Interview mit Rae Grimm

Veröffentlicht am 10.Februar 2009

Sie bloggt, schreibt Geschichten, fotografiert, stellt selbst Schmuck her. Die Fotodesignsudentin Verena „Rae“ Grimm steckt voller Ideen. Ich habe sie für euch einmal interviewt.

Alicehive.de: Wie hast du angefangen, Kunst für dich zu entdecken?

Rae Grimm: Als ich ungefähr fünf oder sechs war, haben meine Eltern sich einen Hund gekauft. Einen Schäferhund namens Odin. Mein Vater fuhr quer durchs Land, um ihn abzuholen und ich vertrieb mir die Zeit bis zu seiner Rückkehr damit, dass ich Bilder von diesem Hund malte und meine Oma überredete die Geschichten, die ich mir zu ihm ausdachte, aufzuschreiben. So wurde wohl der Grundstein gelegt.
Als ich so 13-14 war, habe ich das Internet entdeckt und mit Webdesign und Fotomanipulationen begonnen. So bin ich auf verschiedene Internetseiten wie deviantArt gekommen, die letztlich den Anstoß für mich gaben, zum ersten Mal eine Kamera in die Hand zu nehmen mit der Intention mehr zu tun, als nur ein Urlaubsfoto zu machen.

A: Wann war für dich klar, dass du einen künstlerischen Berufsweg einschlagen würdest?

R.G: Überraschend spät. Auch wenn meine Lehrer durchgehend meinten, dass Kunst oder Design durchaus der richtige Weg für mich wäre, wollte ich das nie. Sicher, ich wollte immer Schriftstellerin sein, aber nur neben einem „normalen“ Job. Ich wollte eigentlich in eine naturwissenschaftliche Richtung oder in die Forschung. Als ich 18 war, ein paar Monate vor dem Fachabitur, kam ich in eine Sinnkrise, die das alles in Frage stellte. Zu diesem Zeitpunkt fotografierte ich gerade zwei Jahre. Es dauerte ein paar Wochen, aber dann traf es mich wie eine Faust ins Gesicht, dass ich genau das gerne machen würde. Fotografieren.

A: Woher nimmst du deine Ideen? Was inspiriert dich?

R.G: Die Antwort „alles“ ist wohl zu allgemein, oder? Ich sage gerne, dass die Ideen zu mir kommen, die Geschichten. Sie kommen zu mir und wollen erzählt werden und das versuche ich so gut es geht.
Inspiration kann man aus allem schöpfen. Aus einem Lied, einem Bild, einem Moment…
Es kann ein Satz in einem Buch sein, der plötzlich heraussticht und eine völlig andere Bedeutung und Geschichte in sich birgt als die, die das Buch erzählen will. Manchmal ist es ein Gedanke, der plötzlich da ist und nicht mehr verschwinden will. Es ist immer völlig unterschiedlich und letztlich kann ich kaum sagen, woher diese Ideen kommen, nur dass sie plötzlich da waren, als hätten sie gewartet gefunden zu werden.

A: Dein Hausmittel gegen weiße Blätter und Ideenlosigkeit?

R.G: Das ist schwierig. So etwas wie die Angst vor dem weißen Blatt kenne ich nicht, eher das Gegenteil. Ich muss es zwanghaft füllen.
Aber es gibt natürlich immer Phasen, in denen wollen die Worte einfach nicht kommen oder nicht die richtigen. Das hatte ich auch schon zur Genüge.
Es kommt immer auf die Situation an. Schreibe ich gerade an einer Geschichte und komme nicht weiter, hilft es, wenn ich erst einmal etwas komplett anderes mache. Ein Bad nehme oder einen Spaziergang mache oder Schmuck bastle.
Will ich jedoch etwas Neues beginnen und weiß nicht was, dann hilft es, wenn ich mir ansehe, was andere so gemacht haben. Künstler oder Fotografen. Es verstecken sich immer Geschichten in und hinter den Bildern und die Geschichte, die du siehst, sieht vielleicht kein anderer.
Manchmal darf man gar nicht groß darüber nachdenken, was man schreiben will und muss die Worte einfach kommen zu lassen. Es ist immer wieder überraschend welche Worte einen finden.

A: Du schreibst nicht nur und fotografierst, sondern stellst auch selbst Schmuckgegenstände wie Ohrringe oder Anhänger her. Was gibt dir die Arbeit mit diesen verschiedenen Medien?

R.G: Jede Arbeit ist vollkommen anders und füllt mich auf eine völlig unterschiedliche Art aus.

Die Herstellung von Schmuck zum Beispiel, kann sehr monoton sein, trotzdem ist es nicht langweilig. Ich finde Ruhe darin Teile zusammen zu setzen, abzuschmirgeln, zu oxidieren, zu schneiden,… Die Arbeit ist eher handwerklich als kreativ und sie hilft den Kopf frei zu bekommen, wenn die Gedanken mal wieder aus dem Ruder laufen.
Die Fotografie ist wohl am anstrengendsten, denn für sie bin ich viel unterwegs und immer auf der Suche nach neuen Modellen, Motiven, Locations… Sie gibt mir jedoch eine Ausrede in die verschiedensten Bereiche hinein zu schnuppern und immer wieder neue Menschen kennen zu lernen, mich mit ihnen zu unterhalten, von ihnen zu lernen und inspiriert zu werden. Jedes Shooting ist anders und birgt neue Überraschungen, die mich auf ihre Weise weiter bringen.
Das Schreiben jedoch ist und bleibt wohl der wichtigste kreative Teil meines Lebens. Es vergeht keine Stunde, die ich nicht zumindest über meine Geschichten und Figuren nachdenke. Das Schreiben erfüllt mich mehr, als es die anderen Medien tun. Es gibt kein Gefühl, das vergleichbar ist mit dem Rausch, den eine gute Idee für eine Geschichte bringen kann. Kein Gefühl, das dem nahe kommt, was ich fühle, wenn die Worte beginnen mich mit ihnen zu tragen.

A: Was planst du für die Zukunft?

R.G: Oh so einiges. Die nächsten zwei Jahre sind vollgestopft mit Plänen und Träumen.
Im nächsten Jahr fällt mein Diplom in Fotodesign an. Ich möchte meine Bilder mit meinen Geschichten zu verbinden, was sehr anstrengend werden wird. Dafür muss ich mir nicht nur über die Fotos selbst Gedanken machen, sondern auch noch eine Reihe, die ich vor einigen Jahren angefangen habe zu schreiben, fertig stellen. Ich habe diese Medien noch nie kombiniert, daher ist es eine umso größere Herausforderung.
Mein Vorsatz für dieses Jahr ist es ja, jede Woche eine Kurzgeschichte zu schreiben und auch an meinem derzeitigen Romanprojekt „Noir“ zu bleiben und es in absehbarer Zeit zu beenden. Außerdem möchte ich mich immer weiter entwickeln, was meine Schmuckherstellung angeht und mir damit vielleicht ein kleines Standbein aufbauen, um meine Fotografie besser finanzieren zu können. Im Studium habe ich die Vorgabe ein Auslandsprojekt zu bearbeiten, also werde ich dieses Jahr auch für ein paar Wochen nach Dublin verschwinden, um dort zu fotografieren. Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich mehr Pläne, als Zeit, aber egal. Ein bisschen Größenwahnsinn muss schon sein. Das Leben ist schließlich dafür da seine Träume zu leben.

Vielen Dank für diese interessanten Antworten!

Mehr von Rae gibt’s auf ihrer Webseite oder ihrem Blog.

Rae Grimm.

Schlüsselbund Creolen.

“The Letter”

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One Response to “Interview mit Rae Grimm”

  1. [...] 50000 Wörter abgestaubt haben! Freaking Muse (Rae Grimm, mit ihr hab ich hier auch einmal ein Interview geführt) ist eine davon. Auf ihrem Blog hat sie ein paar NaNoWriMo-Tipps aufgelistet, die ich [...]

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