Warum Veränderung so schwer fällt

Veröffentlicht am 8.Januar 2008

Nachdem ich bereits erläutert habe, warum es eine gute Sache ist, sich bewusst für Veränderung zu entscheiden, möchte ich heute einen großen Fehler aufzeigen, den Menschen machen, wenn sie versuchen sich zu verändern. Dieser Fehler ist dafür verantwortlich, dass viele Menschen viel zu schnell aufgeben, wenn es um Veränderung geht. Der Fehler heißt: Falsche Erwartungen.

Wenn man sich für eine Veränderung entscheidet, dann deswegen, weil man etwas Positives davon erwartet. Das wird immer dann tückisch, wenn es um Gewohnheiten geht. Vielleicht möchtest du Sport treiben, um dich fitter zu fühlen oder du möchtest früher aufstehen, um einen produktiveren Arbeitstag zu haben. Die Wahrheit ist aber, dass man nach der Umstellung die Vorteile der neuen Gewohnheit, anfangs oft noch nicht sehen kann.

In den allermeisten Fällen bringen Gewohnheitsumstellungen anfangs negative Konsequenzen mit sich.

Beispiel Ernährung

Nehmen wir an, du möchtest Vegetarier werden. Du hast viele fleischlose Lebensmittel eingekauft und bist motiviert, dieses Ziel zu erreichen. Die ersten Tage bist du noch hyper-motiviert und deswegen ist es für dich kein Problem durchzuhalten. Nach ein paar Tagen kommen die ersten Gedanken auf à la „Ich hätte jetzt wirklich Lust auf ein gutes Steak/einen Hamburger/ein Stück Backfisch“. Wenn du Fleischgerichte riechst, ist dein Verlangen besonders schlimm. Dazu kommt, dass deine ganze Familie Fleisch isst, und sich deine Freunde über dein Vorhaben lustig machen. Dir fällt außerdem auf, dass du nicht mehr als drei vegetarische Gerichte kochen kannst und dir wird dein Essen einfach zu langweilig. Auf einer Party, die du besuchst, hat sich gerade jemand den letzten Löffel Salat geschnappt, das einzige was noch übrig ist, sind Bratwürste und du hast gerade eine Riesenhunger. Du beschließt, dass das Vegetariersein doch nicht so toll ist, wie du es dir vorgestellt hast. Es ist viel zu schwierig und kompliziert – das kann nichts für dich sein. Und so kehrst du wieder zurück zum Fleisch.

Beispiel Meditieren

Du möchtest es dir zur Gewohnheit machen, jeden Tag 30 Minuten zu meditieren. Du setzt dir einen Timer und versuchst dich zu entspannen. Doch irgendwie funktioniert das mit dem Entspannen nicht. Deine Gedanken driften ab und am Ende fühlst du dich genauso wie vorher. Am Tag zwei passiert dasselbe, aber du bist noch motiviert. Tag drei wird es richtig unangenehm: Du hast eine Menge zu tun und während du versuchst gelassen dazusitzen, hast du das Gefühl deine Zeit zu verschwenden. Du wirst richtig wütend auf dich selbst. „Wenn ich versuche zu meditieren, werde ich erst richtig unruhig! Ich kann dann nicht mehr aufhören zu denken“, sagst du zu dir und beschließt, dein Vorhaben einzustellen. Wenn das Meditation ist, lohnt es sich nicht, es zu einer Gewohnheit zu machen.

Diese Beispiele, die natürlich sehr vereinfach sind, zeigen dir eines: Es ist blödsinnig, eine neue Gewohnheit aufzugeben, nur weil man am Anfang auf Schwierigkeiten trifft.

Hindernisse

Unterbewusste Programmierung

Wenn du schon mal versucht hast, eine neue Gewohnheit zu installieren, bist du sicherlich auf Hindernisse gestoßen, die diese neue Gewohnheit mitgebracht hat. Das ist völlig normal. Nehmen wir das Beispiel mit der Ernährung. Wenn du etwas veränderst, ist es völlig normal, dass du dein „altes Leben“ vermisst. Deine alten Gewohnheiten sind so fest in dein Unterbewusstsein programmiert, dass du ständig auf Wiederstand triffst. „Ich will Fleisch“, ist die Botschaft, die sich in deinem Unterbewusstsein aufgrund von jahrelanger Gewohnheit befindet. Deswegen ist es klar, dass dein Bedürfnis, Fleisch zu essen, nicht über Nacht verschwindet. Vielmehr musst du lernen, dich umzuprogrammieren. Und das geht nur, in dem du deine neue Gewohnheit trotz der Hindernisse weiterhin durchziehst.

Dass dir deine unterbewusste Programmierung zu Anfang immer wieder in die Quere kommt, heißt nicht, dass es besser ist, auf sie zu hören. „Mein Körper weiß es schon besser“ ist hier nicht die Lösung. Dein Körper weiß im Falle von Gewohnheiten nur deswegen bescheid, weil du ihm jahrelang gelehrt hast, so zu leben. Jemandem der alkoholsüchtig ist, würdest du auch nicht glauben, wenn er sagen würde, es sei besser für ihn zu trinken, gerade weil er süchtig ist.

Das Thema Sucht reiht sich hier wunderbar mit ein. Wenn du mit dem Rauchen oder dem Kaffeetrinken aufhören willst, treffen dich als erstes die Entzugerscheinungen. Bei Süchten ist das sehr offensichtlich und viele Leute rechnen auch damit, dass es schwierig ist, eine Sucht aufzugeben. Stelle dir die Gewohnheit wie eine Sucht vor: Sie loszulassen bedeutet zuerst, dass du an einigen Hindernissen vorbei musst. Dein Unterbewusstsein ist quasi süchtig nach der Gewohnheit und wenn du versuchst sie zu verändern, reagiert es erstmal negativ.

Wenn du eine Gewohnheit aufgibst oder eine neue Gewohnheit lernst und dabei auf Hindernisse stößt, ist das nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Du kannst immer etwas lernen, wenn du auf ein Hindernis triffst und trotzdem deinen Weg nicht aufgibst.

Natürlich kann es sein, dass die Hindernisse, denen du begegnest, einfach zu groß sind, als dass du sie momentan bewältigen könntest. Um dem vorzubeugen und dich besser vorzubereiten, kannst du dich schon bevor du dein Vorhaben angehst, mit anderen Leuten austauschen, die dein Ziel bereits erreicht haben. Sie können dir sagen, welche Schwierigkeiten du zu erwarten hast und dir erklären, worauf es letztlich ankommt.

Point Of No Return

Erst nach einer Weile, nämlich dann, wenn sich dein Unterbewusstein umgestellt hat, können die Vorteile die Nachteile überwiegen: Dein Unterbewusstsein ist zufrieden und legt dir keine Steine mehr in den Weg, wenn du jeden Tag joggen gehen willst: Dein Vorhaben ist zu einer neuen Gewohnheit geworden.

Es dauert normalerweise drei bis vier Wochen, um eine Gewohnheit zu installieren. Erst ab diesem Punkt ist es normalerweise sinnvoll darüber zu urteilen, ob eine neue Gewohnheit wirklich die Vorteile bringt, die man sich davon erhofft hat. Dann kannst du dir auch überlegen, ob du die neue Gewohnheit behalten möchtest oder ob du sie wieder opfern möchtest. Sei aber schnell… sonst gewöhnt sich dein Unterbewusstsein zu sehr daran. ;

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6 Kommentare »

  1. Hey Alice, sofern du wirklich so heißt :)
    Bin nun auch endlich mal dazu gekommen hier vorbeizuschauen…hatte iwie wenig Zeit die letzten Tage :(
    Zum Vegetarierbeispiel: Kann das dann nicht auch einfach so sein, dass die Person dann im Grunde gar kein Vegetarier werden wollte? Also dass sie es zwar erst dachte, aber dann aufgrund der Umstände gemerkt hat dass es doch nix für sie ist?
    Wenn es nun viel mehr darum geht das aus Überzeugung zu machen, weil man Tieren nicht schaden will oder so, dann dürfte einem der Verzicht doch gar nicht so schwer fallen oder?
    Im Beispiel scheint es mir einfach eine Person zu sein die es ausprobieren wollte und dann gemerkt hat dass sie es wohl doch nicht wollte und dass es hier weniger etwas mit Durchhalten zu tun hat. Was meinst du? :)
    Ich glaube hier ist es ähnlich wie beim Sport. Wenn man zu dick ist und das auch weiß und man sehr unzufrieden mit sich ist, dann kann man auch recht fix abnehmen. Wenn man dann erst einmal abgenommen hat und eine normale Figur hat, dann fällt das weitere Verbessern umso schwerer. Weil man im Grunde ja schon zufrieden mit sich ist. Ich glaube so ist es auch beim Vegetarier, er will sich ja nur noch verbessern und nicht von Grund auf ändern.
    So, Nudeln sind fertig…mit Hackfleischsoße ;)
    Gruß Schaps

    Kommentare by Schaps — January 9, 2009 @ 1:58 pm

  2. Es ist ein Pseudonym, aber ich lasse mich gerne so nennen. :)
    Und danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mal vorbeizuschauen!
    Ich stimme dir zu: Einen trifftigen Grund braucht man schon, wenn man etwas verändern möchte, sonst macht man sich ja nur etwas vor.

    Zum Beispiel: Vegetarismus muss nicht unbedingt mit Tierfreundlichkeit begründet sein. Als ich Vegetarismus das erste Mal ausprobiert habe, haben mich andere Motive bewegt: http://alicehive.de/vegetarismus/
    Selbst wenn man einen guten Grund hat, gibt es immer wieder Verlockungen, denen man widerstehen muss und das ist natürlich am Anfang, wo man das noch nicht gewohnt ist, besonders schwierig.

    Das Beispiel ist natürlich erfunden und deswegen ist es nicht wirklich perfekt, um das zu demonstrieren, was ich zeigen will. Aber ich hoffe, mein Gedankengang wird trotzdem klar. ;)

    Kommentare by ALICE — January 9, 2009 @ 2:25 pm

  3. Ich merke auch ganz oft, dass man das, was man nicht hat, unbedingt haben will.
    Als mit meine Ex-Freundin (!) schrieb, dass sie einen neuen Freund hat, tat das weh. Ich wusste aber nicht warum, da wir Wochen und Monate vorher kaum Kontakt hatten. Plötzlich war sie wieder in meinem Kopf und ich machte mir vorwürfe das ich mich zu wenig gemeldet habe, usw.
    Nach ca. einer Woche war es mir wieder Gleichgültig (soll nicht negativ klingen).

    Auf der Arbeit habe ich mich in den letzten Monaten unwohl gefühlt. Es gab nur wenig zu tun, nichts anspruchsvolles, die Motivation war gering, der Frust auch bei den Kollegen hoch. Deswegen habe ich mir einen neuen Job gesucht. Nun tut es mir aber weh die Kollegen mit der ich eine sehr lockere Leidenssolidarität hatte, zurück zu lassen.
    Ich habe Angst, in der neuen Firma zwar mehr und anspruchsvollere Arbeit zu finden, aber das das lockere auf der Strecke bleibt.

    Kommentare by Christian — February 21, 2009 @ 7:51 pm

  4. @Christian: Ich bin sicher, du findest einen Job, der dir besser gefällt.

    Manchmal ist es notwendig, sich von bestimmten “Ergebnissen” zu lösen. Wenn du etwas willst, was du nicht haben kannst (zum Beispiel von einer Person), kannst du das was du suchst trotzdem haben, oft nur nicht, wie du es dir vorstellst. Deswegen bringt es nichts, sich an bestimmten Resultaten festzuhalten: Man versperrt sich gegenüber anderen Möglichkeiten, dasselbe zu bekommen.

    Kommentare by ALICE — February 21, 2009 @ 11:15 pm

  5. Hallo Alice,
    nach meinem Jobwechsel habe ich jetzt die erste Woche hinter mir. Und was soll ich sagen, ich bin nicht mehr stolz auf die Verbesserung, bin nicht mehr hungrig nach neuem. Ich fühle mich unwohl, in der neuen Firma gibt es 20x soviele Mitarbeiter, viele neue und komplizierte Sachen, ich sehne mich jetzt schon nach den bekannten Strukturen und Gesichtern zurück.
    Ich habe andauernd komische Gefühle und muss auch oft kurz weinen. Das riesen Problem ist einfach: Ich weiß das aller Anfang schwer ist. Ich kann mich auch sicherlich durchbeissen, aber ich habe halt Angst das ich was falsches mache. Das mein Gefühl richtig liegt und ich eigentlich schnell wieder zurück sollte. Meine früheren Kollegen schreiben mir viel, ich vermisse alles.
    Das sind dann auch immerwieder so Phasen wo ich überlege, ob ich nicht zu einem Psychater gehen sollte / muss?
    Wenn ich mit meinem besten Freund spreche, der sagt ich soll mir keine Gedanken machen und alles auf mich zukommen lassen. Das KANN ich aber nicht, da ich es als fahrlässig empfinde. Sobald ich lesen will oder den fernseher anmache habe ich das Gefühl das ich das irgendwie mit mir klären muss.
    Wie schaffe ich es, die von dir genannten 3-4 Wochen ruhig zu überstehen?
    Ich habe es schon probiert die Gefühle bewusst zu akzeptieren und fallen zu lassen, das klappt auch. Aber ich habe dann den Eindruck das ich nicht auf meine Gefühle höre?!

    Kommentare by Christian — March 7, 2009 @ 8:42 pm

  6. @Hartmut: Generell hast du zwei iMöglichkeiten: Es zu akzeptieren oder etwas anderes zu tun.
    Natürlich ist jeder Anfang schwer. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass du noch nicht darüber urteilen kannst, ob dir die Veränderung etwas gebracht hat. Deswegen würde ich es erstmal akzeptieren.
    Versuch deine Ängste loszuwerden. Sie bringen dir nichts. Wenn du davor Angst hast, etwas falsch zu machen, hindert das dich nicht daran, etwas falsch zu machen.
    Was hast du denn zu verlieren, dass du so große Angst hast?
    Wenn du das Gefühl hast, dass du in die Richtung Depression/Hilflosigkeit zu rutschen, könntest du professionelle Hilfe gebrauchen. Der erste Schritt ist dann aber ein Psychologe und kein Psychiater.

    Kommentare by ALICE — March 11, 2009 @ 2:50 pm

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