. Anstatt eine unnötige Pause einzulegen, möchte ich den Drive nutzen, den mir die Fertigstellung beschert, und gleich weiterarbeiten.

Leider beginne ich die Herausforderung mit einem Tag Verspätung, da ich erst gestern Nacht von dem Projekt erfahren habe. Aber wenn man 14 Songs in 28 Tagen schreiben kann, kann man 14 Songs wahrscheinlich auch in 27 Tagen schreiben.

2070 Fawmers sind schon angemeldet. Davon sind neun aus Deutschland. 272 Songs wurden schon geschrieben und einige Songwriter haben auch Demos hochgeladen, die man sich auf der Seite anhören kann.
Es bewegt sich also etwas.

Songsmith

Veröffentlicht am 22.Januar 2009

Seit kurzem ist das Programm „Songsmith“ von Microsoft erhältlich. Songsmith erstellt automatisch Akkorde für eingesungene oder eingespielte Melodien. Ich habe mir die Demoversion heruntergeladen, und das Programm einmal getestet.

Das Design von Songsmith ist sehr übersichtlich gehalten, die Bedienung des Programms erfolgt fast intuitiv. Nachdem du ein Mikrophon (z.B. Headsetmikrophon) angeschlossen hast, kannst du auch schon lossingen. Songsmith gibt dir die Drums vor, damit du weißt, wann du singen musst. Nachdem du deine Melodie eingesungen hast, ordnet Songsmith dieser passende Akkorde zu. Nun kannst du dir deinen Song anhören.

Wenn du nun etwas ändern möchtest, ist es möglich einige Modifizierungen vorzunehmen: Du kannst die einzelnen Akkorde verändern oder auch den Stil des Songs. Es gibt 30 verschiedene Stile, die das Arrangement bestimmen z.B. Blues Rock, Funk, Hip Hop, Reggae, Salsa oder Techno. Auch über die Stimmung des Songs kannst du bestimmen, indem du entscheidest, wie viele Punkte du dem Song in den Bereichen „Happy“ und „Jazzy“ gibst. Wenn du einen dieser Werte änderst, ändern sich die Harmonien des gesamten Songs. Wenn du fertig bist, kannst du den Song als Midi, WMA oder WAV exportieren.

Wie hören sich nun die Akkorde an, die Songsmith vorschlägt? Kommen da gute Sachen raus? Das ist schwierig zu sagen. Die Harmonien passen natürlich jeweils zur laufenden Melodie, dafür sind die Harmoniewechsel manchmal unglücklich. Besonders in der Stimmung „unhappy“ habe ich keine guten Ergebnisse bekommen.

Aber auch ohne die Funktion, hätte Songsmith noch punkten können, wenn er nicht ganz so einfach aufgebaut wäre: Einsingen und Akkorde auswählen wäre eigentlich eine gute Idee für einen Musiker, der auf einfache Art und Weise seine Songideen notieren möchte.

Doch dazu wäre z.B. ein kleines virtuelles Keyboard nötig gewesen, um beim Einsingen gleich den Ton zu treffen (man hat schließlich nur einen Drum-Loop als Hintergrund). Tatsächlich gibt es ein Keyboard zu Songsmith, aber dazu muss man auf die Hilfewebsite gehen.

Unpraktisch ist auch, dass die Harmonieauswahl nicht während des Abspielens möglich ist. Man muss sich den Akkord in einem Pop-Up-Drop-Down-Menü aussuchen, während man die Melodie nicht hören kann. Trial and Error wird damit eher zur Qual als zum Vergnügen.

Noch dazu habe ich keine Möglichkeit gefunden, den Song in mehreren Teilen einzusingen. Die Aufnahme beginnt immer von vorne und löscht damit die vorausgegangene Aufnahme. Damit wird es sehr kompliziert und aufwändig einen Song zu erstellen, der aus mehreren Songparts besteht.

Fazit

Für Leute mit musikalischem Hintergrund ist Songsmith nicht zu gebrauchen. Für alle anderen reicht wahrscheinlich die Demoversion: In dieser darf man das Programm für sechs Stunden (reine Laufzeit) in vollem Umfang nutzen. Solange dauert es wohl höchstens, bis man sich damit langweilt.

Hersteller: Microsoft
Preis: 29€
Systemvoraussetzungen: Windows XP (SP2 oder höher) oder Windows Vista, 1GB RAM, 1GHz
Downloadgröße: 98,49MB
Offizielle Microsoft Webseite

Songparts und ihre Funktionen

Veröffentlicht am 4.November 2008

Jeder Song ist aus verschiedenen Teilen aufgebaut, die meistens in einer bestimmten Reihenfolge aufeinander abfolgen. Manche Songparts eines Liedes werden wiederholt, andere kommen nur einmal vor. Um zu verstehen, wie die Songparts und damit der Songaufbau mit deinem Text und deiner Melodie zusammenhängen, ist es wichtig zu wissen, welche Funktion die einzelnen Songparts haben.

Intro

Mit dem Intro beginnt der Song, deswegen hat es die Funktionen, den Hörer musikalisch in den Song einzuführen. Du bereitest den Hörer quasi auf die Stimmungen und Melodien vor, die darauf folgen. Es ist deswegen ratsam, Stimmung und Atmosphäre des Intros dem restlichen Song anzupassen.

Einen Text brauchst du in diesem Songteil noch nicht zu verwenden. Ein kurzer instrumentaler Part reicht vollständig. Rapper verwenden das Intro aber oft dazu, das Publikum und ihren Gegner (Battelrap) zu begrüßen, und sich vorzustellen.

Die meisten Intros dauern zwischen 3 und 30 Sekunden. Allerdings wirst du feststellen, dass Radiohits eher zu kürzeren Intros tendieren. Im Metall und im progressiven Rock findet man dafür längere und sehr abwechslungsreiche Intros, die bei langen Stücken teilweise sogar über einige Minuten gehen („Octavarium“ – Dreamtheater).

Intros sind nicht obligatorisch, aber sehr weit verbreitet. Wenn du eine starke erste Strophe hast, kannst du auch damit anfangen („Drain You“ – Nirvana).

Strophe

Strophen haben die Funktion, die Situation der lyrischen Hauptperson zu schildern oder eine Geschichte zu erzählen. Strophen können im Gegensatz zum Refrain den Inhalt sehr detailliert darstellen. Die meisten Strophen dauern etwa 15-30 Sekunden lang.

1.Strophe

Während das Intro eine musikalische Einführung der Songs darstellt, wird der Hörer in der ersten Strophe mit dem Inhalt des Songs bekannt gemacht. Die allgemeine Situation wird beschrieben, und falls der Inhalt eine Geschichte erzählt, findet man in der ersten Strophe auch den ersten Teil der Geschichte. Der Hörer bekommt einen ersten inhaltlichen Eindruck vom Song, ohne jedoch zu viel zu erfahren.

Wichtig in der ersten Strophe ist es, im Hörer die Lust nach mehr zu wecken. Das geht am besten, indem du sowohl in der Musik als auch im Text eine Spannung aufbaust. Ein provozierender erster Satz oder eine Frage am Ende der ersten Strophe, die nach einer Antwort verlangt, können eine spannende Wirkung erzielen.

2., 3., 4., …Strophe

Alle anderen Strophen sollten sich vom Textaufbau an der ersten Strophe orientieren. Zum Beispiel kannst du Stilmittel verwenden, die du in der ersten Strophe schon verwendet hast. Wenn du in der ersten Strophe Fragen stellst, frag in der zweiten Strophe weiter („Ist das so?“ – Wir Sind Helden). So hat der Hörer den Eindruck ein zusammenhängendes Lied zu hören, anstatt einer Aneinanderreihung von zufälligen Textfragmenten.

Wenn du eine Geschichte erzählst, ist es jetzt Zeit, sie weiterzuerzählen. Manchmal werden in zwei verschiedenen Strophen sogar zwei verschiedene Geschichten erzählt („Krankenhausreif“ – Fettes Brot).

Ab der zweiten Strophe kannst du dich entweder versuchen, die Spannung zu halten, die du in der ersten Strophe gebaut hast und den Text dafür inhaltlich vertiefen, oder du kannst die Spannung noch erhöhen, indem du zum Beispiel deine Worte drastischer wählst oder die Situation, in der sich das lyrische Ich befindet, verschlimmerst.

Prechorus

Der Prechorus, ist der Teil, der sich zwischen Strophe und Refrain befindet (also vor dem Chorus). Seine Funktion ist es, einen eleganten aber spannenden Übergang von der Strophe zum Refrain herzustellen. Nicht selten ist er wesentlich kürzer als die Strophen, und kann sogar auf einen einzigen Satz reduziert sein („Given Up“ – Linkin Park).

Der Prechorus stellt meistens eine Spannungssteigerung da. Oft hat man im Prechorus andere Akkorde als in den Strophen, um die Spannung vor dem Refrain noch mal zu erhöhen („Let Love Be Your Energy“ – Robbie Williams).

Inhaltlich bringt der Prechorus erst mal nichts neues. Auch Geschichten werden hier meistens nicht weitererzählt, da der Prechorus bei seinen Wiederholungen meistens denselben, zumindest aber einen sehr ähnlichen Text hat („Numb“ – Linkin Park).

Der Prechrous ist wie das Intro nicht obligatorisch. Außerdem findet man ihn nicht in allen Stilrichtungen. Im Hip Hop und Rap fehlt der Prechorus zum Beispiel sehr häufig (da man hier keinen Gesang hat, bringt ein Akkordwechsel relativ wenig für die Spannung).

Refrain

Der Refrain, oft auch Chorus genannt, ist der wichtigste Songpart. Von ihm geht alles aus und auf ihn führt alles zurück.
Im Chorus befindet sich die zentrale Botschaft deines Textes. Das heißt vor allem: Kein Herumreden mehr um den heißen Brei. Oft ist der Refrain sehr direkt mit seiner Botschaft („all I want to do / is be more like me / and be less like you“ – “Numb” – Linkin Park). Selbst wenn man hier nicht so direkt wird, ist dies der Ort, wo du deine Message in konzentrierter Form unterbringen musst. Was austauschbar und nicht essentiell ist, gehört nicht in den Refrain. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche, wird dein Refrain auch verallgemeinert. Dadurch können sich mehr Leute mit dem Thema identifizieren.

Textlich gesehen geht es im Refrain trotzdem darum, Aufmerksamkeit zu erwecken. Wenn du dich von anderen Songs absetzen willst, braucht dein Refrain originelle Textideen, sogenannte „Hooks“, die sofort ins Ohr gehen. Abgewandelte Sprichwörter und Redensarten, sowie Neologismen (Wortneuerfindungen) bieten sich hier besonders an.

Oft befindet sich der Songtitel im Refrain in gut hörbarer Stellung. Wenn du noch keinen Songtitel hast, kannst du nach einem Wort suchen, dass sich für deine Message eignet und gleichzeitig im Refrain eine zentrale Rolle spielt.

Der Refrain wird manchmal jeweils nur einmal gespielt, manchmal doppelt, oft auch erst beim letzten Mal noch mal angehängt. Das ist von Lied zu Lied sehr verschieden und hängt oft von der Refrain- und der Songlänge im Allgemeinen ab. Ein kurzer Refrain bietet sich zum Wiederholen natürlich eher an als ein langer.

Der Refrain ist immer der kraftvollste Teil des Songs und wiederholungsintensivste. Innerhalb des Refrains wiederholen sich Melodien oft noch stärker als im gesamten restlichen Song. Einen guten Song wird man dank seines Refrains wiedererkennen, deswegen findet man hier oft die typischen „Ohrwrummmelodien“.

Wenn vorher ein Spannungsaufbau stattgefunden hat, entlädt sich dieser ebenfalls im Refrain. Das ist auch der Grund, warum man sich so oft auf diesen Teil des Songs freut.

Bridge

Die Bridge hat im Song eine besondere Stellung. Sie hebt sich von den anderen Songparts ab und genau das ist auch seine Funktion: Abwechslung. Nachdem man sich die ersten zweieinhalb wiederholungsintensiven Minuten eines Songs angetan hat (Strophe – Refrain – Strophe – Refrain), stößt man nun auf einen Teil, der dem Song noch mal eine andere Note gibt.

Oft wird in der Bridge das Thema aus einer neuen Perspektive betrachtet, es werden Gefühle geschildert, die vorher nicht zur Geltung gekommen sind, es werden teilweise neue Informationen gegeben, die einen das bisher gesagte neu betrachten lassen – manchmal nimmt der Song hier eine überraschend gute oder schlechte Wendung oder es gibt eine Pointe.

Genauso wie sich der Inhalt ändert, ändern sich in der Bridge oft die Harmonien, teilweise gibt es auch Arrangementänderungen. Gesangsmelodien ändern sich in der Bridge fast immer.

Die Bridge wird in einigen Musikrichtungen (etwa New Metal) auch als Höhepunkt des Songs verwendet („One Step Closer“ – Linkin Park). Dort gibt es dann Gefühlsausbrüche auf die man in den anderen Songparts bewusst verzichtet hat. Die Bridge unterscheidet sich dann meistens grundlegend vom Rest des Songs.

In einigen Genres ist ein instrumentaler Bridge nicht ungewöhnlich. Im klassischen Rock befinden sich Gitarrensoli zum Beispiel sehr gerne in der Bridge.

Outro

Das Outro ist das Gegenstück zum Intro, ist also der Songteil mit dem der Song abschließt. Outros sind nicht so häufig wie Intros, vor allem nicht bei moderner Pop- und Rockmusik oder dauern häufig nur wenige Sekunden.

Das Outro hat den Sinn, den Song ausklingen zu lassen und zu verhindern, dass er zu abrupt endet. Im Idealfall möchte man nach dem Outro den Song noch mal hören. Deswegen kann es von Vorteil sein, Intro und Outro aus dem selben Material zu basteln.

In seltenen Fällen führt ein neues Melodiethema vom Song komplett weg. Dies kann aber als Methode dienen, um zwei Songs von einem Album zu verbinden („Shadows Of The Day“ – „What I’ve Done“ – Minutes To Midnight, Linkin Park). Dann können Outros oft lange werden und eine langsame Arrangementveränderung durchmachen.
Auf Radiosingles werden diese Art von Outros aber in den meisten Fällen abgeschnitten.

Instrumentals

Neben Intro, Outro und Bridge, können in einem Song auch noch andere instrumentale Parts eingeführt werden. Sehr gängig sind Instrumentals direkt nach dem ersten Refrain. Es bietet sich aber auch grundsätzlich an, an den Refrain noch einen instrumentalen Teil anzuhängen („In The Shadows“ – The Rasmus).

Während es in manchen Genre üblich ist, viele Instrumentals zu haben (etwa Metal und Electro), ist es im Pop und Rock eher unüblich. Dort sind instrumentale Teile meistens nur wenige Sekunden lang, um den Songfluss- und die Struktur nicht zu unterbrechen.

Das waren alle wichtigen Songparts. Jetzt, wo du weißt, welche Songteile welche Funktionen haben, kannst du dir aneignen, Texte und Melodien zu schreiben, die zu ihren jeweiligen Funktionen passen. Damit erhältst du einen strukturierteren, logischeren Song, dem deine Hörer gut folgen können.

Songwriting Crashkurs

Veröffentlicht am: 6.Oktober 2008

Wenn du mal gerne einen Song schreiben würdest, aber keine Vorstellung davon hast, wie man das anstellt, bist du in diesem Tutorial genau richtig. Hier werden dir die absoluten Basics erklärt. Du wirst hier ein paar Songwriting-Regeln und –Tipps kennen lernen, an die du dich auf deinem Weg durch deinen ersten Song halten kannst.

Struktur

Zuerst ist es wichtig, zu wissen, wie ein Song aufgebaut ist.
Eine einfache und sehr populäre Aufbauweise ist die folgende:

Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Strophe – Refrain

Ob du nun mit der Musik oder dem Text anfangen möchtest, spielt eigentlich keine Rolle. Das ist mehr oder weniger Gewöhnungssache. Du kannst sogar beides parallel machen. Da ich meistens mit der Musik anfange, erst einmal dazu:

Musik

Die Gesangsmelodie

Am leichtesten beginnt man als Anfänger mit der Gesangsmelodie. Such dir einfach einen Songteil aus und erfinde dazu eine Melodie. Du kannst Melodien erfinden, indem du improvisierst. Dazu brauchst du kein Instrument. Deine Stimme genügt voll und ganz. Sing einfach vor dich hin, bis du merkst, dass du eine schöne Melodie gefunden hast. Für den Fall, dass du doch ein Instrument spielst, kannst du auch auf deinem Instrument improvisieren. Also einfach ein paar Tasten anschlagen oder ein paar Seiten zupfen, bis du etwas gefunden hast, dass du dir für deinen Song verwenden möchtest.

Wenn du eine gute Melodie oder eine gute Teilmelodie gefunden hast, musst du das Ergebnis noch irgendwie festhalten. Dieser Schritt ist sehr wichtig, denn wenn du dich nicht 100%ig auf dein Gedächtnis verlassen kannst, ist die Melodie spätestens nach dem nächsten Song, den du hörst, aus deinem Kopf verschwunden.

Wenn du Noten lesen und schreiben kannst, kannst du deine Melodie gleich auf den Notenlinien notieren. Falls du dir damit schwer tust, ist es am besten, deine Melodie hörbar aufzunehmen.

Um Musik aufzunehmen genügt ein herkömmlicher Kassettenrekorder mit Recordfunktion. Ebenfalls möglich ist die Melodieaufnahme mit einem Headset, einem Mp3-Player mit Aufnahmefunktion oder einem Mikrofon, das du an den Computer anschließt (dann benötigst du allerdings ein Aufnahmeprogramm). Wenn du ein Diktiergerät hast, kannst du auch das benutzen. Der Vorteil eines Diktiergerätes oder eines Mp3-Players ist der selbe Vorteil wie der deiner Stimme: Beide sind mobil.
Wenn du also deine Melodie und dein Aufnahmegerät hast (und du geprüft hast, ob dein Aufnahmegerät funktioniert), drücke auf Record und singe oder spiele deine Melodie ein.
Wenn du einen Fehler beim Einspielen oder Einsingen machst, wiederhole den Vorgang. Auf Perfektion kommt es in diesem Schritt aber nicht an. Stell dir deine Aufnahme einfach als musikalischen Notizzettel vor, der dafür gedacht ist, dich an deine Melodien zu erinnern.

Wenn du die Melodie für einen Teil des Songs geschrieben hast, wiederhole den Vorgang für die anderen Teile. Denk aber schon mal daran, dass die Teile ja am Schluss zusammenkommen und dass es von Vorteil ist, wenn diese dann stimmungsmäßig zueinander passen. Sonst hört sich dein Song am Ende nicht wie ein Song, sondern wie verschiedene Einzelstücke an, die aneinander gereiht sind (ein Song ist mehr als die Summe seiner Teile ;) ). Aber das gehört schon eher in den fortgeschrittenen Bereich…

Harmonien

Wenn du alle Melodien zusammenhast, brauchst du die Akkorde, die dafür sorgen werden, dass deine Gesangsmelodie auch begleitet werden kann.
Eventuell hast du schon im Kopf, wie die Harmonien aussehen sollen, auch wenn dir das vielleicht so nicht bewusst ist. Um herauszufinden, welche Harmonien passen, oder wie sich das anhört, was du dir vorstellst, brauchst du am besten ein Instrument. Wenn du selbst keines spielen kannst, kannst du auch einen Instrumentalisten fragen. Am besten eignen sich dabei Keyboard, Klavier und Gitarre.

Anhand deiner erfundenen Melodie ist es nun deine Aufgabe, herauszufinden, welche Akkorde dazu passen. Dazu musst du nicht viel über Musiktheorie wissen. Es genügt zu wissen, was Akkorde sind. Singe, pfeife oder spiele deine Melodie ab und versuche dabei Akkorde zu finden, die dazu passen. Falls es dir mit Akkorden zu kompliziert ist, genügen für den Anfang auch einzelne Töne. Du kannst später immer noch Töne ergänzen.
Wenn du weißt, wie man Akkorde notiert, schreibe sie dir sofort auf. Ansonsten lasse sie dir von jemandem aufschreiben. Wenn du einzelne Töne anstatt von Akkorden hast, kannst du sie auch leicht in ein Aufnahmegerät einsingen oder einspielen.

Wenn du mit Harmonien, Akkorden und dergleichen überfragt bist, bitte jemanden darum, dir dabei zu helfen. Ein geübter Instrumentalist kann dir passende Akkorde vorschlagen und dir dabei helfen, deine Ideen umzusetzen. Eventuell gefällt dir eine bestimmte Harmonie in einem anderen Lied und möchtest diese in deinem Lied einbauen? Dann spiel das Lied deinem Instrumentalisten vor und er kann versuchen, ihn in deinem Lied umzusetzen.

Arrangements

Das Arrangement gehört heutzutage gar nicht mehr so sehr zur Aufgabe des Komponisten, sondern wird oft von den Produzenten vorgenommen bzw. überarbeitet. Da du aber bei deinem ersten Song vermutlich noch keinen Produzenten hast und es immer gut ist, sich etwas auszukennen, solltest du diesen Teil nicht überspringen.

Du weißt nun, wie gesungen wird und du weißt, wie die Begleitung aussieht.
Nun musst du dich um das Arrangement deines Songs kümmern. Das Arrangement bestimmt, welche Instrumente in deinem Song vorkommen, was sie genau spielen und wie die Rhythmik aussieht. Welches Arrangement du wählst, hängt wohl zum Großteil vom Genre ab. Eine einfache Ballade kommt schon mit einer Gitarre und Gesang zurecht, während du dich bei einem Rocksong schon um eine ganze Band kümmern musst.

Im Prinzip brauchst du, um das Arrangement zu erstellen, eine Menge Instrumente, damit du austesten kannst, was am besten klingt. Hier sind wieder die Instrumentalisten gefragt: Bitte sie, deine Akkordfolgen einmal durchzuspielen. So hörst du, wie sich deine Begleitung mit verschiedenen Instrumente anhört.

Außerdem können Instrumentalisten deine Akkorde variieren und einen Rhythmus daraus erstellen. Gerade beim Arrangement kann es helfen, sich an anderen Songs zu orientieren, deswegen zögere nicht, einem Instrumentalisten eine Stelle aus einem anderen Lied zu zeigen, die du für deinen Song passend finden würdest.

Keyboards sind beim Arrangieren ein wahrer Segen: Da sie in der Lage sind, die Töne von verschiedenen Instrumenten zu erzeugen, kannst du mit einem Keyboard vieles ausprobieren.

Falls du niemanden zur Stelle hast, der deine Songs mal auf einem Instrument ausprobieren kann, kannst du auch versuchen, dir dein Arrangement im Kopf zusammenzubasteln. Dazu kannst du deinen Song mit anderen Songs vergleichen und dich fragen, wie ähnliche Songs arrangiert sind.
Helfen kann auch die Frage, in welcher Situation dein Song passen würde. Kann man sich den Song am Lagerfeuer vorstellen (Akustikgitarre) oder würde er sich gut auf der Tanzfläche machen (Synthesizer)?
Je genauer du weißt, wie sich der Song später anhören soll, desto besser lässt er sich mal beim Aufnehmen verarbeiten.

Wenn du weißt, wie sich der Gesang anhört, welche Begleitakkorde dazu gespielt werden und welche Instrumente du verwenden willst, ist der musikalische Teil der Kreativarbeit abgeschlossen. Jetzt braucht dein Song noch einen Text.

Text

Thema

Dein Song braucht ein durchgängiges Thema. Als Thema bietet sich alles an, was dich bewegt, was dich beschäftigt, worüber du nachdenkst, was du fühlst, womit du zu tun hast und so weiter. Sicherlich fallen dir da einige Sachen ein. Falls dir wirklich überhaupt nichts einfällt, kannst du ein Tagebuch schreiben, in dem du deine Gedanken notierst. Dort findest du bestimmt ein paar Ideen für ein Thema.

Ideen

Du hast also ein Thema. Ein Brainstorming kann dir nun dabei helfen, konkrete Ideen für den Inhalt deines Texts zu finden. Schreibe auch Wörter auf, die du mit dem Thema assoziierst oder Gefühle, die dir in den Sinn kommen. Alles, was du aufschreibst kannst du dann in deinem Song verwenden.

Werkzeug

Das Schreiben von Texten ist technisch nicht so aufwändig, wie das Schreiben von Musik, wenn du dich nicht mit Noten auskennst.
Mit Buchstaben können glücklicherweise die meisten von uns etwas anfangen und so sollte es auch kein Problem sein, deine Gedankenergüsse festzuhalten.
Dabei kannst du deine Texte digital am Rechner schreiben und speichern oder auch auf eher klassische Varianten wie Notizblock und Bleistift zurückgreifen. Ich persönlich schreibe mir Ideen lieber mit der Hand auf, während ich die letztendliche Textarbeit oft am Computer erledige. Dort kann ich nämlich schnell Dinge umschreiben oder ausprobieren und verliere auch nicht so leicht die Übersicht.

Das Schreiben

Nun muss der Text konkret geschrieben werden. Am besten du beginnst mit einer der Brainstorm-Ideen und versuchst daraus einen ersten Vers zu bilden. Wenn du den ersten Vers hast, ist es nicht mehr so schwer, einen zweiten zu finden: Erstens hast du dann schon mal die Schreibhemmung überwunden, zweitens muss sich der zweite Vers am ersten Vers orientieren – so hast du also schon mal eine Vorlage, an die du dich halten kannst. Außerdem kannst du dich am Reim entlang hangeln.

Wenn du die Musik zuerst geschrieben hast, musst du dich außerdem an der Gesangsmelodie orientieren. Dein Text muss singbar sein. Nicht nur muss die Menge des Texts stimmen, so dass er in die Melodie passt; er muss auch, wenn er gesungen wird, seine natürliche Betonung beibehalten.

Beispiel:
Du hast eine Melodie: Der erste Ton ist tief, der zweite Ton ist hoch. Du musst für diesen kurzen Melodieteil nun auch ein Wort finden, dass zuerst eine unbetonte und danach eine betonte Silbe hat (betonte Silben spricht man höher aus!). Unpassende wäre etwa „Friede“. Das kannst du leicht ausprobieren, indem du dieses Wort versuchst in der ersten Silbe tief und in der zweiten Silbe hoch auszusprechen. Frie-DE klingt unnatürlich. Es muss FRIE-de heißen. Ein Wort, das auf die kurze Melodie passen würde, wäre „ver-STEH’N“ oder „be-KANNT.“

Wenn du erst den Text schreibst und dann die Musik, läuft der Prozess umgekehrt ab. Die Musik muss sich der natürlichen Betonung deines Textes fügen. Dadurch hast du mehr Vorgaben für deine Gesangsmelodie, hast aber komplette Textfreiheit.

Vielleicht fragst du dich, welchen Textinhalt du in welchen Songteil stecken möchtest. Hier gilt: Allgemeine, zusammenfassende und sehr treffende Formulierungen kommen in den Refrain. Wenn der Hörer deinem Refrain lauscht, soll er genau wissen, worum es in dem Song geht. Das Thema steht hier ganz klar im Vordergrund. In den anderen Teilen des Songs bist du da etwas freier.

Titel

Jetzt fehlt dir noch die Überschrift unter der dein Song stehen soll, der Titel. Idealerweise kommt der Titel in zentraler Stellung im Songtext vor, etwa im Refrain. So kann man sich durch den Refrain leicht den Songtitel merken und umgekehrt. Wenn du dann deinen Titel gefunden hast, hast du es geschafft.

Gratulation!

Mit diesem Basiswissen ausgestattet kannst du dich nun daran machen, deinen ersten Song zu schreiben. In Kürze werden weitere Tutorials folgen, in der Zwischenzeit kannst du deine Ideen, die dir im Moment vielleicht im Kopf herumschwirren, ja schon umsetzen und deinen ersten Song schreiben.