Vergänglichkeit
Alles in deinem Leben ist vergänglich. In dem Moment, in dem du realisierst, an welchem Zeitpunkt du dich befindest, ist er schon wieder vorbei. Innere Dinge wie Gedanken und Gefühle wechseln genauso wie äußere Dinge (z.B. das Wetter oder deine Freunde). Nichts ist für die Ewigkeit.
Wenn du mal 10 oder 20 Jahre zurückblickst: Wie viel Dinge hast du in der Zwischenzeit verloren? Wie viel hat sich geändert? Und wie viel ist wirklich geblieben? Und: Wie viel ist in 10 Jahren vermutlich noch übrig? Wie viel in 50 Jahren? In 100 Jahren?
Selbst dein Körper wird irgendwann vergehen. Und mit ihm dein physisches Leben. Ob du danach auf einer spirituellen Ebene weiterlebst oder nicht, kann die Tatsache nicht verhindern, dass du die physische Welt hinter dir lassen musst. Dein Körper ist genauso vergänglich wie alles andere Physische.
Wenn du alles Physische hinter dir lässt, heißt dass auch, dass du nichts Physisches mitnehmen kannst. Du musst dich von all deinen Gegenständen lösen, die du im Laufe deines Lebens gesammelt hast. Du kannst nicht mal das Album deiner Lieblingsband mitnehmen.
Und nicht nur von physischen Gegenständen musst du dich lösen, sondern auch von deinen Beziehungen. Du kannst keinen Menschen und kein Lebewesen mitnehmen, wenn deine physische Zeit zu Ende geht.
Das meiste, was du spätestens mit dem Tod abgibst, kannst du auch vorher schon verlieren: Im Laufe deines Lebens verlierst du Besitztümer, Geld, Freunde, Geliebte, Glaubenssätze, Gedanken, Charaktereigenschaften, Erfolg, Status, deine körperliche Unversehrtheit und vieles mehr. Aber auch wenn du etwas über die Jahre hinweg retten kannst, musst du es schließlich irgendwann verlieren.
Sich an etwas zu klammern bringt also nichts. Es macht das Loslassen nur noch schwieriger. Das Beste, was du machen kannst, wenn du etwas verlierst, ist, den Verlust zu akzeptieren. Das ist oft nicht leicht, aber es ist immerhin leichter, als zu versuchen, sich gegen den Lauf des Lebens zu stellen.
Sicherheit
Da du alles immer verlieren kannst, gibt es keine Sicherheit für irgendetwas. Sicherheit ist bloße Illusion. Wenn Sicherheit ein wichtiger Wert für dich ist, lebst du für eine Illusion. Nichts ist sicher – außer der Tatsache, dass du alles verlieren wirst.
Für den Fall, dass du nach deinem Tod nicht spirituell weiterlebst, bist nicht mal du sicher. Du lebst in ständiger Gefahr des Verlusts deines Bewusstseins und Lebens.
Angst
Viele Menschen haben Angst davor, die Dinge in ihrem Leben zu verlieren. Doch egal wie viel oder wie wenig Angst du davor hast, etwas zu verlieren, es bringt nichts. Das was du verlieren kannst, wirst du letztlich verlieren.
Angst hat keinen Sinn. Wenn du in den Momenten, in denen du gerade nichts wertvolles verlierst, auch noch darum bangst, etwas zu verlieren, wirst du am Ende nur unglücklich.
Widerstand
Genauso wenig bringt es, gegen den Verlust, Widerstand zu leisten. Ein innerer Widerstand gegen den Verlust ist so sinnlos wie gegen den Tod zu rebellieren.
Es ist Zeitverschwendung.
Akzeptanz
Wenn du spürst, dass du einen Widerstand gegen die Vergänglichkeit der Welt in dir trägst, versuche ihn loszulassen. Erst wenn du jeden Widerstand hinter dir gelassen hast, kannst du die Vergänglichkeit akzeptieren.
Akzeptiere, dass dieser Moment vergeht. Akzeptiere, dass nichts in deinem Leben bleibt. Akzeptiere, dass auch dein Körper schließlich gehen muss.
Dankbarkeit
Wenn du soweit bist, dass du die Vergänglichkeit akzeptieren kannst, kannst du anfangen, dankbar zu sein: Dafür, was du alles in deinem Leben haben kannst und dafür, wie lange du es haben kannst. Alles wird einmal vergehen, also sei dankbar, dass du es jetzt in deinem Leben hast.
Sei dankbar für das Wetter. Sei dankbar für deine Wohnung. Sei dankbar für deine Freunde.
Wenn du merkst, dass du statt ängstlich und widerstandsvoll, akzeptierend und dankbar sein kannst, gibt es keinen Grund mehr, der Vergänglichkeit negativ gegenüberzutreten. Statt dich über das Vergehen aller Dinge zu beschweren, sieh die Vergänglichkeit doch als Aufruf dazu, jeden Moment bewusst und dankbar anzunehmen und zu genießen.
Jetzt
Wenn du dir darüber bewusst bist, dass alles vergänglich bist, wird das Jetzt besonders wichtig. Genieße alles, was in deinem Leben ist, solange es noch da ist. Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter: Bewusst und positiv. Richte deinen Fokus auf den Moment.
Prioritäten
Durch die Vergänglichkeit der Dinge, lernst du nicht nur, diese Dinge besonders zu schätzen, sondern wirst dir auch darüber klar, was dir besonders wichtig ist.
Wenn du morgen alles, von dem, was du hast, wieder verlieren würdest, was würdest du trotzdem tun? Würdest du Geld verdienen? Würdest du fernsehen schauen? Würdest du so weiter machen wie bisher?
Egal, was auf dich zukommt, sei dir bewusst, dass es wieder gehen wird. Und vergiss nicht, es zu schätzen, solange es da ist.
Veröffentlicht am 17.April 2009
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Ein wundervoller Text.
Eigenartiger Weise hast du unbewusst meine bisherige Entwicklung beschrieben, ohne deinen Artikel wäre mir das aber auch nicht aufgefallen. Unbewusst habe ich den selben Weg gewählt wie du oben beschrieben hast. Vielleicht hatte ich früher Angst. Dann aber kam eine Gleichgültigkeit, aus der Akzeptanz erwuchs. Nach der Akzeptanz begann die “große Zeit” der Dankbarkeit in meinem Leben, welche bis heute anhält. Nun muss ich noch präsenter werden für den Moment .. und wie der “Zufall” es will, beschäftige ich mich doch die ganze Zeit mit Rohkost / Rawfood. Der größte Vorteil einer solchen Ernährung ist die geistige Klarheit und somit .. die Konzentration und der Fokus auf den Moment. Alles hat schon seinen Grund, wir ziehen an woran wir denken, ob bewusst oder unbewusst. Ich mag diese Entwicklung sehr und hoffe, dass du sie auch durchschreitest
somit wünsch ich dir viel Liebe
Micha
Kommentare by Michael Michalowski — April 17, 2009 @ 3:05 pm
@Michael: Ich denke die Entwicklung Angst – Widerstand – Akzeptanz – Dankbarkeit ist eine ganz normale Entwicklung, die wir in vielen Bereichen durchmachen. Seltsamerweise hab ich das erst entdeckt, während sich dieser Artikel entwickelt hat. So viel zur Kraft des Unterbewusstseins.
Dankbarkeit bringt wahnsinnig viel Kraft und Liebe. Leider hat die Dankbarkeit in unserer Gesellschaft kaum einen wichtigen Stellenwert. Wr müssen immer alles kritisieren und können nie dankbar sein.
Kommentare by ALICE — April 17, 2009 @ 8:18 pm
[...] Ideen für Blogartikel finden 20 Neues Gedicht “Pro” 18 Raus aus der Komfortzone 17 Vergänglichkeit 11 Songwritingblogs und Webseiten 09 Prinzipien und Gedankenmodelle 02 Championsound.com – [...]
Pingback by » Archiv — October 18, 2009 @ 1:05 am
Hallo Alice!
Super Artikel. “Akzeptieren” ist wohl das Stichwort.
Ist nur die Frage, ob es die Natur des Menschen ist, dass wir uns dagegen so verwehren – dass wir nicht so einfach akzeptieren können wie wir es sollten. Wäre es so einfach, dann müssten wir uns dessen ja nicht erst bewusst werden. Vielleicht ist es auch eine Art Selbstschutz, der Mensch versucht die Vergänglichkeit zu verdrängen. Wenn dies so ist, dann müsste man weiter überlegen, warum dies so ist. Vielleicht weil die Vorteile den Nachteilen nachstehen? Vielleicht verfallen wir eher in Depressionen und Ängste, wenn wir uns der Vergänglichkeit bewusst werden? Oder vielleicht sind die ureigenen Instinkte doch mehr am Tier im Menschen orientiert und deswegen noch nicht so auf bewusst-werden und philosophieren ausgelegt, sprich die Evolution hat das Bewusstsein des Menschen unterschätzt. Wir können uns bewusst werden, die Natur hat das nur nicht bedacht und uns deswegen den Vorgang nicht gerade leicht gemacht.
Kommentare by Ronny — October 23, 2009 @ 8:02 am
@Ronny:
Danke für deinen interessanten Kommentar!
WIr tun uns ja in vielen Dingen schwer, auch wenn sie eigentlich gut für uns sein sollten. Unser Unterbewusstsein hat meistens die Oberhand (denk mal an Gewohnheiten) und deswegen braucht es einige Anstrengung, um sich über bestimmte Themen bewusst zu werden. Das Unterbewusstsein hat sowohl die Funktion, Gefahren zu erkennen (z.B. anhand einer Silhouette einen Feind erkennen), als auch, uns das Leben leichter zu machen (laufen, essen, Routinen … dazu müssen wir ja nicht mehr bewusst nachdenken). Insofern gibt uns unser Unterbewusstsein wirklich evolutionäre Vorteile. Aber wer sagt, dass man sich darüber hinaus nicht weiterentwickeln könnte? Es braucht halt etwas Anstrengung.
Kommentare by ALICE — October 23, 2009 @ 8:40 am
Liebe Alice, vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel.
Ich finde Deine Entwicklungsperspektive von Angst zu Widerstand zu Akzeptanz zu Dankbarkeit sehr erhellend. Meine Frage ist, ob man das mit der Dankbarkeit wirklich schafft? Kübler-Ross unterscheidet im Zusammenhang mit dem Sterbeprozess fünf Phasen: Nicht-Wahrhaben-Wollen – Auflehnung – Verhandeln – Den Verlust betrauern – Annahme. Bleibt es nicht dabei, dass sterben eine schreckliche Quälerei ist, bei der wir lernen müssen, uns in unser unabwendbares Schicksal hineinzuergeben?
(Vgl. http://evolutionaerespiritualitaet.blogspot.com/2009/06/stadien-des-sterbeprozesses.html)
P.S. Deine meditative Musik gefällt mir sehr gut! Am liebsten habe ich “Search For Treasure Island”, Nr. 8, Was für ein passender Titel für dieses Thema!
Kommentare by Michael Leicht — October 23, 2009 @ 7:38 pm
@Michael:
Danke für das Lob!
- Dankbarkeit
Ich denke, dass man das genauso schaffen kann, wie man dankbar sein kann für andere “negative Sachen”: Sie bringen einem immer auch etwas positives und sei es nur, eine Lernerfahrung. Was die Vergänglichkeit betrifft, hilft sie einem gerade dabei, viele positive Dinge nicht als selbstverständlich zu erachten und dankbar zu sein, dass man sie in seinem Leben hat.
- Kübler-Ross
Zufälig hab ich letzten Monat erst ein Buch von ihr gelesen, indem sie diese Phasen erläutert. Ich denke, das Sterben keine Quälerei sein muss, wenn man den Tod nicht als etwas Schlechtes sieht. Wenn man im Tod natürlich etwas Schlechtes sieht, ist es wohl nicht möglich, sich damit abzufinden (es sei denn man schafft es, seine Gefühle zu betäuben).
Kommentare by ALICE — October 24, 2009 @ 2:11 pm