News-süchtig?

Das Web 2.0. ist vor allem eines: Aktuell. Schneller als Twitter und manche Newsportale geht es kaum noch, wenn man sich über aktuelle Ereignisse informieren möchte. Durch Social Media Seiten steigt nicht nur die Geschwindigkeit des Newsaustausches, sondern auch die Menge der Nachrichten. Da dort jeder Nachrichten publizieren und verlinken kann, ist die Flut an aktueller Information zu groß, um sie als einzelner Mensch verarbeiten zu können.

Doch selbst selektive Informationssuche kostet Zeit. Da das Internet oft nicht das einzige Medium ist, mit dem sich die meisten Leute informieren, addiert sich die Zeit nochmal. Oft zu nicht geringen Summen. Überleg selbst: Wie viel Zeit verbringst du selbst, aktuelle Informationen aus folgenden Medien aufzunehmen: Internet, Zeitschriften, Zeitungen, Fernsehen? Sind die Nachrichten, die du aufnimmst, deine Zeit wert?

Die meisten Informationen, die wir aufnehmen sind völlig nutzlos. Viele Informationen dienen sogar allein der Unterhaltung: Denk nur mal an sämtliche Promi-Klatsch-Nachrichten. Es ist nichts falsch daran, sich von Medien unterhalten zu lassen, aber glaube nicht daran, dass dir ihre Informationen nützen werden.

Vielleicht hast du nach einer Stunde Feeds aufholen das Gefühl, gut informiert zu sein. Aber hilft dir die Information, die du aufgenommen hast, wirklich weiter? Kannst du dich nach zwei Wochen an die einzelnen Informationen noch daran erinnern? Oder hast du das meiste bereits am nächsten Tag wieder vergessen? Ist die Informationen vielleicht sogar nur einige Stunden oder Tage lang relevant, wie das bei News oft der Fall ist?

Wozu News?

Wenn du Informationen vergisst, liegt das in den meisten Fällen nicht daran, dass du ein schlechtes Gedächtnis hast, sondern daran, dass die Informationen dir nicht wichtig oder relevant genug für dich sind. Einen großartigen Film vergisst du nicht so leicht, wie einen durchschnittlichen. Informationen über einen geliebten Menschen prägen sich leichter ein, als Informationen über jemand beliebigen. Wenn du dich zwei Wochen später nicht mehr an einen Artikel erinnern kannst, den du gelesen hast, spricht das nicht gerade für die Qualität oder Relevanz eines Artikels.

Wenn du auf den News-Zug aufgesprungen bist, kommt dir die Idee, einfach abzuspringen, vielleicht sinnlos und schmerzhaft vor. Sobald du auf dem festen Boden aufgetroffen bist, fährt der Zug in rasender Geschwindigkeit davon und es dauert ewig, wieder aufzuholen. Aber warum überhaupt versuchen, aufzuholen?

Was bringt es dir eigentlich, zu wissen, was der Bundesfinanzminister gesagt hat (oder wie er heißt)? Was bringt es dir persönlich, zu wissen, welche Musik gerade angesagt ist? Was bringt es dir, alle neuen Gadgets zu kennen? Was bringt es dir, jede neue Serie gesehen zu haben? Was ändert sich in deinem Leben und in dem Leben anderer dadurch, dass du bescheid weißt?

Ein Beispiel von mir: Es gibt nur sehr wenige Bereiche, in denen News für mich relevant sind: Hauptsächlich informiere ich mich über die Entwicklungen des Musikbusiness sowie über die Entwicklungen des Internets (soweit es eben hilfreich für meine Aktivitäten ist). Dafür brauche ich vielleicht 1-2 Stunden pro Woche. Daneben versuche ich möglichst auf dem Laufenden mit einiger meiner Lieblingsregisseure, -Bands, -Blogger, -Serien zu bleiben. Das macht ungefähr 1-2 Stunden im Monat. Und das war’s auch schon. Aktuelle Politik, Katastrophen, gesellschaftliche Diskussionen, Sport- und Kulturereignisse, Prominachrichten und Wissenschaftserkenntnisse stehen seit langem nicht auf meiner täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Speisekarte und ich vermisse sie kein bisschen.

News-Entzug

Eine Zeit lang habe ich regelmäßig bestimmte Blogs gelesen. Ich hatte mir dazu sogar einen Feedreader heruntergeladen, um die Menge an Nachrichten verwalten zu können. Und so landete ein Feed nach dem anderen in meinem Feedreader. Schon nach wenigen Wochen merkte ich allerdings, dass ich immer mehr Zeit mit dem Aufholen von Nachrichten verbrachte. Es begann mich sogar ein wenig zu ärgern, wenn ich über mehrere Blogs oft die selben Nachrichten empfing, weil diese dann ja offensichtlich meine Zeit mit ihren Doppelnachrichten verschwendeten.
Die einzige Person, die meine Zeit verschwendete, war natürlich ich. Kurz darauf beschloss ich, meinen Feedreader nicht mehr zu öffnen. Die wenigen Blogs, die für mich wertvolle Inhalte liefern, konnte ich mir sowieso merken. Da diese Blogs viele zeitlos wertvolle Informationen bieten, brauchte ich neue Posts auch nicht sofort nach dem Erscheinen zu lesen. Die allermeisten haben eine Relevanz von mehreren Monaten bis hin zu mehreren Jahren, und einige wohl bis zum Aussterben des physischen Lebens.

Dass mich diese aktuellen Informationen fast alle unberührt lassen, habe ich erst gemerkt, als ich den krassen Kontrast zuließ. Wenn du „nur“ eine halbe Stunde täglich mit dem Aufholen von News verbringst, mag es dir nicht so vorkommen, als würdest du deine Zeit verschwenden. Nachdem du plötzlich zwei Stunden täglich damit verbringst, merkst du vielleicht, dass nicht nur die zusätzlichen anderthalb Stunden Zeitverschwendung waren, sondern dich bereits die erste halbe Stunde nicht weitergebracht hat.

Um die Auswirkungen, die dein aktueller Medienkonsum auf dich hat, zu testen, kann es deswegen sehr wirksam sein, deinen Medienkonsum einmal ganz einzustellen oder stark zu reduzieren.
Finde heraus, welche Informationen du wirklich unbedingt brauchst und welche nicht. Dann konsumiere einen Monat nur die Informationen, die wirklich wichtig für deinen Alltag sind. Wenn du am Ende des Monats angekommen bist, wirst du wahrscheinlich eine viel genauere Vorstellung davon haben, was wichtig für dich wirklich ist und was bestenfalls als Unterhaltung gelten kann.

Die Zeit, die du ohne News verbringst, kannst du unter anderem dazu nutzen, Information zu konsumieren, die relevant für dich ist. Statt den Diät-Teil eines Magazins zu überfliegen, könntest du ein Buch über gesunde Ernährung lesen. Statt den Lebenstipps aus einer Zeitung deine Aufmerksamkeit zuzuwenden, könntest du ein philosophisches Buch über Glück lesen.

Soziales

Ein Nachteil mag sich aus dem News-Entzug ergeben: Du wirst dich mit manchen Menschen nicht mehr so gut unterhalten können. News sind eben ein Thema mit dem man relativ leicht ins Gespräch kommt und dass sich gut behandeln lässt, ohne tiefgründig werden zu müssen. Wenn du sich ohnehin lieber auf einer tiefgründigen Ebene austauschst, wirst du die News-Gespräche aber vermutlich kaum vermissen. Und wenn du die Zeit, die du ohne News verbringst, dazu nutzt, dich über die Dinge zu informieren, die für dich wirklich zählen, wirst du das Aktualitätsdefizit mehr als wettmachen können.

Veröffentlicht am Mittwoch, den 7.April 2010

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One Response to News-süchtig?

  1. assrg says:

    Danke!!! [füller:................]

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