NaNoWriMo 2009: Ein Auszug

Hier ein Auszug aus meinem diesjährigen NaNoWriMo-Roman. Außer ein paar Rechtschreibfehlern und einem einzigen Wort, ist er noch völlig unbearbeitet. Der Auszug entstand bereits in den ersten NaNoWriMo-Tagen.

Hintergrund: Lina (lyrisches Ich), Serj (benannt nach dem System of A Down Sänger Serj Tankian) und Toby sind versehentlich in der Wüste auf einem fremden Planeten gelandet und versuchen nun einen Weg zurückzufinden. Wie sich später herausstellt, ist die Luft dort mit einem Halluzinogen angereichert.

Auszug

Der warme Wind lies meine Gedanken wie Federn erscheinen, die an mir vorbeisegelten, ohne mich zu berühren. Alles schien leicht und oberflächlich und doch zufriedenstellend.
„Was ist das für ein Planet?“, fragte ich und merkte, dass sich meine Stimme fern und leise anhörte.
Weder Serj, noch Toby schienen darauf zu antworten. Ich sage „schien“, denn ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ich mitbekommen hätte, wenn sie mir geantwortet hätten. Aus dem schwarzen Himmel und den beigen Kieseln wurde immer mehr eine riesige Fläche meiner Gedanken und Träume. Alles wurde bildlich, alles bekam ein Gesicht. Und während ich spürte, wie meine Beine sich roboterhaft weiterbewegten, ohne dass ich überhaupt daran denken musste, fühlte ich mich meinem Körper immer ferner und ferner. Ich wurde der warme Wind. Der Wind war ich. Ich war der Wind.
Ich wünschte für einen Moment, ich hätte diese Erfahrung schon früher machen können. 23 Jahre gelebt und nie war ich eins mit dem Wind gewesen. Erst jetzt wurde mir bewusst, wofür ich da war. Wofür es sich lohnte zu leben. Tief atmete ich ein und aus und versuchte die Lungen mit dem Wind, der ich war, so sehr zu füllen wie es nur ging.
Ich hörte mich kichern. In der Ferne. Ich wusste nicht, was so lustig war. Doch, jetzt fiel es mir wieder ein. Ich kicherte wieder. Es war so lustig, dass meine Freunde noch nie der Wind gewesen waren und trotzdem dachten, sie würden ein glückliches Leben führen. Herrje, ich hatte es bis vor einem kurzen Moment selbst gedacht. Ich hatte doch gedacht, ich wäre glücklich! Ich lachte. Das Lachen tat mir kurz im Kopf weh, ich lachte wieder. Ich spürte das Lachbedürfnis in meinem Bauch und fand es witzig, es zu beobachten. Ich fand es an sich witzig.
Ich fragte mich, wie lange wir noch laufen mussten. Nein, fiel mir plötzlich auf, ich lief nicht mehr. Ich kniete, mein Oberkörper war nach vorne gebeugt. Ich wusste, ich war einfach nur müde. Obwohl es schon witzig war, dass man sich dazu hinlegte. Und dass ich das jetzt gemacht hatte… Es war angenehm als mein Oberkörper nach vorne auf den Boden prallte und mein Kopf auf dem beigem Kies aufschlug. Ich glaube nicht, dass ich die Augen geöffnet hatte. Aber ich wusste wie schön mir die Farbe des beigen Kies vorkam. Sie war warm. Sie war viel wärmer als der weiße Kies, der wahrscheinlich auf anderen Planeten herumlag. Schwarzer Himmel, weißer Kies? Das konnte sich nichts geben. Es wäre ein endloser Kampf mit kaltem, eisigem, einem ins Gesicht hämmernden Wind. Niemand wollte dort sein. Und langsam lies ich es zu, in das beige, warme Meer der Stille zu entgleiten.

Ich glaubte nicht, dass ich schnarchte. Es war klar, dass ich schlief und träumte und trotzdem fühlte ich mich lebendig. Als könnte ich meine Träume mitgestalten.
Ich hatte es mir immer so ähnlich vorgestellt, in einem luziden Traum das Ruder zu übernehmen. Doch ich zweifelte an der Echtheit der Luzidität. Ägyptische Gesichter auf Schriftrollen begannen um mich herumzutanzen. Ich freute mich, dass so gefeiert wurde. Sie hatten ein seltsames dunkelorangenes Getränk, von dem sie ab und zu einen Schluck tranken. Es schien zu wirken wie Alkohol. Und nein, ich wollte nichts davon trinken. „Ich bin bereits ohnmächtig genug“, sagte ich und zog die Nase hoch.
„Nimm nur einen Schluck! Einen Schluck!“ Sie tanzten um mich herum. Alles war durchdrungen von dem Getränk. Das Gesamtbewusstsein der Szene, des Lebens, der Welt. Warum? Ich konnte mich nicht widersetzen. Mir war klar, es würde mich umbringen, nicht davon zu trinken. Meine Traurigkeit würde mich umbringen. Meine Einsamkeit. Der erste Schluck schmeckte kalt und kratzig.  Und giftig. Vielleicht wie man sich Ammoniak in flüssiger Form vorstellt. Ich spürte jeden einzelnen Tropfen meine Kehle hinunterrinnen und meinen Körper vergiften. Meine schöne Kehle. Mein schönes Fleisch!
Wie konnte ich die Schönheit und die Kraft dieses Fleisches so sehr schänden?
Ich kam nicht dazu, zu trauern. Eine Welle der Aufregung und Fröhlichkeit riss mich mit. Wie eine Achterbahn, als würde ich auf einer Tsunamiwelle surfen, ich wurde herumgewirbelt, in den Tanz aufgenommen, willkommen geheißen. Ich war es, das Bewusstsein, das all das verursachte. Ein Schrei der Verzweiflung versumpfte in den Freudenschreien der Tänzer und in der lauten handgemachten Musik.
Ich war so traurig. Ich war so traurig. Tränen flossen meine Wangen hinunter. Dann erinnere ich mich an nichts mehr. Die Schwärze hat das beige aufgefressen.

Veröffentlicht am 16.Dezember 2009

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One Response to “NaNoWriMo 2009: Ein Auszug”

  1. Gaby says:

    Also ich fand den Ausschnitt wirklich gut, die Beschreibung ist richtig realistisch und detailliert.
    Solche Qualität hätte ich einem Turbo-Projekt wie dem nanowrimo gar nicht zugetraut.
    Bin aber trotzdem noch der Meinung, ein nanowriYEAR einzuführen wäre sinnvoller.
    Lg, Gaby : )

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