Songparts und ihre Funktionen
Veröffentlicht am 4.November 2008
Jeder Song ist aus verschiedenen Teilen aufgebaut, die meistens in einer bestimmten Reihenfolge aufeinander abfolgen. Manche Songparts eines Liedes werden wiederholt, andere kommen nur einmal vor. Um zu verstehen, wie die Songparts und damit der Songaufbau mit deinem Text und deiner Melodie zusammenhängen, ist es wichtig zu wissen, welche Funktion die einzelnen Songparts haben.
Intro
Mit dem Intro beginnt der Song, deswegen hat es die Funktionen, den Hörer musikalisch in den Song einzuführen. Du bereitest den Hörer quasi auf die Stimmungen und Melodien vor, die darauf folgen. Es ist deswegen ratsam, Stimmung und Atmosphäre des Intros dem restlichen Song anzupassen.
Einen Text brauchst du in diesem Songteil noch nicht zu verwenden. Ein kurzer instrumentaler Part reicht vollständig. Rapper verwenden das Intro aber oft dazu, das Publikum und ihren Gegner (Battelrap) zu begrüßen, und sich vorzustellen.
Die meisten Intros dauern zwischen 3 und 30 Sekunden. Allerdings wirst du feststellen, dass Radiohits eher zu kürzeren Intros tendieren. Im Metall und im progressiven Rock findet man dafür längere und sehr abwechslungsreiche Intros, die bei langen Stücken teilweise sogar über einige Minuten gehen („Octavarium“ – Dreamtheater).
Intros sind nicht obligatorisch, aber sehr weit verbreitet. Wenn du eine starke erste Strophe hast, kannst du auch damit anfangen („Drain You“ – Nirvana).
Strophe
Strophen haben die Funktion, die Situation der lyrischen Hauptperson zu schildern oder eine Geschichte zu erzählen. Strophen können im Gegensatz zum Refrain den Inhalt sehr detailliert darstellen. Die meisten Strophen dauern etwa 15-30 Sekunden lang.
1.Strophe
Während das Intro eine musikalische Einführung der Songs darstellt, wird der Hörer in der ersten Strophe mit dem Inhalt des Songs bekannt gemacht. Die allgemeine Situation wird beschrieben, und falls der Inhalt eine Geschichte erzählt, findet man in der ersten Strophe auch den ersten Teil der Geschichte. Der Hörer bekommt einen ersten inhaltlichen Eindruck vom Song, ohne jedoch zu viel zu erfahren.
Wichtig in der ersten Strophe ist es, im Hörer die Lust nach mehr zu wecken. Das geht am besten, indem du sowohl in der Musik als auch im Text eine Spannung aufbaust. Ein provozierender erster Satz oder eine Frage am Ende der ersten Strophe, die nach einer Antwort verlangt, können eine spannende Wirkung erzielen.
2., 3., 4., …Strophe
Alle anderen Strophen sollten sich vom Textaufbau an der ersten Strophe orientieren. Zum Beispiel kannst du Stilmittel verwenden, die du in der ersten Strophe schon verwendet hast. Wenn du in der ersten Strophe Fragen stellst, frag in der zweiten Strophe weiter („Ist das so?“ – Wir Sind Helden). So hat der Hörer den Eindruck ein zusammenhängendes Lied zu hören, anstatt einer Aneinanderreihung von zufälligen Textfragmenten.
Wenn du eine Geschichte erzählst, ist es jetzt Zeit, sie weiterzuerzählen. Manchmal werden in zwei verschiedenen Strophen sogar zwei verschiedene Geschichten erzählt („Krankenhausreif“ – Fettes Brot).
Ab der zweiten Strophe kannst du dich entweder versuchen, die Spannung zu halten, die du in der ersten Strophe gebaut hast und den Text dafür inhaltlich vertiefen, oder du kannst die Spannung noch erhöhen, indem du zum Beispiel deine Worte drastischer wählst oder die Situation, in der sich das lyrische Ich befindet, verschlimmerst.
Prechorus
Der Prechorus, ist der Teil, der sich zwischen Strophe und Refrain befindet (also vor dem Chorus). Seine Funktion ist es, einen eleganten aber spannenden Übergang von der Strophe zum Refrain herzustellen. Nicht selten ist er wesentlich kürzer als die Strophen, und kann sogar auf einen einzigen Satz reduziert sein („Given Up“ – Linkin Park).
Der Prechorus stellt meistens eine Spannungssteigerung da. Oft hat man im Prechorus andere Akkorde als in den Strophen, um die Spannung vor dem Refrain noch mal zu erhöhen („Let Love Be Your Energy“ – Robbie Williams).
Inhaltlich bringt der Prechorus erst mal nichts neues. Auch Geschichten werden hier meistens nicht weitererzählt, da der Prechorus bei seinen Wiederholungen meistens denselben, zumindest aber einen sehr ähnlichen Text hat („Numb“ – Linkin Park).
Der Prechrous ist wie das Intro nicht obligatorisch. Außerdem findet man ihn nicht in allen Stilrichtungen. Im Hip Hop und Rap fehlt der Prechorus zum Beispiel sehr häufig (da man hier keinen Gesang hat, bringt ein Akkordwechsel relativ wenig für die Spannung).
Refrain
Der Refrain, oft auch Chorus genannt, ist der wichtigste Songpart. Von ihm geht alles aus und auf ihn führt alles zurück.
Im Chorus befindet sich die zentrale Botschaft deines Textes. Das heißt vor allem: Kein Herumreden mehr um den heißen Brei. Oft ist der Refrain sehr direkt mit seiner Botschaft („all I want to do / is be more like me / and be less like you“ – “Numb” – Linkin Park). Selbst wenn man hier nicht so direkt wird, ist dies der Ort, wo du deine Message in konzentrierter Form unterbringen musst. Was austauschbar und nicht essentiell ist, gehört nicht in den Refrain. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche, wird dein Refrain auch verallgemeinert. Dadurch können sich mehr Leute mit dem Thema identifizieren.
Textlich gesehen geht es im Refrain trotzdem darum, Aufmerksamkeit zu erwecken. Wenn du dich von anderen Songs absetzen willst, braucht dein Refrain originelle Textideen, sogenannte „Hooks“, die sofort ins Ohr gehen. Abgewandelte Sprichwörter und Redensarten, sowie Neologismen (Wortneuerfindungen) bieten sich hier besonders an.
Oft befindet sich der Songtitel im Refrain in gut hörbarer Stellung. Wenn du noch keinen Songtitel hast, kannst du nach einem Wort suchen, dass sich für deine Message eignet und gleichzeitig im Refrain eine zentrale Rolle spielt.
Der Refrain wird manchmal jeweils nur einmal gespielt, manchmal doppelt, oft auch erst beim letzten Mal noch mal angehängt. Das ist von Lied zu Lied sehr verschieden und hängt oft von der Refrain- und der Songlänge im Allgemeinen ab. Ein kurzer Refrain bietet sich zum Wiederholen natürlich eher an als ein langer.
Der Refrain ist immer der kraftvollste Teil des Songs und wiederholungsintensivste. Innerhalb des Refrains wiederholen sich Melodien oft noch stärker als im gesamten restlichen Song. Einen guten Song wird man dank seines Refrains wiedererkennen, deswegen findet man hier oft die typischen „Ohrwrummmelodien“.
Wenn vorher ein Spannungsaufbau stattgefunden hat, entlädt sich dieser ebenfalls im Refrain. Das ist auch der Grund, warum man sich so oft auf diesen Teil des Songs freut.
Bridge
Die Bridge hat im Song eine besondere Stellung. Sie hebt sich von den anderen Songparts ab und genau das ist auch seine Funktion: Abwechslung. Nachdem man sich die ersten zweieinhalb wiederholungsintensiven Minuten eines Songs angetan hat (Strophe – Refrain – Strophe – Refrain), stößt man nun auf einen Teil, der dem Song noch mal eine andere Note gibt.
Oft wird in der Bridge das Thema aus einer neuen Perspektive betrachtet, es werden Gefühle geschildert, die vorher nicht zur Geltung gekommen sind, es werden teilweise neue Informationen gegeben, die einen das bisher gesagte neu betrachten lassen – manchmal nimmt der Song hier eine überraschend gute oder schlechte Wendung oder es gibt eine Pointe.
Genauso wie sich der Inhalt ändert, ändern sich in der Bridge oft die Harmonien, teilweise gibt es auch Arrangementänderungen. Gesangsmelodien ändern sich in der Bridge fast immer.
Die Bridge wird in einigen Musikrichtungen (etwa New Metal) auch als Höhepunkt des Songs verwendet („One Step Closer“ – Linkin Park). Dort gibt es dann Gefühlsausbrüche auf die man in den anderen Songparts bewusst verzichtet hat. Die Bridge unterscheidet sich dann meistens grundlegend vom Rest des Songs.
In einigen Genres ist ein instrumentaler Bridge nicht ungewöhnlich. Im klassischen Rock befinden sich Gitarrensoli zum Beispiel sehr gerne in der Bridge.
Outro
Das Outro ist das Gegenstück zum Intro, ist also der Songteil mit dem der Song abschließt. Outros sind nicht so häufig wie Intros, vor allem nicht bei moderner Pop- und Rockmusik oder dauern häufig nur wenige Sekunden.
Das Outro hat den Sinn, den Song ausklingen zu lassen und zu verhindern, dass er zu abrupt endet. Im Idealfall möchte man nach dem Outro den Song noch mal hören. Deswegen kann es von Vorteil sein, Intro und Outro aus dem selben Material zu basteln.
In seltenen Fällen führt ein neues Melodiethema vom Song komplett weg. Dies kann aber als Methode dienen, um zwei Songs von einem Album zu verbinden („Shadows Of The Day“ – „What I’ve Done“ – Minutes To Midnight, Linkin Park). Dann können Outros oft lange werden und eine langsame Arrangementveränderung durchmachen.
Auf Radiosingles werden diese Art von Outros aber in den meisten Fällen abgeschnitten.
Instrumentals
Neben Intro, Outro und Bridge, können in einem Song auch noch andere instrumentale Parts eingeführt werden. Sehr gängig sind Instrumentals direkt nach dem ersten Refrain. Es bietet sich aber auch grundsätzlich an, an den Refrain noch einen instrumentalen Teil anzuhängen („In The Shadows“ – The Rasmus).
Während es in manchen Genre üblich ist, viele Instrumentals zu haben (etwa Metal und Electro), ist es im Pop und Rock eher unüblich. Dort sind instrumentale Teile meistens nur wenige Sekunden lang, um den Songfluss- und die Struktur nicht zu unterbrechen.
Das waren alle wichtigen Songparts. Jetzt, wo du weißt, welche Songteile welche Funktionen haben, kannst du dir aneignen, Texte und Melodien zu schreiben, die zu ihren jeweiligen Funktionen passen. Damit erhältst du einen strukturierteren, logischeren Song, dem deine Hörer gut folgen können.
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[...] Songparts und ihre Funktionen – bei Alice [...]
Pingback by Songparts « Silbersturms Blog — December 4, 2008 @ 7:58 pm
Hey, danke für diesen netten Kurs
Ab jetzt werd ich Musik anders hören….
Kommentare by Rose — December 8, 2008 @ 7:45 pm
Einspruch:
Instrumentals sind aber im Rock schon sehr weit verbreitet, insbesondere Gitarrensoli finden sich doch in fast jedem Rocksong, z.B. bei Deep Purple.
LG, Chris.
Kommentare by orm — February 21, 2010 @ 10:57 pm
@orm: Siehe “Bridge”. Instrumentale Parts neben der Bridge mögen in bestimmten Rockgenres verbreitet sein, in vielen ist es das aber auch nicht (Pop-Rock, Punkrock, Grunge, New Metal, Alternative Rock…).
Kommentare by ALICE — February 21, 2010 @ 11:15 pm
Hi Alice,
Dein Hinweis auf die Bridge ist korrekt. Ich habe – für mich – die Bridge als ein kurzen Übergangsteil definiert, also im eigentlichen Sinn des Wortes.
Was anderes:
Gibt es eigentlich eine Bezeichnung für das Thema, die Haupt-Intrumental-Melodie. Also ein Intrumentalpart, der das Stück charakterisiert, aber weder der Strophe noch dme Refrain ähnelt. Beispiel I can get no (Stones) oder Smoke on the Water (Deep Purple).
LG, Chris
Kommentare by orm — February 21, 2010 @ 11:29 pm
@orm: Ich weiß, was du meinst, allerdings kenne ich selbst leider auch keinen Begriff für solche Parts. Hm…
Kommentare by ALICE — February 21, 2010 @ 11:33 pm