Erfolg im Musikbusiness – Interview mit Nils Kolonko
Alice Hive: Hallo Nils! Vielleicht könntest du dich kurz für alle die vorstellen, die dich noch nicht kennen.
Nils Kolonko: Ja, natürlich. ich bin Nils Kolonko, Bandcoach in Berlin und Buchautor. Habe im August 2008 mein erstes Buch veröffentlicht: “Bandologie – wie man als Musiker seine Band zum Erfolg führt”.
Ich war mal Produktmanager für eine der größten Plattenfirmen der Welt und mache selbst seit vielen Jahren Musik, habe viele Live-Konzerte gespielt und dergleichen. Seit ich 16 Jahre alt bin beschäftige ich mich nahezu ununterbrochen mit Musik und mit Bands. Auch heute noch denke ich eigentlich den ganzen Tag über nichts Anderes nach. Momentan schreibe ich an meinem nächsten Ebook: “101 Marketing-Ideen für deine Band” … und ich glaube, mir fallen sogar wirklich 101 Aktionen ein, die ich bereits persönlich erlebt habe, oder die ich aus der Praxis als ‘erfolgreich’ kenne.
Einen detaillierteren Lebenslauf von mir gibt es hier: http://www.bandologie.de/nils.html
Alice Hive: Mit welchen Problemen sehen sich Musiker heutzutage am meisten konfrontiert?
Nils Kolonko: Dazu fällt mir spontan dreierlei ein:
1. Das Hauptproblem, das jede Band für sich lösen sollte, ist, ein Publikum dauerhaft und immer wieder zu begeistern. Dabei kann ich nur bedingt helfen, denn dazu gehören eine Reihe kreativer Ideen, die auf jeden Fall von den Künstlern, also den Musikern, selbst kommen müssen. Das ist ja auch der Sinn einer Band, dass sich die Musiker SELBST etwas kreatives ausdenken und nicht ein externer Berater. … Schwierig wird es nur dann, wenn die Bands und die Musik selbst ziemlich langweilig sind und die Band dann hofft, dass ich daran – ohne an der Musik oder der Show mit entsprechend viel Aufwand und Mühe etwas zu ändern – … etwas bewirken könnte ![]()
Ein Paradox, das mir bei Coachings und in vielen Emails von Musikern immer wieder begegnet.
Übrigens kenne ich erstaunlich viele Bands, die DIESES Grundproblem (oder sagen wir mal: “Aufgabe”) für sich noch gar nicht in dieser Klarheit erkannt haben. (Publikum begeistern) … Sondern die sich immer mit anderen Fragen beschäftigen, die sich dann im Wesentlichen um sich selbst drehen… Möglicherweise hilft das also bereits dem einen oder anderen Musiker.
2. Dann gibt es noch eine Reihe von planerischen und organisatorischen Problemen in einer Band. Viele Bands haben – im wahrsten Sinne des Wortes – gar keinen Plan, was sie da eigentlich machen und ebenfalls erstaunlich häufig, haben viele Musiker keine Ahnung, auf was für ein Business sie sich mit ihrer Band einlassen.
Es fehlt an kaufmännischen, planerischen und organisatorischen Kenntnissen, sowie einfach auch an genauem Wissen über die Funktionsweisen in der Musikindustrie. In diesem ganzen Bereich geht es also darum, wie man seine Band bestmöglich ‘an den Mann bringt’.
In diesem Bereich – Organisation, Selbstvermarktung für Musiker, Wissen über das Musikbusiness, – alles, was man in einem Bandcoaching im Bereich Business machen kann – scheitern viele Bands. In solchen Fällen kann ich einer Band sehr gut helfen. Dazu kann ich sowohl das Bandologie Buch als auch die persönlichen Coachings und neuerdings auch Workshops mit mir empfehlen.
3. Das dritte Problem jeder Band – insbesondere heutzutage – sind die schwierigen Marktbedingungen, zumindest, was die Verkäufe von Tonträgern angeht. Andererseits, muss man auch fairer Weise sagen, sind die Möglichkeiten für eine Selbstvermarktung als Musiker, Eigenvertrieb von Musik, selbst gemachte, fertige Musikproduktionen und dergleichen besser als jemals zuvor… Wie auch immer: Seine Band erfolgreich zu vermarkten – oder einen erfolgreich laufenden Plattenvertrag zu kriegen und zu halten – macht wirklich eine Menge Arbeit.
Alice Hive: Was sind die häufigsten Fehler, die von Musikern gemacht werden, die den Weg zum Erfolg suchen?
Nils Kolonko: Der Fehler Nummer eins, den ich immer wieder feststelle, ist, dass Musiker noch immer an “das alte Modell” der Musikindustrie glauben. Es funktioniert schon lange nicht mehr, einfach ein Demotape, CD oder ein MP3 an eine Plattenfirma zu senden und dann zu glauben, das man dadurch realistische Chancen auf einen Plattenvertrag hat… Viele Musiker glauben das noch immer und sind teilweise sehr erstaunt, wenn sie die klaren Aussagen im Bandologie Buch lesen oder von mir persönlich hören ‘was momentan Sache ist’.
Fehler Nummer zwei ist, als Einzelkämpfer durchkommen zu wollen. Viele “Home-Producer” versuchen seit Jahren einen Hit zu landen und es kommt keiner… bei Bandologie habe ich deshalb als “Erfolgsfaktor Nummer eins” formuliert, dass man es als Musiker – in der Regel – nur mit einem Team schafft.
Der dritte Fehler, den ich häufig beobachte, ist, sich selbst viel zu wenig Wissen besorgt zu haben. Viele Musiker brettern einfach mal drauf los und steigern sich unglaublich in ihre Sache hinein … können aber genau genommen gar nicht abschätzen, ob sie mit ihrer Musik und mit ihrer Live-Show eine realistische Chance haben, erfolgreich zu werden. Da kombiniert sich dann häufig vieles: Wunschdenken, zu wenig Wissen, Glauben an “das alte Modell”.
Heutzutage gibt es einige hervorragende Informationsquellen zu diesem Thema und ich kann jedem Musiker, der es mit seiner Musik zu etwas bringen möchte, empfehlen solche Dinge wie – beispielsweise – Bandologie zu nutzen.
Auch der Film ‘Rockthe.biz’ von Marc Weissenberger wird sehr hilfreich für viele Musiker sein. Auf jeden Fall kann ich empfehlen, sich MEHRERER solcher Informationsquellen zu diesem Thema zu bedienen.
Alice Hive: Was können Labels für einen tun und was nicht?
Nils Kolonko: Also “können” … teilweise eine ganze Menge. Nur mal angenommen eine große Firma wie Universal Music wollte eine Band – aus welchen Gründen auch immer – sehr hoch in die Charts bringen und es wäre ihnen egal, ob sie dabei Geld verlieren … dann KÖNNTEN sie das durch eine Menge Promotion und gut bezahlte Musikproduzenten auf jeden Fall machen.
Die Frage ist allerdings immer: Was WILL ein Label für eine Band tun und was nicht?
Und das wiederum – Überraschung für einige Musiker – hängt ganz maßgeblich von der Band ab. Denn auch die Labels stellen sich durchaus die entsprechende Frage auf der anderen Seite: “Was kann diese Band für mich tun und was nicht?”
Ich sage hier auch ganz bewusst, es hängt “von der Band” ab und NICHT nur “von der Musik”. Denn die Musik ist nur ein Teil des ganzen Puzzles. Ein entscheidender Teil dabei ist für viele Labels – und auch sonstige Businesspartner – wie ‘fit’ die Menschen sind, die diese Band – dieses Kleinunternehmen – betreiben.
Als Faustregel kann man zusammenfassen: Wenn das Label glaubt, dass man mit der Band sowohl sehr gut zusammenarbeiten kann als auch – am wichtigsten für die meisten, professionellen Labels – mit dieser Band mehr Geld verdienen kann, als mit den bisherigen Bands des Labels … dann werden sie für eine Band sehr viel tun.
Es liegt hier allerdings – das wiederhole ich zur Sicherheit für alle Schnell-Leser im Internet – ganz maßgeblich daran, was die Band dem Label anbieten kann… Von dieser ganzen Thematik, die ich für sehr wichtig und elementar halte, handelt ja das Bandologie Buch. Dort erkläre ich ganz genau, wie man sich als Band am besten aufstellt. Entweder um eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem Label zu starten, oder um sich erfolgreich selbst zu vermarkten. Die Grundvoraussetzungen und Methoden für beides davon, sind nach meinem Verständnis in etwa identisch.
Alice Hive: Woran kann man sich als ambitionierter Musiker orientieren, solange man noch keinen Plattenvertrag hat?
Nils Kolonko: Als Amateur und als semiprofessioneller Musiker ist zunächst mal die Reaktion eines fremden Publikums interessant. Wenn fremde Leute (nicht Freunde und Bekannte) bei einem Konzert regelrecht ausflippen und unbedingt mehr von der Band haben wollen, sich in Newsletter eintragen und dergleichen, ist das der sicherste Orientierungspunkt, den man haben kann.
Als Profi und auch schon auf dem Weg in den professionellen Bereich muss man dann sozusagen einen Gang höher schalten und sollte sich dann – nach meinem Verständnis –hauptsächlich daran orientieren, wie viel Geld das Publikum bereit ist, regelmäßig für die Band auszugeben. Also kurz: wie viel man bereits einnimmt.
Mir ist dabei natürlich klar, dass das Thema “Geld” insbesondere für viele Musiker, also für Künstler, häufig ein schwieriges Thema ist. Ich möchte natürlich damit auch NICHT sagen, dass es nur noch darum gehen sollte. Aber als “Profi”-Musiker geht es nunmal AUCH darum, Geld zu verdienen. Als ‘Erfolgs-Anzeiger’ oder um die Frage zu beantworten: “Wie viel Publikum möchte meine Musik bereits WIRKLICH dringend haben?” ist das ein hervorragender Orientierungspunkt.
Über dieses Thema könnte man sehr lange reden und viele Musiker bräuchten meiner Meinung nach geradezu eine ‘Geld-Therapie’, damit sie überhaupt innerlich damit klar kommen, auch wirklich welches verdienen zu wollen… dazu gehört auch der Bereich “was bin ich eigentlich WERT?” und dergleichen.
Wer in solche, sehr individuellen Fagen tiefer einsteigen möchte, ist im Bandologie Coaching und auf den Workshops herzlich willkommen! Wer Geld mit Musik verdienen möchte und bereits weiß, dass seine Musik im Prinzip gut verkaufbar ist – und eine Reihe von praxisnahen Tipps haben möchte, der ist mit dem Bandologie Buch erstmal besser (und günstiger) bedient… Wer KEIN Geld mit seiner Musik verdienen möchte, sondern ‘reine Kunst’ machen möchte, der braucht weder das Buch, noch das Coaching
… Der soll einfach machen. Dann bitte aber auch nicht klagen, wenn ‘nix’ passiert.
Alice Hive: Was hat dich dazu bewogen, dein Buch Bandologie zu schreiben?
Nils Kolonko: Der Hauptgrund, warum ich Bandologie noch immer betreibe, ist, dass Musiker mir mittlerweile immer häufiger sagen, dass Bandologie ihnen wirklich geholfen hat.
Beispielsweise erhielt ich kürzlich eine Email in der stand:
“Bandologie war bestimmt auch ein Faktor der Sache. (…) Haben ja im Mai mit Silbermond gepielt, das war echt grandios. Und für uns auch der Beweis gewesen: Es funktioniert. Haben so ein krassen Merch Umsatz gemacht. Alle unsere USB-Sticks waren danach weg. Das wärs so im Schnelldurchlauf.”
So etwas freut mich natürlich, wenn ein Buch und ein paar Gespräche eine solche Wirkung auf die Entwicklung eines Newcomer-Musikers hat! Die genaue Hintergrundgeschichte und eine Reihe nützlicher Infos für Musiker kann man übrigens bei Bedarf auch hier erfahren (das ist beispielsweise ein guter Einstiegspunkt in die Bandologie Webseite): http://www.bandologie.de/index.php/ueber-bandologie#ueber-bandologie-detailbeschreibung

Vielen Dank an Nils für die informativen Antworten! Ich kann euch empfehlen, im Anschluss etwas auf Nils’ Webseite Bandologie herumzustöbern. Unter anderem findet ihr dort ein sehr interessante Interview mit Stefan Brunner, dem Schlagzeuger der Band Schandmaul.
Veröffentlicht am 7.Oktober 2009
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