Songwriting Crashkurs

Veröffentlicht am: 6.Oktober 2008

Wenn du mal gerne einen Song schreiben würdest, aber keine Vorstellung davon hast, wie man das anstellt, bist du in diesem Tutorial genau richtig. Hier werden dir die absoluten Basics erklärt. Du wirst hier ein paar Songwriting-Regeln und –Tipps kennen lernen, an die du dich auf deinem Weg durch deinen ersten Song halten kannst.

Struktur

Zuerst ist es wichtig, zu wissen, wie ein Song aufgebaut ist.
Eine einfache und sehr populäre Aufbauweise ist die folgende:

Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Strophe – Refrain

Ob du nun mit der Musik oder dem Text anfangen möchtest, spielt eigentlich keine Rolle. Das ist mehr oder weniger Gewöhnungssache. Du kannst sogar beides parallel machen. Da ich meistens mit der Musik anfange, erst einmal dazu:

Musik

Die Gesangsmelodie

Am leichtesten beginnt man als Anfänger mit der Gesangsmelodie. Such dir einfach einen Songteil aus und erfinde dazu eine Melodie. Du kannst Melodien erfinden, indem du improvisierst. Dazu brauchst du kein Instrument. Deine Stimme genügt voll und ganz. Sing einfach vor dich hin, bis du merkst, dass du eine schöne Melodie gefunden hast. Für den Fall, dass du doch ein Instrument spielst, kannst du auch auf deinem Instrument improvisieren. Also einfach ein paar Tasten anschlagen oder ein paar Seiten zupfen, bis du etwas gefunden hast, dass du dir für deinen Song verwenden möchtest.

Wenn du eine gute Melodie oder eine gute Teilmelodie gefunden hast, musst du das Ergebnis noch irgendwie festhalten. Dieser Schritt ist sehr wichtig, denn wenn du dich nicht 100%ig auf dein Gedächtnis verlassen kannst, ist die Melodie spätestens nach dem nächsten Song, den du hörst, aus deinem Kopf verschwunden.

Wenn du Noten lesen und schreiben kannst, kannst du deine Melodie gleich auf den Notenlinien notieren. Falls du dir damit schwer tust, ist es am besten, deine Melodie hörbar aufzunehmen.

Um Musik aufzunehmen genügt ein herkömmlicher Kassettenrekorder mit Recordfunktion. Ebenfalls möglich ist die Melodieaufnahme mit einem Headset, einem Mp3-Player mit Aufnahmefunktion oder einem Mikrofon, das du an den Computer anschließt (dann benötigst du allerdings ein Aufnahmeprogramm). Wenn du ein Diktiergerät hast, kannst du auch das benutzen. Der Vorteil eines Diktiergerätes oder eines Mp3-Players ist der selbe Vorteil wie der deiner Stimme: Beide sind mobil.
Wenn du also deine Melodie und dein Aufnahmegerät hast (und du geprüft hast, ob dein Aufnahmegerät funktioniert), drücke auf Record und singe oder spiele deine Melodie ein.
Wenn du einen Fehler beim Einspielen oder Einsingen machst, wiederhole den Vorgang. Auf Perfektion kommt es in diesem Schritt aber nicht an. Stell dir deine Aufnahme einfach als musikalischen Notizzettel vor, der dafür gedacht ist, dich an deine Melodien zu erinnern.

Wenn du die Melodie für einen Teil des Songs geschrieben hast, wiederhole den Vorgang für die anderen Teile. Denk aber schon mal daran, dass die Teile ja am Schluss zusammenkommen und dass es von Vorteil ist, wenn diese dann stimmungsmäßig zueinander passen. Sonst hört sich dein Song am Ende nicht wie ein Song, sondern wie verschiedene Einzelstücke an, die aneinander gereiht sind (ein Song ist mehr als die Summe seiner Teile ;) ). Aber das gehört schon eher in den fortgeschrittenen Bereich…

Harmonien

Wenn du alle Melodien zusammenhast, brauchst du die Akkorde, die dafür sorgen werden, dass deine Gesangsmelodie auch begleitet werden kann.
Eventuell hast du schon im Kopf, wie die Harmonien aussehen sollen, auch wenn dir das vielleicht so nicht bewusst ist. Um herauszufinden, welche Harmonien passen, oder wie sich das anhört, was du dir vorstellst, brauchst du am besten ein Instrument. Wenn du selbst keines spielen kannst, kannst du auch einen Instrumentalisten fragen. Am besten eignen sich dabei Keyboard, Klavier und Gitarre.

Anhand deiner erfundenen Melodie ist es nun deine Aufgabe, herauszufinden, welche Akkorde dazu passen. Dazu musst du nicht viel über Musiktheorie wissen. Es genügt zu wissen, was Akkorde sind. Singe, pfeife oder spiele deine Melodie ab und versuche dabei Akkorde zu finden, die dazu passen. Falls es dir mit Akkorden zu kompliziert ist, genügen für den Anfang auch einzelne Töne. Du kannst später immer noch Töne ergänzen.
Wenn du weißt, wie man Akkorde notiert, schreibe sie dir sofort auf. Ansonsten lasse sie dir von jemandem aufschreiben. Wenn du einzelne Töne anstatt von Akkorden hast, kannst du sie auch leicht in ein Aufnahmegerät einsingen oder einspielen.

Wenn du mit Harmonien, Akkorden und dergleichen überfragt bist, bitte jemanden darum, dir dabei zu helfen. Ein geübter Instrumentalist kann dir passende Akkorde vorschlagen und dir dabei helfen, deine Ideen umzusetzen. Eventuell gefällt dir eine bestimmte Harmonie in einem anderen Lied und möchtest diese in deinem Lied einbauen? Dann spiel das Lied deinem Instrumentalisten vor und er kann versuchen, ihn in deinem Lied umzusetzen.

Arrangements

Das Arrangement gehört heutzutage gar nicht mehr so sehr zur Aufgabe des Komponisten, sondern wird oft von den Produzenten vorgenommen bzw. überarbeitet. Da du aber bei deinem ersten Song vermutlich noch keinen Produzenten hast und es immer gut ist, sich etwas auszukennen, solltest du diesen Teil nicht überspringen.

Du weißt nun, wie gesungen wird und du weißt, wie die Begleitung aussieht.
Nun musst du dich um das Arrangement deines Songs kümmern. Das Arrangement bestimmt, welche Instrumente in deinem Song vorkommen, was sie genau spielen und wie die Rhythmik aussieht. Welches Arrangement du wählst, hängt wohl zum Großteil vom Genre ab. Eine einfache Ballade kommt schon mit einer Gitarre und Gesang zurecht, während du dich bei einem Rocksong schon um eine ganze Band kümmern musst.

Im Prinzip brauchst du, um das Arrangement zu erstellen, eine Menge Instrumente, damit du austesten kannst, was am besten klingt. Hier sind wieder die Instrumentalisten gefragt: Bitte sie, deine Akkordfolgen einmal durchzuspielen. So hörst du, wie sich deine Begleitung mit verschiedenen Instrumente anhört.

Außerdem können Instrumentalisten deine Akkorde variieren und einen Rhythmus daraus erstellen. Gerade beim Arrangement kann es helfen, sich an anderen Songs zu orientieren, deswegen zögere nicht, einem Instrumentalisten eine Stelle aus einem anderen Lied zu zeigen, die du für deinen Song passend finden würdest.

Keyboards sind beim Arrangieren ein wahrer Segen: Da sie in der Lage sind, die Töne von verschiedenen Instrumenten zu erzeugen, kannst du mit einem Keyboard vieles ausprobieren.

Falls du niemanden zur Stelle hast, der deine Songs mal auf einem Instrument ausprobieren kann, kannst du auch versuchen, dir dein Arrangement im Kopf zusammenzubasteln. Dazu kannst du deinen Song mit anderen Songs vergleichen und dich fragen, wie ähnliche Songs arrangiert sind.
Helfen kann auch die Frage, in welcher Situation dein Song passen würde. Kann man sich den Song am Lagerfeuer vorstellen (Akustikgitarre) oder würde er sich gut auf der Tanzfläche machen (Synthesizer)?
Je genauer du weißt, wie sich der Song später anhören soll, desto besser lässt er sich mal beim Aufnehmen verarbeiten.

Wenn du weißt, wie sich der Gesang anhört, welche Begleitakkorde dazu gespielt werden und welche Instrumente du verwenden willst, ist der musikalische Teil der Kreativarbeit abgeschlossen. Jetzt braucht dein Song noch einen Text.

Text

Thema

Dein Song braucht ein durchgängiges Thema. Als Thema bietet sich alles an, was dich bewegt, was dich beschäftigt, worüber du nachdenkst, was du fühlst, womit du zu tun hast und so weiter. Sicherlich fallen dir da einige Sachen ein. Falls dir wirklich überhaupt nichts einfällt, kannst du ein Tagebuch schreiben, in dem du deine Gedanken notierst. Dort findest du bestimmt ein paar Ideen für ein Thema.

Ideen

Du hast also ein Thema. Ein Brainstorming kann dir nun dabei helfen, konkrete Ideen für den Inhalt deines Texts zu finden. Schreibe auch Wörter auf, die du mit dem Thema assoziierst oder Gefühle, die dir in den Sinn kommen. Alles, was du aufschreibst kannst du dann in deinem Song verwenden.

Werkzeug

Das Schreiben von Texten ist technisch nicht so aufwändig, wie das Schreiben von Musik, wenn du dich nicht mit Noten auskennst.
Mit Buchstaben können glücklicherweise die meisten von uns etwas anfangen und so sollte es auch kein Problem sein, deine Gedankenergüsse festzuhalten.
Dabei kannst du deine Texte digital am Rechner schreiben und speichern oder auch auf eher klassische Varianten wie Notizblock und Bleistift zurückgreifen. Ich persönlich schreibe mir Ideen lieber mit der Hand auf, während ich die letztendliche Textarbeit oft am Computer erledige. Dort kann ich nämlich schnell Dinge umschreiben oder ausprobieren und verliere auch nicht so leicht die Übersicht.

Das Schreiben

Nun muss der Text konkret geschrieben werden. Am besten du beginnst mit einer der Brainstorm-Ideen und versuchst daraus einen ersten Vers zu bilden. Wenn du den ersten Vers hast, ist es nicht mehr so schwer, einen zweiten zu finden: Erstens hast du dann schon mal die Schreibhemmung überwunden, zweitens muss sich der zweite Vers am ersten Vers orientieren – so hast du also schon mal eine Vorlage, an die du dich halten kannst. Außerdem kannst du dich am Reim entlang hangeln.

Wenn du die Musik zuerst geschrieben hast, musst du dich außerdem an der Gesangsmelodie orientieren. Dein Text muss singbar sein. Nicht nur muss die Menge des Texts stimmen, so dass er in die Melodie passt; er muss auch, wenn er gesungen wird, seine natürliche Betonung beibehalten.

Beispiel:
Du hast eine Melodie: Der erste Ton ist tief, der zweite Ton ist hoch. Du musst für diesen kurzen Melodieteil nun auch ein Wort finden, dass zuerst eine unbetonte und danach eine betonte Silbe hat (betonte Silben spricht man höher aus!). Unpassende wäre etwa „Friede“. Das kannst du leicht ausprobieren, indem du dieses Wort versuchst in der ersten Silbe tief und in der zweiten Silbe hoch auszusprechen. Frie-DE klingt unnatürlich. Es muss FRIE-de heißen. Ein Wort, das auf die kurze Melodie passen würde, wäre „ver-STEH’N“ oder „be-KANNT.“

Wenn du erst den Text schreibst und dann die Musik, läuft der Prozess umgekehrt ab. Die Musik muss sich der natürlichen Betonung deines Textes fügen. Dadurch hast du mehr Vorgaben für deine Gesangsmelodie, hast aber komplette Textfreiheit.

Vielleicht fragst du dich, welchen Textinhalt du in welchen Songteil stecken möchtest. Hier gilt: Allgemeine, zusammenfassende und sehr treffende Formulierungen kommen in den Refrain. Wenn der Hörer deinem Refrain lauscht, soll er genau wissen, worum es in dem Song geht. Das Thema steht hier ganz klar im Vordergrund. In den anderen Teilen des Songs bist du da etwas freier.

Titel

Jetzt fehlt dir noch die Überschrift unter der dein Song stehen soll, der Titel. Idealerweise kommt der Titel in zentraler Stellung im Songtext vor, etwa im Refrain. So kann man sich durch den Refrain leicht den Songtitel merken und umgekehrt. Wenn du dann deinen Titel gefunden hast, hast du es geschafft.

Gratulation!

Mit diesem Basiswissen ausgestattet kannst du dich nun daran machen, deinen ersten Song zu schreiben. In Kürze werden weitere Tutorials folgen, in der Zwischenzeit kannst du deine Ideen, die dir im Moment vielleicht im Kopf herumschwirren, ja schon umsetzen und deinen ersten Song schreiben.

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12 Responses to Songwriting Crashkurs

  1. Carlos says:

    Ein Klasse Tutorial zum Thema Songwriting! Aber den Titel würde ich mir vielleicht im Zusammenhang mit dem Hook bzw. dem Chorus überlegen – damit der Hörer den Song später schnell wiedererkennt!

  2. ALICE says:

    Hey Carlos, das hatte ich eigentlich damit gemeint. Danke aber für den Hinweis, vielleicht versteht man es besser, wie du es formulierst. :)

  3. Teudorum says:

    es kommt aber auch immer auf die gewählte musikrichtung an manche sind gesangstechnisch sehr anspruchsvoll andere wiederrum nicht und bei wieder anderem geht es nur um die musik und nicht der gesang

  4. ALICE says:

    @Teudorum: Worauf beziehst du dich jetzt?

  5. Teudorum says:

    das es auch wichtig ist beim songwritern das die musikrichtung auch dazu passt. man kann bsp rap musik schlecht mit country musik vergleichen bzw würde der text nicht passen

  6. ALICE says:

    @Teudorum: Das ist richtig. Aber prinzipiell kann man jeden Song so schreiben wie man möchte. Es gibt keinen Grund, sich bei seinem ersten Song an ein Stilsschema zu halten.

  7. Merellan says:

    hei,

    hab mal ne Frage:
    spielt ihr alle Keybord oder macht ihr des doch mit’m Computer
    (Ich spiel leider nur Trompete und die kann nun mal keine Akkorde oO)

    und wenn ja mit welchem Computerprogramm entwerft ihr die Begleitung …

    MfG
    Mere

    Edit ALICE: Habe die Frage mittlerweile hier beantwortet: Songwriting und MIDI

  8. Pingback: » Songwriting und MIDI

  9. oviel says:

    Vielen Dank!

  10. orm says:

    Danke für Deine Anleitung zum Songwriten.
    Ich suche auch noch nach einem guten Weg, aber vermutliche gibt es da viele verschiedene Möglichkeiten.
    Meine übliche Reihenfolge ist die:
    1. Zuerst das Arragement und Instrumenteneinsätze
    2. Danach die Harmonien
    2. Danach der Text, in englisch
    Das Texten fällt mir am schwersten, vermutlich weil das Thema meist nicht genau feststeht.
    Hier würde mich es interessieren wie es andere – vermutlich besser – machen
    LG, Chris

  11. ALICE says:

    @orm: Mir reicht eine Melodie und ein Arrangement meistens schon um, mich für einen Text zu inspirieren. Wenn ich dann die ein oder andere Phrase ab, kann ich damit gut arbeiten.

  12. Flug says:

    Danke für die Anleitung. Man kann sich ja eine Reihenfolge der einzelnen Vorgänge individuell erstellen, ganz nach den Vorlieben des Writers :)

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