NaNoWriMo
Veröffentlicht am 31.Oktober 2008
Wie ich schon angedeutet hatte, werde ich dieses Jahr am NaNoWriMo teilnehmen, dem National Novel Writing Month. Die Teilnehmer des NaNoWriMo’s setzen sich es zum Ziel, einen Roman von 50000 Wörtern innerhalb eines Monats zu schreiben. Dabei wendet sich die Aktion nicht nur an Schriftsteller und Leute, die sowieso professionell schreiben, sondern an alle, die Lust haben, sich dieser Herausforderung einmal zu stellen.
Der NaNoWriMo wurde vor 10 Jahren von Chris Baty gegründet. Seitdem hat sich Teilnehmerzahl von 21 (1998) auf 79000 (2006) erhöht. Die Idee des NaNoWriMo liegt darin, einmal einfach nur um des Schreibens willen zu schreiben und sich dadurch alle Erwartungen zu nehmen, die einen bisher daran gehindert haben, einen Roman zu schreiben. Es geht also nicht um Qualität, sondern um Quantität.
Um nicht in die „Qualitätsfalle“ zu tappen und damit einen weiteren Grund zu finden, den Roman nicht weiterzuschreiben (oder gar nicht erst anzufangen), empfiehlt Chris Baty, der Gründer des NaNoWriMo in seinem Buch No Plot? No Problem u.a. keine Ausbesserungen während des gesamten Monats vorzunehmen. Wer nämlich noch während des Schreibens beginnt, seinen geschriebenen Text auszubessern, stiehlt sich nicht nur die Zeit, die er in diesem zeitknappen Monat dringend fürs Schreiben benötigt, sondern konfrontiert sich wieder mit seinen eigenen Qualitätserwartungen, die während des NaNoWriMo’s nichts zu suchen haben.
Warum NaNoWriMo / einen Roman schreiben?
Wollte nicht jeder von uns schon mal ein Buch schreiben? Nein, wahrscheinlich nicht jeder, aber meiner Erfahrung nach gibt es eine Menge Leute, die es zumindest schon mal erwogen oder davon geträumt haben, ein Buch zu schreiben. Für diese Leute ist der NaNoWriMo perfekt: Das 30-Tages-Ziel und die Masse an Teilnehmern wirkt motivierend, das wahnsinnige Tempo, das der Schreiber einlegen muss, zwingt ihn dazu, seine Erwartungshaltungen an sich selbst zu ignorieren. 30 Tage heißt außerdem, dass es schnell wieder vorbei ist. Man muss also nicht lange durchhalten, bis man sich wieder in sein altes, langweiliges Leben verkriechen darf.
Wenn man sowieso noch eine Romanidee im Kopf herumschwirren hat, sich bisher aber nie durchringen konnte, etwas davon zu Papier zu bringen, warum nicht schnell am NaNoWriMo teilnehmen und abstauben? Wer es geschafft hat, einen Roman in einem Monat zu schreiben, darf sich übrigens offiziell NaNoWriMo Gewinner nennen.
Wenn der Roman erst mal fertig ist, kann man sich danach noch mit der Überarbeitung beschäftigen und…ja, das Buch veröffentlichen. Das ist zwar nicht das primäre Ziel des NaNoWriMo’s, aber natürlich haben einige schlaue Autoren die Chance genutzt und ihr Buch einem Verlag untergejubelt. Wer es nicht soweit schafft oder die Mühe des Bewerbens und Harrens nicht auf sich nehmen will, für den gibt es mittlerweile sogenannte Book-On-Demand-Stores, in denen man sich sein Buch ab einer Auflage von 1 drucken lassen kann. Oft ist eine Integration des Shops in die eigene Webseite möglich, so dass man darüber sein Buch auch verkaufen kann.
Nebenbei genießen Romanautoren (und wir zählen darunter jetzt einfach alle, die schon mal einen Roman geschrieben) natürlich den Angeber-Bonus, der es ihnen erlaubt, von ihren Büchern zu erzählen, sie zu zitieren und sich als Schriftsteller zu fühlen.
Zeitplanung
50000 Wörter in einem Monat, das sind 1667 Wörter am Tag, wenn man jeden Tag schreiben kann/will. Und nein, das ist nicht unmöglich. Was man dazu aber braucht, von dem kaum einer denkt, dass er genug davon hat, ist Zeit.
Wenn man sich dann noch, wie ich selbst, zu den langsamen Autoren zählt, muss man gezielt nach Zeitlöchern suchen, also Zeiträume, deren bisherige Aktivitäten man problemlos mit anderen Aktivitäten, wie dem Schreiben eines Romans austauschen kann.
Zu diesen austauschbaren Aktivitäten gehören etwa: Fernsehen, lesen (Zeitung, Zeitschriften, Bücher), Internetaktivitäten (zwanghaftes E-Mail checken, ICQ, Skype und andere Chatprogramme, Forenbesuche, sinnloses Herumsurfen, Youtube…)…
Ich kann nicht genau sagen, wie lange die 1667 Wörter für mich brauchen werden, aber ich schätze mal, mindestens 2 Stunden. Für mich wird das also bedeuten 2 Stunden zusätzlich pro Tag für den NaNoWriMo reservieren. Natürlich muss man nicht jeden Tag schreiben. Wer den typischen 9 – 5 Job hat, weiß zum Beispiel schon mal, dass er am Wochenende mehr Zeit hat als an den Wochentagen und kann versuchen, am Wochenende einige 1000 Wörter mehr abzuhaken, um seine Wochentage zu entlasten und den einen oder anderen schreibfreien Tag einlegen zu können.
Story
Ob man von Vorneherein eine Story entwerfen sollte und wie detailliert das Ganze gehen sollte, dazu gibt es verschiedene Auffassungen. Einige erfolgreiche NaNoWriMo-Autoren raten dazu, sich die Inhalte der einzelnen Kapitel vor dem Beginn des Schreibens zu skizzieren. Damit hat man erstens eine grobe Übersicht und behält somit das Ziel im Auge und zweitens gehen einem schon mal nicht die Inhalte aus. Wenn man diese Methode wählt, ist es ratsam, vorher abzuschätzen, wie viel Wörter wohl jede Szene / jedes Kapitel einnimmt, um absehen zu können, ob die Story überhaupt 50000 Worte hergibt oder ob sie vielleicht weit darüber hinausgeht.
Von allzu detaillierten Plänen und Vorbereitungen wird jedoch meistens abgeraten: Wer Monate für die Recherchen gebraucht hat, hat meistens solche Ansprüche an sich aufgebaut, dass wahrscheinlich Schreibhemmungen einsetzen, bevor man sich daran machen kann, seinen Roman zu beginnen.
Chris Baty rät in seinem Buch No Plot? No Problem! sogar dazu, sich über den Plot keine Gedanken zu machen, und dafür umso mehr über die Charaktere. Diese, schaffen sich, laut Chris, ihre Story selbst, wenn sie nur lebhaft genug sind.
Vorbereitungen
Ich habe nicht viele Vorbereitunsgmaßnahmen getroffen und wenn ich jetzt scheitere, kann ich es sicher darauf schieben. In No Plot? No Problem werden einige Vorbereitungsmaßnahmen aufgeführt. Umgesetzt davon, habe ich zum Beispiel den „Magna Charta“-Tipp: Es geht darum, zwei Listen zu entwerfen – auf der einen Liste (Magna Charta I) stehen die Dinge, die mir in Büchern gefallen und auf der anderen Liste (Magna Charta II „the evil twin of Magna Charta I“) stehen die Dinge, die mir in Büchern nicht gefallen.
Indem ich Punkte aus der ersten Liste umzusetzen und alles aus der zweiten Liste zu vermeiden suche, schreibe ich ein Buch, dass ich selbst gerne lesen würde – und so, lautet die Strategie dahinter, sorgt man dafür, dass das Interesse am Buch bestehen bleibt und die Chance, dass man es zu Ende schreibt, sich erhöhen.
Meine Magna Charta I umfasst Dinge wie:
# witzige Erzählweise
# mysteriöse Begebenheiten
# starke Frauen
# wahre Liebe
# Detektive
# Selbstmord und Mord
# schwarzer Humor
# heiße, gut angezogene Männer mit kurzen Haaren
Zum Vergleich ein paar Punkte aus meiner Magna Charta II:
# arroganter Klugscheißer als Erzähler (ich meine nicht, dass der Hauptprotagonist arrogant zu den anderen Figuren ist, sondern, dass er als Erzähler arrogant zu seinen Lesern ist)
# zynische Schlussfolgerungen
# abwegige Assoziationen
# Fantasierassen
# unrealistische Schilderungen von Sadismus, Masochismus und anderen Sexualpraktiken außerhalb der Norm
# Zeitgenössische Krimis mit frustrierten Kommissaren
# Vulgärsprache als Beweis nicht prüde zu sein
# schlecht angezogene Charaktere
Weiterhin habe ich auf etwa fünf Seiten zusammengefasst, was in den einzelnen Kapiteln geschehen soll (allerdings hab ich damit inhaltlich und wortmäßig erst etwa die Hälfte des Buches abgedeckt). Das ging recht schnell (etwas mehr 2 Stunden) und ich bin dadurch schon zu neuen erstaunlichen Ideen gelangt, die mir das Buch noch schmackhafter machen, als es bis jetzt schon ist.
Die nächsten 30 Tage
Ich habe mich vorerst dazu entschieden, täglich mindestens 2000 Wörter zu schreiben. Damit wäre ich nach 25 Tagen fertig. Sollte ich mich natürlich wider Erwartens plötzlich in einem Schreibrausch wiederfinden, werde ich mich durch die 2000 Wörter-Grenze natürlich nicht limitieren. Wenn ich so schnell bin, wie geplant, kann ich mir auch mal einen Tag Erholung erlauben, aber momentan kann ich das noch nicht einplanen. Ich werde versuchen, herauszufinden, wenn ich mal eine Pause brauche und kann dann immer noch entscheiden.
Schreiben werde ich den Roman auf meinem Laptop. Der hat einfach den Vorteil, dass man ihn überall hin mitnehmen kann. Ich bin also nicht auf mein Zuhause beschränkt. Seine Akkulaufzeit beträgt bei aufgeladenem Akku mehr als 4 Stunden, deswegen könnte ich mich theoretisch auch ohne Netzteil aus dem Haus machen. Das ist praktisch, weil ich dann nicht in Schwierigkeiten komme, wenn ich es versehentlich vergesse oder mal keine Steckdose in der Nähe ist.
Meinen Laptop, auch wenn er noch so transportabel ist, werde ich nicht überall hin mitschleppen in den nächsten dreißig Tagen. Noch transportabler als mein Laptop ist mein Notizblock, den ich normalerweise dafür verwende, lyrische Einfälle, Ideen und Gedanken niederzuschreiben. Damit verkleinere ich das Risiko, Einfälle zu vergessen, die ich habe, wenn ich nicht gerade am Schreiben bin.
Chris Baty empfiehlt u.a. für die Romanschreibstunden ein bestimmtes Kleidungs- oder Schmuckstück zu tragen. Etwa einen Hut, ein Cape, eine Kette, bestimmte Stiefel, ein Schal oder eine Sonnenbrille. Durch die „Verkleidung“ tritt man symbolisch in seine geschaffene Welt ein. Ich habe ein schwarzes Tuch, dass ich wahlweise wie ein Bandana oder wie ein Halstuch tragen werde. Eventuell kann ich zwischen den beiden Varianten abwechseln, je nachdem wie es meiner Protagonistin geht oder was sie gerade tut. Mir fällt gerade ein, dass es ganz gut wäre, wenn ich noch ein paar Kopfhörer auftreiben könnte (Auch ein Tipp von Chris Baty). Ich sitze gerade im Zug und ein paar Kiddies lassen aus ihren Handylautsprechern Lordi und Rammstein laufen. Nicht dass ich was gegen Lordi und Rammstein habe, ganz im Gegenteil, aber wenn die Kids etwas anderen Geschmack hätten, könnten sie mich damit ganz schön nerven und ich könnte nichts dagegen unternehmen.
Empfohlen wird auch, das Romanschreiben als Gruppenarbeit anzugehen. Und zwar nicht so, dass mehrere Leute an einem Roman schreiben, sondern dass man sich zusammen trifft, um an seinen eigenen Romanen weiterzuschreiben. Denn wenn man keine Lust hat zu arbeiten, hilft es oft schon, andere Leute an etwas arbeiten zu sehen, was man selbst noch vor sich hinschiebt. Deswegen hab ich eine kurze Anzeige auf der Homepage einer regionalen Zeitung aufgegeben, um zu sehen, ob es noch andere NaNoWriMo-Teilnehmer in meiner Gegend gibt. Allerdings hat sich bisher noch keiner gemeldet. Ich werde also erstmal allein schreiben, eventuell ergibt sich ja noch etwas.
Gegrüßt sei an dieser Stelle eine virtuelle Gruppe: die bisher einzige NaNoWriMo-Gruppe im SchülerVZ „NaNoWriMo-Teilnehmer – Ein Roman in 30 Tagen ist kein Thema!“ die aus jungen AutorInnen besteht.
Ich werde außerdem über Erkenntnisse und Fortschritte über bzw. an meiner Arbeit in diesem Blog posten.
Mein Roman
Eventuell fragt ihr euch schon, worum sich mein Roman drehen wird, ich habe ja auch schon angedeutet, dass es sich bei meiner Hauptfigur um eine sie handelt. Ich werde euch mal einen Teil meiner Story verraten. Noch weiß ich selbst erst die Hälfte meiner Story und außerdem kann sich noch eine ganze Menge ändern, deswegen möchte ich nicht allzu sehr ins Detail gehen (und außerdem wäre es dann langweilig für euch, die ihr meinen Roman sicherlich einmal lesen werdet
).
Es geht um eine Frau mit psychischen Fähigkeiten. Ihr Name ist Erin, sie ist Mitte zwanzig und hat eine Tochter, Emily, die in die Grundschule geht.
Erin hat eine düstere Vorahnung, dass das Ende der Welt näher rückt und tatsächlich findet sie immer mehr Zeichen in ihrer Umwelt, die sie in ihrem Glauben bestärken, dass ein großer entscheidender Kampf naherückt, der den Lauf der Welt komplett umdrehen könnte. Naturkatastrophen brechen ein, sie begegnet Dämonen und immer mehr wird ihr klar, dass sie eine Rolle im Kampf zwischen Gut und Böse einnehmen muss.
Ja, mehr will ich euch noch nicht verraten, wie gesagt. Wenn der Roman gut wird, werde ich ihn veröffentlichen, wenn er schlecht wird, veröffentliche ich ihn eventuell vielleicht trotzdem, mindestens aber die Story… Nur Geduld.
Inspiriert für die Namen der Hauptfigur und ihrer Tochter wurde ich übrigens von Erin Pavlina (und ihrer Tochter Emily), die selbst psychische Fähigkeiten hat – Steve Pavlina (ihr Ehemann) wird übrigens auch einen Auftritt in meinem Roman bekommen (So viel zum Thema, wie man Namen für seine Charaktere findet).
Solltet ihr selbst mal am NaNoWriMo teilgenommen haben und Erfahrungen gesammelt haben oder wenn ihr wie ich dieses Jahr zum ersten Mal teilnehmt, würde ich mich freuen, wenn ihr mir schreibt oder ein Kommentar hinterlasst!
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