Was ist eigentlich dein Beitrag für die Welt? Wenn du dich heute Abend ins Bett legst, was kannst du sagen, dass du der Welt heute gegeben hast?
Du kannst vieles geben und bist dabei nicht auf materielle Dinge beschränkt: Du kannst natürlich Geld geben, Waren oder Dienstleistungen, aber du kannst auch Liebe und Mitgefühl geben. Du kannst jemandem ein Lächeln geben. Viele Menschen glauben, sie müssten erst etwas haben, um etwas zu geben, aber die Wahrheit ist, dass du jederzeit in der Lage bist, etwas zu geben.
Innere Blockaden
Wir denken sehr oft daran, was wir wollen, wie wir es kriegen können und wie es ist, wenn wir es haben. Viele Dinge im Leben sind Tauschgeschäfte: Wir geben jemandem Geld und kriegen ein Produkt oder umgekehrt. Geben und nehmen sind also alltägliche Dinge in unserem Leben. Trotzdem scheinen sich viele Leute auf das Nehmen zu fixieren, viele versuchen sogar das Geben zu ignorieren oder ihm den kleinstmöglichen Platz in ihrem Leben einzuräumen.
Geben wird oft als weggeben verstanden. Man gibt etwas von sich weg, was man nicht mehr bekommt. Je weniger man weggibt, desto mehr hat man, desto sicherer ist man, desto mehr Möglichkeiten hat man, desto erfolgreicher ist man, desto besser geht es einem… Also gibt man besser gar nichts.
Geben wird ebenfalls als Mühe verstanden, die man aufwenden muss. Man sieht sich gezwungen, etwas zu tun, weil man etwas haben möchte. Am liebsten würde man nichts geben und alles bekommen.
All diese negativen Einstellungen beruhen auf reinem Egoismus. Das Ego hat Angst vor der Auslöschung, deswegen muss es sich ständig an irgendwelche Dinge klammern, die ihm versichern, dass es noch existiert. Wenn wir etwas hergeben, hat das Ego Angst vor Auslöschung: Das Ego denkt, es könnte dadurch einen Teil von sich verlieren.
Was wärst du ohne Musik? Ohne deine Familie? Ohne deine Lieblingsserie? Ohne deine Wohnung? Ohne deine Beziehung? Spürst du, wie dein Ego klammert? Es glaubt, du wärst ohne bestimmte Konstanten in deinem Leben verloren.
Im Grunde wissen wir natürlich, dass das völliger Blödsinn ist. Selbst wenn du alles verlieren würdest, wärst du noch immer du.
Wenn du etwas geben möchtest, musst du zu allererst deine egoistischen Ängste loswerden. Die kriegt man zwar selten alle auf einmal los, aber für den Anfang reicht es, wenn du dir über sie bewusst bist. So kannst du dich von ihnen distanzieren, wenn sie versuchen, dich daran zu hindern, etwas zu geben.
Dein Bestes
Der längste Zeitraum, dem wir dem Geben widmen ist die Zeit in unseren Berufen und Jobs. Wir geben unsere Zeit oder einen Wert und bekommen dafür Geld. Die Zeit oder der Wert, den wir geben hilft normalerweise anderen Menschen.
Dein Ego mag dich nicht daran hindern, zur Arbeit zu gehen (schließlich kriegst du für deine Leistung eine Gegenleistung), aber es kann dich daran hindern, dein Bestes zu geben. Denk für einen Moment an die Tätigkeiten, die du in deinem Beruf ausführst. Vielleicht kommst du mit deinem Job gut über die Runden, aber gibst du der Welt damit auch nur annähernd so viel, wie du könntest? Ist das, was du gibst, alles, was du geben kannst?
Viele Leute glauben, sie geben schon deswegen genug, weil sie Steuern zahlen und damit den Staat unterstützen. Aber das ist blödsinnig. Du kannst Steuern zahlen und trotzdem versuchen, so vielen Menschen zu helfen wie möglich.
Gemeinschaft
Gemeinschaften bauen darauf auf, dass jeder daran beteiligt ist, etwas zu geben. Ähnlich wie Zellen in einem Körper, leistet jeder seinen besonderen Beitrag, um die Gemeinschaft zu erhalten und damit auch sich selbst. Wenn genügend Zellen aufhören, sich produktiv an den Prozessen, die im Körper ablaufen, zu beteiligen, wird der Körper krank und stirbt schließlich mit all seine Zellen. Was für eine Zelle bist du? Eine, die unter ihrer Leistung arbeitet und damit die Gesundheit des Körpers gefährdet oder eine, die ihr bestes gibt und damit zur Gesundheit des Körpers beiträgt?
Warum geben?
Etwas zu geben bringt sowohl demjenigen etwas, der gibt, als auch demjenigen etwas, der die Gabe erhält. Damit ist Geben extrem effektiv! Andere Leute können davon profitieren, was du machst – wie cool ist das denn?
Anstatt sich gegen das Geben zu sperren, sieh es doch als Chance. Was du machst wird dadurch relevanter und du hast noch mehr Grund, Verantwortung für dein Handeln zu übernehmen, wenn du dich entscheidest, dein Leben nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere zu leben.
Geben heißt nicht, dass du etwas verschenken musst. Auch wenn du etwas verkaufst oder tauschst, gibst du etwas. Dadurch, dass du eine Gegenleistung erwartest, wird deine Gabe nicht weniger relevant. Du kannst dadurch sogar deine Relevanz erhöhen.
Ein Life Coach, der 300€ pro Stunde verlangt, zieht damit ein anderes Klientel an, als ein Coach der 20€ pro Stunde verlangt. Der Coach mit den niedrigeren Preisen hat potenziell vielleicht mehr Kunden, aber der Coach mit den höheren Preisen kann sich auf Leute konzentrieren, die sehr viel Geld und damit einen größeren Einfluss auf die Welt haben.
Natürlich kannst auch etwas geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Dieser Artikel ist kostenlos. Ich erwarte nicht, dass du irgendetwas für mich tust, wenn du ihn gelesen hast.
Medien
In unserer Zeit haben wir den großen Vorteil, dass wir einen großen Teil der Welt online treffen können. Viele Dinge kannst du mit wenigen Klicks und ohne Kosten mit der ganzen Welt teilen: Fotos, Artikel, Musik, Geschichten, Filme… lassen sich mittlerweile bequem im Internet hinterlegen.
Das kann exakt deine Chance sein. Statt nur an einem Ort geben zu können, wo du selbst anwesend bist, kannst du so passiv die ganze Welt erreichen. Mit meinen Blogartikeln erreiche ich Menschen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Mehr als eine eigene Homepage brauchst du dazu nicht. Wenn du virtuelle Produkte herstellst, denk unbedingt darüber nach, eine Webseite zu eröffnen.
Qualität und Quantität
Wenn du gibst, zählen sowohl die Qualität als auch die Quantität deines Beitrags: Wie vielen Menschen gibst du und wie gut kannst du ihnen damit helfen?
Wenn du wirklich geben möchtest, bin ich sicher, dass du sowieso die Ambitionen hast, die Qualität deiner Gabe zu verbessern und die Quantität zu vergrößern.
Hier unterscheiden sich viele Medien: Ein Einzelgespräch mag sehr hohe Qualitätszeit für den Empfänger bedeuten, bringt aber allen anderen kaum etwas. Ein Blog kann sehr viele Menschen erreichen, hat aber nicht annähernd so großen Einfluss auf den einzelnen Leser wie ein Einzelgespräch.
Noch dazu erreicht jedes Medium eine andere Zielgruppe. Es gibt viele Leute, die zwar gerne kurze Artikel im Internet lesen, aber nur wenige, die Lust hätten, ein ganzes Buch am Bildschirm zu lesen. Mit Podcasts kann man Leute erreichen, die sonst keine Zeit hätten, sich mit gewissen Inhalten zu befassen etc.
Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, mehrere Medien zu kombinieren. Ein Blogger kann neben dem Bloggen auch noch ein Buch schreiben und Einzelberatungen in seinem Fachgebiet geben. Eine Musikerin, kann Songs komponieren und veröffentlichen und Musikunterricht geben. Ein Redner kann Reden halten und ein Audioprogramm aufnehmen. Ein Schauspielerin kann in einem Film mitspielen und eine Rolle in einem Hörbuch übernehmen.
Um mehr geben zu können, musst du natürlich auch an deinen Fähigkeiten arbeiten. Je mehr Qualität deine Gabe hat, desto mehr kann sie auch bewirken. Gerade, wenn du neue Medien ausprobierst, musst du oft erst eine Menge lernen, bis du deiner gewohnten Qualität wieder nahe kommst.
Mut
Wenn du etwas geben möchtest, brauchst du dazu immer auch Mut. Die Angst, der du dich immer stellen musst, wenn du jemandem etwas gibst, ist die Angst vor Zurückweisung.
Zum einen kann die Zurückweisung direkt an dich gehen, zum Beispiel wenn du jemanden anlächelst und derjenige wegschaut. Zum anderen kann deine Gabe zurückgewiesen werden, z.B. wenn die Qualität oder die Art deiner Gabe nicht mit den Anforderungen des anderen zusammenpasst.
Zurückweisung kann jedem passieren. Niemand ist dagegen gewappnet. Das einzige, was du tun kannst, ist, sie zu akzeptieren und damit zu leben.
Die Angst vor Zurückweisung ist weit verbreitet. Doch Zurückweisung ist kein Weltuntergang. Wenn du es genau betrachtest, verlierst du durch Zurückweisung überhaupt nichts: Stell dir vor, du lädst jemanden zum Essen ein. Derjenige weist dein Angebot allerdings zurück. Was hast du damit verloren? Absolut nichts. Du hast deinen Abend noch und kannst jemand anderen einladen oder ihn auch ganz anders verbringen.
Indem du deinen Mut entwickelst, kannst du außerdem deinen Ängsten entgegentreten, die dich vielleicht daran hindern, etwas zu geben. Und sei es nur, dass sie dich daran hindern, dein Bestes zu geben.
Lebensziel
Wenn du dir dein Leben im größeren Kontext ansiehst, also aus einer lebenslangen Perspektive, was möchtest du dann für ein Mensch sein? Ein Mensch, der für sich allein gelebt hat oder ein Mensch, der auch für andere gelebt hat?
Ein Leben im Einklang mit anderen zu leben, kann erfüllender sein, als ein Leben nur für sich allein. Stell dir beide Lebensvarianten einmal vor: Wie würde dein Leben aussehen, wie würde es sich anfühlen, wenn du nur für dich lebst und wie wenn du auch für andere lebst? Was würde sich besser anfühlen?
Wenn ich mir vorstelle, nur für egoistische Ziele zu arbeiten, fühle ich mich gelangweilt. Wirklich, wozu die ganze Arbeit? Viel motivierter bin ich, wenn ich daran denke, dass ich anderen etwas geben kann und etwas Positives zur Welt beitragen kann.
Alltag
Vielleicht hast du dasselbe Gefühl, vielleicht auch nicht. Am leichtesten ist es, einfach mal auszuprobieren, welche Auswirkungen es auf dich hat, etwas zu geben:
Versuch z.B. die nächsten 30 Tage lang, jeden Tag jemandem etwas zu geben. Überfordere dich nicht. Beginne mit kleinen Dingen, die dich wenig Anstrengung und Überwindung kosten. Lerne mit Zurückweisung umzugehen und mach weiter.
Vielleicht bist du es gewohnt, dir nur zu besonderen Anlässen, darüber Gedanken zu machen, was du geben kannst. Zum Beispiel zum Geburtstag oder zu Weihnachten.
Aber du bist jeden Tag in der Lage, etwas zu geben.
Fang heute an: Ein „Danke“, eine Umarmung, ein Gedicht oder auch etwas Materielles. Ganz egal, ob du nun im Internet, am Telefon oder real auf einen anderen Menschen triffst – du kannst ihm etwas geben.
Wenn Geben zu deinem Alltag wird, kannst du dir jeden Tag sicher sein, einen besonderen und wichtigen Beitrag für die Welt zu leisten. Geben kann dann ein großer Teil deiner täglichen Erfüllung werden.
Um sicherzugehen, dass dein Beitrag ein alltäglicher Teil deines Lebens wird, kannst du einige Veränderungen vornehmen:
1. Such dir Ziele, die sich auf das Geben fokussieren oder bei denen das Geben ein essentieller Teil ist. Das ist keine allzu schwere Aufgabe. Oft brauchst du deine Ziele nur umformulieren. Statt „100€ im Monat mit bloggen verdienen“, könnte dein neues Ziel sein „100 Stammleser gewinnen“ (Quantität steigern).
2. Tausche deine Prioritäten: Wenn du das Geben in deinem Alltag haben willst, musst du ihm einen hohen Platz in deinem Leben einräumen. Wie wichtig ist es dir, etwas zu geben?
3. Konzentriere dich auf das Geben, wenn du sowieso schon gibst, wie in deinem Beruf. Denke auch bei alltäglichen Projekten an Qualität und Quantität deiner Resultate.
4. Werde mutiger. Je mutiger du wirst, desto weniger können dich deine Ängste vor dem Geben abhalten. Wenn du mutig bist, wirst außerdem in der Lage sein, mehr zu tun, um für Qualität und Quantität deines Beitrags zu sorgen (z.B. könntest du deinen Job wechseln, um mehr Leute zu erreichen).
5. Erkenne andere Menschen als Teil deiner selbst.
Durch diese Perspektive, wird es dir sehr leicht fallen, anderen etwas zu geben. Wenn andere Menschen auch nur du selbst sind, ist es klar, dass du nichts verlierst, wenn du etwas gibst. Du profitierst sogar doppelt von deinem Beitrag.
Das ist übrigens die Perspektive, die den Egoismus ins Absurde zieht. Jemand anderem zu schaden, würde so nämlich bedeuten dir selbst zu schaden. Jemand anderem zu helfen, würde bedeuten, dir selbst zu helfen.
Wenn du es bisher nicht gewohnt bist, zu geben, musst du dich vermutlich erst umorientieren. Fang bei deiner Perspektive an: Formuliere deine Ziele um und richte deinen Fokus auf das Geben. Erst wenn du deine Grundeinstellung änderst, kannst du erwarten, dass dein Beitrag in deinem Leben und im Leben anderer einen größeren Platz bekommt.
Diese Umorientierung kann ziemlich spannend sein. Du kannst dich selbst besser kennenlernen und einen neuen Weg finden, andere Menschen in dein Leben zu integrieren. Du wirst leichter Leute finden, die dich bei deinen Vorhaben unterstützen werden. Was es dir letztlich bringt, kannst du nur herausfinden, indem du es ausprobierst.
Veröffentlicht am 31.März 2009
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wow .. ein langer Artikel!
ich glaube das Geben muss auch aus einem selbst heraus kommen, ansonsten kann man das gar nicht erzwingen.
Es bringt sehr wenig, etwas zu geben ohne das innere Gefühl! Deswegen können reiche Menschen auch Millionen spenden, wenn sie es nicht aus dem Herzen tun, bekommen sie dafür nichts zurück. Und ich meine nicht Geld, sondern Glück, Liebe, Freundschaft und glückliche Zufälle!
Deswegen reicht es, wenn DU nur ein Lächeln schenkst, wenn es aus deinem Herzen kommt! Denn was du gibst, kommt 100fach zu dir zurück. Jedoch ist das auf dein inneres Gefühl bezogen, nicht auf den materiellen Wert, den du gibst.
Deswegen kann es mehr Wert sein, wenn du einer Oma herzlich über die Straße hilfst, als wenn du mal nebenbei 1 Million für Unicef überweist ..
Aber nun stell dir vor, was geschieht wenn du 1 Million Euro an Unicef überweist und dabei aus deinem Herzen heraus agierst ..
diese Welt ist doch so wundervoll einfach
Pingback: » Dein Beitrag für die Welt
@Michael: Bisher mein längster Artikel mit über 2000 Wörtern.
Ich stimme dir vollkommen zu. Was uns am Schluss etwas bringt ist nicht das was wir geben, sondern unsere Einstellung, die uns dazu bringt, etwas zu geben. Gerade deswegen ist es wichtig zu wissen, dass jeder immer etwas geben kann.
Ich hab zwei Kinder in die Welt gesetzt, genügt das?
@Rainer: Naja, das In-die-Welt-setzen ist nicht der schwierige Teil.
Es sei denn vielleicht, du bist eine Frau.
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