Der Weg des Künstlers – meine Künstlergruppe

Veröffentlicht am 7.Oktober 2008.

Ende August schrieb mich ein Mitglied des Steve Pavlina Forums an, in dem ich mich zu der Zeit des öfteren aufhielt. Wir kannten uns schon von einigen privaten Nachrichten und waren uns auch schon im Forum öfter aufgefallen.

Sie schrieb mir, dass einige Leute dieses Forums gerade dabei waren eine Gruppe zu gründen, um gemeinsam den Kreativitätskurs „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron durchzuarbeiten. Und ich war eingeladen.

Ich hatte mir das Buch dazu schon einige Monate zuvor bestellt, weil es mir jemand empfohlen hatte, war aber noch nicht über Kapitel zwei hinweggekommen.
Allerdings reizte mich der Gedanke mit so positiven Leuten, die der Gruppe schon zugesagt hatten, einen Kurs zum Thema Kreativität durchzuwälzen so sehr, dass ich das Angebot einfach annehmen musste.

Der Kurs von Julia Cameron besteht aus 12 Kapiteln. Pro Woche soll ein Kapitel absolviert werden. Dabei soll nicht nur das Kapitel gelesen werden, sondern auch Aufgaben am Ende des Kapitel beantwortet werden (es sind immer an die 10 Aufgaben pro Kapitel). Zusätzlich gehören die gesamten zwölf Wochen über die sogenannten Morgenseiten und der Künstlertreff zu den Aufgaben im Kurs.

Die Morgenseiten

Das Schreiben der Morgenseiten ist, wie der Name suggeriert, eine Aktivität für den Morgen. Das funktioniert so: Du brauchst etwas zum Schreiben, dann setzt du dich irgendwohin, wo du ungestört bist und dann beginnst du einfach, drauf los zu schreiben. Du schreibst einfach auf, was dir in den Sinn kommt, egal was. Es spielt wirklich keine Rolle, was es ist, was du schreibst. Hauptsache, du schreibst. Das ist auch keine Übung, die nur für Schriftsteller gilt, oder dergleichen. Du brauchst dir keine Gedanken darüber zu machen, welche Qualität deine Morgenseiten haben oder welcher Inhalt darin vorkommen soll oder ob du das danach noch lesen möchtest.
Insgesamt sollen so drei Seiten gefüllt werden. Also: Jeden Morgen drei Seiten an einem Stück schreiben. Es geht dabei nicht um Kunst oder dergleichen. Vielmehr sind die Morgenseiten dazu da, deinem inneren Nachdenker und Zensor (den du vielleicht „Verstand“ nennst) freie Bahn zu lassen, damit er sich mal so richtig austoben kann.

Der Künstlertreff

Die zweite Aktivität nennt sich „Künstlertreff“. Dabei sollst du nicht andere Künstler treffen, sondern dir Zeit für deinen eigenen inneren Künstler nehmen. Es funktioniert wie ein Date, nur dass keine andere Person dabei ist. Date stattdessen dich selbst. Du könntest mit dir ins Kino gehen oder einen Spaziergang machen oder Essen gehen. Wichtig ist eigentlich nur, dass du dir dabei wirklich Zeit für dich nimmst und diese Zeit auch bewusst genießt. Der Künstlertreff soll einmal in der Woche stattfinden.

Die Gruppe

Unsere Gruppe ist international. Wenn ich mich mitzähle, bestehen wir aus acht Mitgliedern, davon sind Leute aus den USA, aus Frankreich und Estland vertreten. Wir sind nicht unbedingt berufliche Künstler, aber haben zumindest das Ziel unsere Kreativität zu entblockieren, bzw. zu steigern.

Konkret läuft unsere Arbeit so ab, dass wir selbstständig die Kapitel lesen und die Aufgaben bearbeiten und dann der Gruppe erstens jeweils am Ende der Woche über unsere Ergebnisse und Erlebnisse berichten und uns zweitens melden, wenn es gerade große Veränderungen gibt und/oder wir Hilfe brauchen. Also wenn jemand total ausflippt, schreibt er der Gruppe. Wenn jemand etwas bahnbrechendes festgestellt hat, schreibt er der Gruppe. Wenn jemandem langweilig ist, schreibt er der Gruppe. :)

Da sich die Gruppe vor allem aus sehr positiv orientieren Menschen zusammensetzt, bekommt man meistens auch sehr positive und motivierende Antworten. Allgemein ist das Klima zwischen uns sehr motivierend, produktiv und liebevoll. Das ist der Hauptgrund, warum ich gerne in dieser Gruppe bin. Selbst wenn wir zusammen kein festes Ziel verfolgen würden, würde ich immer noch eine Menge davon profitieren, mit diesen Leuten in Kontakt zu sein.

Erfahrungen im Kurs (Woche 1 – 3)

Bisher haben wir das dritte Kapitel hinter uns, sind also in Woche vier des Kurses. Als Gruppe bestehen wir allerdings schon länger, da wir uns für das erste Kapitel drei Wochen Zeit gelassen haben, um sicherzugehen, dass jeder mitkommt und die Basics beherrscht.

Die meisten von uns sind schon anfangs auf Problemthemen gestoßen. Zum Beispiel ging es für einige darum, Glauben, die uns selbst begrenzen, zu entlarven. Etwa die Einstellung, dass Künstler faul seien und keinen nützlichen Beitrag lieferten, ist kontraproduktiv für jemanden, der damit anfangen will, kreativ zu werden. Solche negativen Glaubenssätze können unterbewusst zu Blockierungen der eigenen Kreativität führen. Da man ja nicht faul und unnütz sein will, ist man deswegen lieber nicht kreativ. Wenn man einen solchen Glaubenssatz also entdeckt, kann man erst mal aufatmen: Die Blockierung lässt sich nun dadurch lösen, indem man dem Glaubenssatz keinen Glauben mehr schenkt und stattdessen eine positive Einstellung installiert („Künstler sind fleißig und liefern einen wichtigen Beitrag.“)
Bei einem Mitglied unserer Gruppe ging das ganze soweit, dass sie jedes mal krank wurde, wenn sie versuchte, sich dem Thema Singen zu näheren. Mittlerweile singt sie ohne Probleme und vergnügt vor sich hin, wenn sie Lust dazu hat.

Weiterhin hatten einige Kursteilnehmer überraschenden Besuch von unangenehmen oder überwältigenden Gefühlen. Ich selbst erfuhr an einem Abend einen plötzlichen Gefühlsumschwung und war den ganzen Abend lang grundlos traurig. Ebenfalls hatte ich einige kleinere und größere Wutanfälle. Einige dauerten nicht länger als ein paar Minuten, andere legten sich plötzlich wie aus dem Nichts über meine Tagesstimmung und ließen mich richtig aktiv werden.

Dazu kam Motivation. Ich war nicht die einzige, die motiviert war und an einem Tag zwei Gedichte und einen Songtext schrieb. Eine andere Kursteilnehmerin erzählte von unerwarteten Produktivitäts- und Organisationsverbesserungen, die sie gleich dazu motivierten, sich Bücher zu dem Thema zu kaufen. Ein anderes Gruppenmitglied entschied sich dazu, selbst ein Buch zu schreiben.

Nicht alle haben es immer geschafft, die Morgenseiten zu schreiben und ich gehöre auch dazu. Eine Kursteilnehmerin benutzt die Morgenseiten meistens zum Planen (wie ich übrigens auch), und wenn ihr nichts anderes einfällt, schreibt sie darüber, wie sinnlos sie die Morgenseiten findet. :)
Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass sich alle wirklich bemühen, ihre Aufgaben zu erledigen und sich immer mehr mit ihrer Rolle als schöpferische Menschen anfreunden.

Da nun noch etwa neun Wochen des Zusammenarbeitens vor uns liegen, freue ich mich schon auf die weiteren Ergebnisse, die die Gruppenarbeit liefern wird.

Noch ein paar Anmerkung zum Buch

Den Kurs von Julia Cameron kann man auch alleine machen. Er ist in keinster Weise auf Gruppen- oder Partnerarbeit ausgelegt.

Was noch wichtig ist, ist, dass dieses Buch aus einem spirituellen Glaubensansatz geschrieben wurde. Das heißt nicht, dass man Spiritualist oder religiös sein muss, um dieses Buch zu verstehen oder um damit etwas anfangen zu können. Julia Cameron betrachtet die schöpferische Kraft, die uns Menschen zu Grunde liegt, lediglich als spirituelle oder göttliche Kraft. Man muss diesen Glauben jedoch nicht annehmen, um von diesem Buch zu profitieren. Wer offen genug ist, um mit den spirituellen Ansichten anderer Menschen umzugehen, kann sich dieses Buch deswegen bedenkenlos zulegen.
Leute, die auf spirituelle Themen jedoch allergisch reagieren, sollten lieber die Finger davon lassen oder aber lernen, offener zu werden. ;)
Probekapitel aus „Der Weg des Künstlers“ (englisch, PDF)

„Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron

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