Es kommt mittlerweile so gut wie gar nicht mehr vor, dass ich mal nicht motiviert bin. Klar will ich manchmal auch Pause machen, klar will ich manchmal auch einfach nur meine Zeit genießen, ohne dabei meinen langfristig gesetzten Zielen näher zu kommen. Aber es kommt kaum noch vor, dass ich tagelang unmotiviert meinen Zielen aus dem Weg gehe. Generelle längerfristige Arbeitsprokrastination ist sehr selten geworden.
Und das hat auch einen Grund.
Der Grund heißt: Ich bin auf meinem Lebensweg.
Und was ist ein Lebensweg? Der Lebensweg ist der Weg, der einen zum persönlichen Lebensziel führt. Er ist deswegen der erfüllteste und sinnstiftendste Weg, den man gehen kann.
Woher weiß ich, dass ich auf meinem Lebensweg bin? Es ist schwierig, das jemandem zu erklären, der diese Erfahrung noch nicht gemacht hat. Aber grundsätzlich kann ich sagen, dass ich es aufgrund meines inneren Zustands weiß. Immer, wenn ich mit meinem Lebensweg in Verbindung bin, ist mein Zustand einer der tiefen Erfülltheit und des Glücks.
Motivation kommt von der Passivform des lateinischen Wortes „movere“ (bewegen). Wer motiviert ist, ist „bewegt“, ist „in Bewegung“, wird auf seinem Weg vorangetrieben.
Wenn ich mich auf meinem Lebensweg befinde, kann ich gar nicht anders, als motiviert zu sein. Stark motiviert. Langfristig motiviert. Es ist keine Motivation, die wieder vergeht. Motivation wird zu einem natürlichen Zustand.
Um zu diesem Zustand zu gelangen, war allerdings einiges an „Vorarbeit“ nötig. Ich glaube, dass jeder diesen Zustand erlangen kann. Deswegen möchte ich den Prozess bis dahin in folgenden Schritten etwas näher darlegen:
Schritt 1: Lebensziel identifizieren
Schritt 2: Vision erstellen
Schritt 3: Sich für die Vision entscheiden
Schritt 4: Integration der Vision in den Alltag
Schritt 1: Lebensziel identifizieren
Erst der erste Schritt und schon so eine anspruchsvolle Aufgabe, wirst du vielleicht denken.
Prinzipiell braucht es für das Erledigen dieses Schrittes einige Zeit an Selbsterkundung. Vereinfacht gesagt: Suche nach deiner persönlichen Erfüllung! Verfolge das weiter, was dir ein gutes Gefühl gibt, lass die Sachen liegen, die dir ein schlechtes Gefühl geben. Um herauszufinden, was dich am meisten erfüllt, musst du wahrscheinlich einiges ausprobieren. Bleib nicht stehen, bleib flexibel! Wenn ich nie ein Gedicht geschrieben hätte, wüsste ich gar nicht, wie sehr mir das ganze Spaß macht.
Was hast du alles noch nicht ausprobiert, obwohl es dich vielleicht interessiert? Was hat dir schon immer Spaß gemacht? Was zieht dich immer und immer wieder an? Was würdest du den Rest deines Lebens tun, wenn du völlige finanzielle Freiheit hättest? Was würdest du mit deinem Leben anstellen, wenn du hoch verschuldet wärst und nie die Möglichkeit hättest aus den Schulden zu kommen?
Solche Fragen können dich in die richtige Richtung weisen.
Auch ein Blick in die Vergangenheit kann Wahrheiten enthüllen. Wovon hast du geträumt, bevor du dich entschieden hast, „nein“ zu deinen Träumen zu sagen? Was hat dich inspiriert, als du noch nicht glaubtest, dich anpassen zu müssen?
Die Ursprünge meiner Zielbilder kann ich teilweise bis in meine Kindheit zurückverfolgen.
Eine weitere, sehr praktische und einfache Möglichkeit, seinem Lebensziel auf die Schliche zu kommen, ist die Methode von Steve Pavlina, die er in seinem Artikel „Discover Your Life Purpose In About 20 Minutes“ beschrieben hat. Hier die Anweisungen:
1.Nimm dir ein leeres Blatt Papier oder öffne eine Textdatei.
2.Schreibe auf den oberen Teil des Blattes „Was ist mein wahres Lebensziel?“
3.Schreibe eine Antwort (egal welche) auf, die dir in den Sinn kommt. Du musst nicht in ganzen Sätzen schreiben. Stichpunkte reichen aus.
4.Wiederhole Schritt 3 solange, bis du eine Antwort aufschreibst, die dich zum Weinen bringt. Das ist dein Lebensziel.
Wenn dabei kein besonders konkretes Zielbild vor deinem Auge entsteht, ist das völlig in Ordnung. Es geht eher um die Richtung, als um das genaue Ziel. Im Laufe deines Lebens werden sich deine großen Ziele wahrscheinlich sowieso ändern. Wenn du beginnst, in die Richtung deines Lebensziels zu gehen, auch wenn du nicht konkret weißt, wie es aussieht, kannst du spüren, wie dich diese Reise erfüllt. Du bist auf deinem Lebensweg.
Schritt 2: Vision erstellen
Wenn du dein Lebensziel identifiziert hast, wette ich fast, dass das automatisch entsteht (bei mir tut es das jedenfalls): Eine Vision.
Jetzt, wo du weißt, in welche Richtung du gehen musst, brauchst du Zielbilder, die es dir möglich machen, dein Ziel jetzt schon zu spüren. Je deutlicher du das Ziel spüren kannst und das Ziel geistig schon in dein Leben integrierst, desto leichter wird es dir fallen, dort hin zu gelangen, wo du wirklich landen willst.
Du brauchst auch hier keine Vorstellung von einem Endziel zu haben (ein Endziel gibt es sowieso nicht). Die nächste Etappe reicht schon aus. Wie wird dein Leben sein, wenn du die nächste größere Etappe erreicht hast? Wie wird es sich anfühlen? Wie wirst du dich verhalten, wenn du die Person bist, die diese Etappe erreicht hat?
Mit einer Vision im Kopf sorgst du dafür, dass du auf deinem Weg bleibst und deinem Ziel näher kommst.
Wichtig ist, dass dich deine Vision erfüllt und dass sie sich nicht unrealistisch anfühlt.
Eine Vision, die dich nicht erfüllt, gehört nicht zu deinem optimalen Lebensweg und eine, die sich unrealistisch anfühlt, wirst du wahrscheinlich nie anstreben zu erfüllen, sondern dich mit deinen Träumen zufrieden geben.
Ich schreibe absichtlich „anfühlt“, nicht ob sie es „ist“. Wenn ein Ziel, dass „objektiv gesehen“ unrealistisch ist, dich erfüllt und motiviert, ist es tausendmal besser als eines, dass vielleicht realistischer ist, dich aber nur mäßig motiviert.
Räum dir ruhig jeden Tag etwas Zeit zum Träumen ein. So kannst du gedanklich ausprobieren, wie dir deine Vision steht und dir immer detaillierte Bilder kreieren. Die besten Visionen fühlen sich auch am besten an.
Schritt 3: Sich für die Vision/den Lebensweg entscheiden
Dieser Schritt ist essentiell und kann ziemlich angsteinflößend sein. Wenn du zu deinem Lebensweg ja sagst, musst du zu allen anderen Dingen, die dich davon abbringen, nein sagen. Dein Leben muss sich vielleicht komplett verändern! Alte Sicherheiten brechen weg, neue gibt es noch nicht. Eine Menge Anstrengungen und Quälereien, die du auf dich genommen hast, waren umsonst.
Jetzt hast du die Wahl. Folgst du deiner Erfüllung oder deiner Angst?
Wenn du nun deiner Angst folgen möchtest, und dich nicht für deinen Lebensweg entscheiden möchtest, kannst du jetzt aufhören, diesen Artikel weiterzulesen. Du willst ein angstvolles und unerfülltes Leben leben? Kannst du gerne haben. Erinnere dich nur daran, dass du selbst dich dafür entschieden hast.
Wenn du wirklich deinen Lebensweg gehen möchtest, musst du dich nun komplett dafür entscheiden. Solange die Entscheidung nicht 100%ig ist, wirst du nicht voran kommen. Du wirst ständig Ausflüchte finden, 100% zu geben. Du wirst viel schneller aufgeben, wenn es mal eine Krise gibt und du wirst keine 100%ige Verantwortung für deine Erfüllung übernehmen – was zur Folge hat, dass die Erfüllung niemals eintrifft.
Wenn du weißt, dass du „ja“ sagen möchtest, aber dich noch nicht traust, lerne erst einmal „nein“ zu sagen, zu dem, was dich nicht erfüllt. Hör auf, dich anzustrengen für die Dinge, die du nicht willst, beginne, zu ignorieren, träume lieber herum und tue nichts, statt aktiv dafür zu sorgen, dass du dich von deinem Weg entfernst.
Das kann zwar ein riesiges Chaos verursachen, aber genau das wird es dir leichter machen, letztlich doch „ja“ zu deiner Vision sagen. Wenn dein Leben in den Scherben deines selbsterrichteten Gefängnisses liegt und du ganz von vorne anfangen musst, hast du wenigstens keine andere Wahl, als es diesmal richtig zu machen und „ja“ zu sagen.
Schritt 4: Integration der Vision in den Alltag
Du hast dein Lebensziel gefunden und „ja“ zu deinem Lebensweg gesagt? Glückwunsch – nicht viele Menschen schaffen es jemals bis hierhin.
Jetzt, wo du „ja“ gesagt hast, musst du die Dinge nur noch ins Rollen bringen.
Deine Aufgabe ist es nun, dein Leben mit deiner Vision in Einklang zu bringen. Du wirst nun wahrscheinlich eine Menge verändern müssen. Alles was nicht mit deiner Vision kompatibel ist, muss jetzt gehen. Unkompatible Beziehungen müssen abgebrochen werden, unkompatible Gewohnheiten verlernt werden und unkompatible Gedanken müssen neuprogrammiert werden.
Während du nach und nach Platz für Neues schaffst und immer kompatibler mit deiner Vision wirst, steigt deine Motivation. Die Vision ist in deinem Leben. Du siehst sie nicht mehr nur, du spürst sie, du lebst sie, du bist sie.
Motivation ist ab hier kein Problem mehr für dich. Du atmest Motivation. Andere Menschen werden dir ab jetzt ständig sagen, wie motivierend es ist, in deiner Nähe zu sein und mit dir zu reden. Dann werden sie heimgehen und weiterhin „nein“ zu ihrem Leben sagen. Und du wirst dich an die Zeit erinnern, in der du genauso warst.
Das sind die vier Schritte. Zugegebenermaßen sind einige Teile davon nicht ganz so leicht umzusetzen. Dafür lohnen sie sich aber umso mehr. Denn jeder Schritt bringt dich näher zu deiner persönlichen Erfüllung.
Du kannst lange Motivationsbücher lesen und Motivationspodcasts hören, kannst versuchen deine Prokrastination mit produktiven Gewohnheiten zu bekämpfen. Doch du wirst nie auf dem selben Level an Motivation ankommen, wie jemand der von seinem Lebensziel angetrieben wird.
Vom Level deines persönlichen Glücks ganz zu schweigen.
Veröffentlicht am 7.September 2009
Keine verwandten Artikel gefunden.












Danke für die Tipps! Das klingt alles recht gut. Mein Problem bei der Motivation ist, dass sich Lebensziele hin und wieder ändern und die Realität harsch über einen hereinbricht. Manchmal ist die Realität viel stärker oder unangenehmer als die Vision. Es ist nicht immer leicht, die Brücke von der Vision in die Realität zu schlagen. Oft verkümmert die Vision dabei oder wird geändert. Aber grundsätzlich halte ich die Tipps für sehr gut! mfg, Julia
Selbst wenn sich Lebensziele ändern, sucht man damit doch immer das Gleiche: Sein persönliches Glück. Die Essenz ändert sich also nie.
Pingback: » 10 Anzeichen, dass du angepasst bist
Pingback: » Archiv