Raus aus der Komfortzone
Wenn du schon mal etwas bewusst in deinem Leben verändern wolltest, bist du eventuell bereits auf folgendes Problem gestoßen: Sich zu ändern ist schwierig, weil es komfortabler ist, sich nicht zu ändern.
Herumzusitzen ist komfortabler als zu arbeiten. Sich zu langweilen ist komfortabler als sich zu entscheiden. Auf den Tod zu warten ist komfortabler als zu leben.
Dass etwas komfortabler ist, heißt allerdings nicht, dass es die bessere Wahl ist. Wenn du etwas ändern willst, musst du deinen Komfort oft erstmal hinter dir lassen. Du musst nachdenken, du musst dich entscheiden und du musst schließlich handeln – und das alles außerhalb deiner Komfortzone.
Deine Komfortzone ist der Platz, wo du dich wohlfühlst. Dabei ist nicht ein bestimmter physikalischer Platz gemeint wie dein Wohnzimmer (obwohl das auch eine Art Komfortzone ist), sondern eine Art imaginärer Raum in deiner Psyche. Er umfasst alle Tätigkeiten, für die du keine innere Barriere überwinden musst, um sie zu tun.
Solche Tätigkeiten sind oft Dinge, die du gewohnheitsmäßig tust oder so oft getan hast, dass sie kein Hindernis mehr für dich darstellen. Etwa: einkaufen gehen, lesen, Zähne putzen, Schuhe binden, Musik hören, zur Arbeit gehen.
Wenn du dich änderst, brichst du in neue Weiten auf. Du eroberst ein neues Gebiet deines Lebens und deiner Persönlichkeit. Du entdeckst neue Dinge über dich, findest Sachen über die Welt heraus und sammelst Erfahrungen. Deine neuen Entdeckungen können zuerst seltsam, verwirrend oder sogar unangenehm sein. Das liegt darin, dass sie noch nicht in deiner Komfortzone liegen. Du hast noch keinen Komfort mit diesen Dingen gefunden.
Wenn du deine Komfortzone verlässt, kannst du dir das so vorstellen, als würdest du, nachdem du dein Leben lang mit Schuhen herumgelaufen bist, anfangen barfuß zu laufen. Anfangs fühlt es sich seltsam an, du merkst zum ersten Mal, wie rau das Pflaster ist, trittst auf kleine Steinchen, nach kurzer Zeit tun deine Füße vielleicht sogar ziemlich weh. Wenn du aber lange genug barfuß gelaufen bist, gewöhnst du dich an die neuen Gefühle. Eine Hornhaut entsteht und das Barfußlaufen fühlt sich normal und bequem an. Nun kannst du ohne Probleme barfuß laufen. Du hast deine Komfortzone erweitert.
Komfortzone erweitern
Die Komfortzone ist ein toller Ort, um sich aufzuhalten. Es ist dort bequem und sicher. Allerdings ist es in der Komfortzone ziemlich eng: Alle Ängste, mit denen du dich konfrontieren möchtest und alles Neue, was du erleben möchtest, liegt außerhalb deiner Komfortzone. Sogar viele Dinge, die du nicht routiniert tust oder noch nicht oft genug getan hast, liegen außerhalb deiner Komfortzone.
Du kannst dir die Komfortzone wie einen Kreis vorstellen, der um dich herum gezogen ist. Innerhalb des Kreises ist es bequem und sicher, dafür sind deine Erfahrungen und Möglichkeiten aber begrenzt. Den Kreis zu verlassen bedeutet zwar neue, aufregende Dinge zu erleben, aber auch unbequeme Gefühle.
Eine Möglichkeit ist es, dich mit der Enge der Zone abzugeben und dich nur ab und an rauszuwagen, wenn es unbedingt nötig ist oder wenn du unbedingt willst. Das kann allerdings ziemlich langweilig und eintönig sein. Indem du dich von deiner Komfortzone begrenzen lässt, nimmst du dir außerdem deine Freiheit, zu tun was du willst, und wirst langsam schwächer, da du dich nicht mehr mit neuen Herausforderungen stärkst.
Aber du hast auch noch eine andere Möglichkeit: Du kannst deine Komfortzone erweitern. Du machst den Kreis um dich herum einfach größer. Damit hast du mehr Bewegungsfreiheit und gleichzeitig mehr Komfort.
Um deine Komfortzone zu erweitern, musst du sie allerdings erstmal verlassen. Du musst nicht gleich in ganz neue Gefilde aufbrechen, für den Anfang reicht es, wenn du einen Schritt nach draußen tust und dich erst einmal umsiehst: Zieh deine Schuhe aus und mach den ersten barfüßigen Schritt. Wie fühlt es sich an? Kannst du noch einen Schritt wagen?
So tastest du dich langsam vor und machst neue Erfahrungen außerhalb deiner Komfortzone. Um allerdings dauerhaft mit einer neuen Tätigkeit in deinem Komfortbereich zu sein, musst du oft mehr tun, als sie nur einmal auszuprobieren.
Das hat mit deinem Unterbewusstsein zu tun. Dein Unterbewusstsein hat die Aufgabe, möglichst viele Prozesse zu regeln, die automatisch ablaufen können, so dass dein Bewusstein frei ist für die wichtigen Dinge.
Daher musst du beispielsweise, wenn du dir die Schuhe bindest nicht jede Bewegung aus dem Gedächtnis hervorrufen und darüber nachdenken, sondern kannst es deine Hände automatisch machen lassen, ohne darüber nur einen Gedanken zu verlieren.
Dein Unterbwusstsein ist allgemein für Gewohnheiten zuständig. Um eine Gewohnheit in deinem Unterbewusstsein zu verankern brauchst du allerdings einen großen Kraftaufwand. Du musst immer und immer wieder das gleiche tun, damit dein Unterbewusstsein schließlich das Steuer übernehmen kann.
Wenn deine Tätigkeit einen festen routinierten Platz in deinem Unterbewusstsein hat, ist sie in deiner Komfortzone. Um deine Komfortzone zu erweitern, musst du also neue Tätigkeiten und Erfahrungen in deinem Unterbewusstsein fest veranken.
Das machst du, indem du die Tätigkeiten immer wieder ausführst und die Erfahrungen immer wieder erlebst. Lerne dir einen neuen Bereich für deine Komfortzone wie eine Vokabel an: Wiederhole und übe solange, bis es sitzt.
Wenn du dich nicht wohl dabei fühlst, fremde Leute anzusprechen, spreche so viele fremde Leute an, bis es dir nichts mehr ausmacht. Wenn du Angst davor hast, dich zu blamieren, mach so viele ungewöhnliche Dinge vor anderen Leuten, bis die Angst weg ist.
Angst
Ein guter Wegweiser, um deine Komfortzone zu erweitern, sind deine Ängste. Dort wo sich eine Angst offenbart, hast du die Chance, deine Komfortzone zu erweitern.
Anstatt vor deiner Angst wegzurennen, renne auf sie zu, sag ihr hallo und umarme sie. Danke ihr dafür, dass sie dich darauf aufmerksam macht, wo du deine Komfortzone noch erweitern kannst. Wenn du aus deiner Komfortzone herauswillst, musst du ihr ja doch irgendwann begegnen.
Zu lange in der selben kleinen Komfortzone herumzusitzen, macht dich schwach und damit noch ängstlicher. Mach es dir deswegen zur Gewohnheit, deine Komfortzone ständig zu erweitern. Es gibt immer eine kleine Angst, der du begegnen kannst. Du kannst ständig etwas neues ausprobieren und sehen, ob es sich lohnt, es in deine Komfortzone mit aufzunehmen.
Du brauchst nicht jeden Tag einen inneren Dämon zu besiegen, aber mach die Herausforderung der Komfortlosigkeit ruhig zu deinem Alltag. Dein Leben ist damit nicht nur spannender, sondern auch weniger erfüllt von Angst. Wenn du geübt bist, dich kleinen Herausforderungen zu stellen, können dir auch größere Herausforderungen bald nicht mehr so viel ausmachen. Genau wie jemand, der Kampfsport betreibt, brauchst du auch regelmäßig Training, um deinen Gegner zu schlagen: deine Angst.
Indem du die Erweiterung deiner Komfortzone zu deiner Aufgabe machst, übernimmst du die Verantwortung für deine Ängste und für deine Kraft. Das musst du sowieso irgendwann. Warum also nicht jetzt gleich?
Veröffentlicht am 18.April 2009
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Weil es bequem ist in der Komfortzone in der ich stecke!
Kommentare by Bonafilia — April 19, 2009 @ 7:17 am
ich liebe meine komfortzone. das ist es bequem und ich fühle mich wohl.
Kommentare by shibumi — April 19, 2009 @ 1:48 pm
Hallo,
Wenn sich mehr Leute ihren Ängsten stellen würden, dann wäre unsere Welt ein sehr viel lebenswerterer Platz. Daher habe ich angefangen Möglichkeiten zu sammeln, um die eigene Komfortzone zu verlassen. Daraus ist dann ein Forum entstanden, in dem sich Leute gegenseitig dabei unterstützen, Ideen einbringen und vin Ihren Erfahrungen berichten. Auch in meinem Blog berichte ich immer wieder über meine Erlebnisse beim Verlassen meiner Komfortzone. Vielleicht findest Du ja da Anregungen. Viel Spaß Sascha Ballach
erstmal vielen Dank für den schönen Artikel. Ich beschäftige mich jetzt auch schon länger mit der Komfortzone und damit wie man sie verlassen kann und habe festgestellt, dass es sehr wichtig ist regelmäßig seine Komfortzone zu verlassen. Irgendwann wird es dann zu einer Gewohnheit. Du erkennst sofort ob Du etwas nicht machst, weil Du nicht Deine Komfortzone verlassen willst. Dann musst Du es nur erst Recht machen und schon bekommt Dein Leben noch mehr Schwung.
Kommentare by Raus aus Deiner Komfortzone — April 20, 2009 @ 10:33 am
@shibumi + @Bonafilia: Los! Raus da!
@Sascha: Vielen Dank für den Kommentar und den Link! Ich bin sowieso gerade auf der Suche nach Mitstreitern.
Kommentare by ALICE — April 20, 2009 @ 3:46 pm
[...] es weh tun, manchmal muss wieder ein Schritt weiter heraus aus der von Alice so genial formulierten Komfortzone gewagt werden. “No Risk, No Fun”. Kein Druck, keine Probleme, es sind Herausforderungen [...]
Pingback by Glück, Veränderungen und Herausforderungen - Tagebuch, Monaten, Kerl, Konsequenz, Dinge, Also - medioman — April 24, 2009 @ 8:57 am
[...] u.a. ihre Artikel “Zerstreuungen eliminieren” und der vor kurzem erschienene “Raus aus der Komfortzone” sehr nachdenklich gemacht und mich wirklich in meinem eigenen Denken und Handeln [...]
Pingback by Alice Hive - Alice, Entwicklung, können, Texte, Kreativität, über - medioman — April 25, 2009 @ 8:34 am
Hi Alice,
dein Artikel ist wirklich sehr anschaulich und hat mich genau im für mich passenden Moment erreicht.
Ja, ich sitze gerade in dieser Zone und finde es sehr gemütlich dort – obwohl ich eigentlich weiss das es mir nicht gut tut und ich da raus muss!
Darum – auf auf und weitermachen!
Ich freue mich schon darauf weiter in deinem Blog zu lesen!
MfG
Désirée
Kommentare by Désirée — April 28, 2009 @ 1:56 pm
@Désirée: Danke für das Lob. Freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat.
Kommentare by ALICE — April 28, 2009 @ 5:12 pm
[...] andere wirken könnte, kann das Barfußlaufen als eine gute Übung sehen, die eigene Komfortzone zu erweitern. Wirklich negative Reaktionen habe ich selbst nicht erlebt, auch nicht, wenn ich in [...]
Pingback by » Barfuß laufen — July 26, 2009 @ 1:13 am
[...] in Arbeit 24 Gastartikel: Ideen für Blogartikel finden 20 Neues Gedicht “Pro” 18 Raus aus der Komfortzone 17 Vergänglichkeit 11 Songwritingblogs und Webseiten 09 Prinzipien und Gedankenmodelle 02 [...]
Pingback by » Archiv — November 6, 2009 @ 10:27 pm
Ist das wirklich positives Denken, wenn man glaubt, man müsse die Komfortzone verlassen. Wärs nicht besser, die Sichtweise einzunehmen, dass man die Komfortzone erweitert ?
Kommentare by Positiv Denken Komfort-zon-ist — February 15, 2010 @ 12:44 pm
@Kommentator Nr.11: Erzähl mal: Wie würdest du das anstellen?
Kommentare by ALICE — February 15, 2010 @ 2:30 pm