Meine Erfahrungen mit Musiker-in-deiner-Stadt.de
Veröffentlicht am 19.Januar 2009
Vor einigen Tagen bin ich auf das Portal Musiker-in-deiner-Stadt.de (MIDS) gestoßen. „Cool“, dachte ich mir. „Vielleicht kann ich da ja ein paar neue Leute kennenlernen“.
Tja, vielleicht kann man das da tatsächlich – ich hab es leider nicht herausgefunden.
Schon auf der ersten Anmeldeseite geht es ungewöhnlich harsch zu. „Musiker-in-deiner-Stadt ist kein Spaß-Verein“, heißt es da. Und ich muss bestätigen, dass ich als nicht-offizielles (=nicht zahlendes) Mitglied „benachteiligt“ bin.
Das nächste Formular verlangt persönliche Daten von mir. Ich muss meinen Namen, meine Adresse, mein Geburtsdatum und andere Daten angeben, um weiterzukommen. Gut, dass ich für solche Fälle immer ein Pseudonym parat habe. Auch die Festnetznummer ist Pflicht. „Beachten Sie, daß Rufnummern ggf. anhand von Kontrollanrufen auf Richtigkeit überprüft werden!“
Froh, dass niemand nach meinen Bankverbindungsdaten fragt, muss ich nun auf eine E-Mail warten, die mir einen Aktivierungscode schickt. Einige Sekunden später trudelt die gewünschte Mail auch schon in mein Postfach ein.
Nach der Eingabe des Aktivierungscodes werde ich auf ein weiteres Formular umgeleitet. Hier muss ich nun meine musikalischen Daten eingeben: Also z.B. ob ich Sängerin bin oder Songschreiberin. Dummerweise bin ich beides. Naja, ich entscheide mich für „Songwriter“. Danach folgen weitere Felder, in denen ich z.B. auswählen kann, wie lange meine Bühnenerfahrung zurückreicht.
Nun kommt ein Feld, in dem ich eine Bemerkung hinterlegen darf. Dabei wird mir ausführlichst erklärt, was ich in dieses 150-Zeichen fassende Feld schreiben darf, und was nicht: Ich darf etwa keinen Bandnamen und keine Webseite angeben und nicht erklären, was ich suche. Stattdessen soll ich lieber schreiben, ob ich Profi- oder Amateur bin und wie meine musikalischen Vorstellungen aussehen. Für den Fall, dass ich hier etwas falsches hinschreibe, müsste ich 10€ zahlen. Also passe ich lieber auf.
Da ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht habe, möchte ich dieses Feld überspringen. Leider funktioniert das nicht. Eintragungen in diesem Feld ist Pflicht. Ich schreibe also, dass ich in einer Band singe und an einem Soloprojekt arbeite.
Als ich das Formular absenden möchte, erhalte ich eine Fehlermeldung: Ich habe geschrieben, dass ich singe – und wenn ich singe, müsse ich ja Sängerin sein, also solle ich „Sängerin“ (statt Songwriter) auswählen. Gut, „singen“ also gelöscht und mit „bin“ ersetzt: „Ich bin in einer Band“ – hört sich super an. Wieder klicke ich auf den Sendebutton, wieder eine Fehlermeldung: In meinem Text käme die unzulässige Zeichenfolge „.de“ vor. Tatsächlich. Ich hatte geschrieben: „Ich bin in einer Band. Demnächst wird außerdem ein Soloalbum von mir erscheinen.“
Wenn ihr also bald ichbinineinerband.de bei Sedo findet, wisst ihr bescheid.
„Demnächst“ tausche ich durch das Wort „bald“ aus. Absenden. Fehlermeldung: Band. Ich habe das Wort „Band“ benutzt, bin aber nicht als Band angemeldet, sondern als Songwriter.
Letztlich habe ich mich dann als Sängerin angemeldet und einen fast sinnfreien Text in das ominöse Bemerkungsfeld geschrieben.
Aber es ist noch nicht vorbei. Als Sängerin, heißt es, nach meiner Anmeldung, müsse ich eine Gesangsprobe dalassen und ein Bild von mir hochladen, sonst könne ich niemanden kontaktieren. Dazu müsse ich unter einer kostenfreien Nummer anrufen und eines der vorgegebenen Lieder singen. Mach ich natürlich nicht. Stattdessen suche ich nach Musikern. Tatsächlich werden mir im naheliegenden Postleitzahlgebiet 96047 etwa 25 Musiker übersichtlich angezeigt.
Da ich sowieso noch niemanden kontaktieren kann, sehe ich mir die Musiker nicht weiter an. Kurze Zeit später erhalte ich eine Mail: Entweder ich lade ein Foto hoch und singe in mein Telefon oder mein Account wird gelöscht: Ich habe 48 Stunden.
Da wird es mir doch etwas zu viel. Ich lasse mich doch nicht von einem Musikportal unter Druck setzen. Ich beschließe, ein bisschen zu recherchieren. Ich finde nicht viel über das Portal, aber das, was ich finde, ist vor allem eines: Negativ.
Nicht nur, dass sich die User über den Anmeldeprozess und die Kompliziertheit dieses Portals beschweren, die meisten berichten darüber, wie MIDS Geld von ihnen verlangt, weil sie gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen haben. Die Frage schwebt durch den Raum: Ist das der wahre Grund, warum die Nutzungsbedingungen so strikt gehalten werden?
Zwei Tage später bekomme ich wieder eine Mail von MIDS. Man kann übrigens nicht verhindern, dass man Mails von MIDS bekommt, solange man dort Mitglied ist – ein Auszug aus den AGB: „Wünscht ein Mitglied keine automatisch erzeugten Emails, so sind jegliche vorhandene Einträge zu entfernen und das Benutzerkonto zu deaktivieren.“
„VERSTOSS“ schreit es mir aus dem Betreff entgegen. Ich schmunzle. Ich hatte es mir fast gedacht. Mir wird im Übrigen nicht erklärt, was ich genau falsch gemacht habe. Die Mail ist wieder mal systemgeneriert. Eine lange Liste von möglichen Verstößen wird aufgeführt. Wenn ich innerhalb von zwei Tagen meinen Bemerkungstext nicht korrigiere, wird mein Konto gesperrt – Entsperren kostet 10€.
Aber glauben die wirklich, dass ich Interesse habe, dieses Konto jemals weiterzuführen?
Ähnliche Fälle:
Verbotene Diskussionen im Musikerboard
Edit 5.Februar 2010:
Mittlerweile habe ich, wie viele andere Seiten, einen Brief von einem Anwalt bekommen, in dem ich aufgefordert wurde, bestimmte Kommentare zu entfernen. Lies die ganze Story hier.
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