Was tun bei Motivationslosigkeit?

Veröffentlicht am 7.Januar 2009

Es gibt eine Menge Motivationstipps im Internet, es gibt Motivationsbücher, -Podcasts, und –Seminare. Aber solange man außerhalb von sich nach Motivation sucht, ist diese oft nur von kurzer Dauer. Andere Leute können dich ermutigen, inspirieren und dir helfen, klarer zu sehen. Aber niemand weiß, was dich wirklich „motiviert“, wenn du es selbst nicht weißt.

Ich denke, dass jeder Mensch „motiviert“ ist. Jeder Mensch hat ein oder mehrere Motive. Nur ist es oft schwer, auf seine eigenen Motive zuzugreifen. Herauszufinden, was dich wirklich bewegt („Motiv“ kommt von lat. „movere“ – „bewegen“), ist der erste Schritt, den du gehen musst, wenn du Motivation in deinem Leben haben möchtest.

Aber selbst wenn du weißt, was dich bewegt, kann es sein, dass du manchmal demotiviert bist. Demotiviert heißt, dass man nicht verbunden mit seinem Motiv ist. Man hat also eine Distanz zu sich selbst aufgebaut. Anstatt sich auf sein Ziel zuzubewegen, bleibt man stehen.

Typischerweise ist ein Tag, an dem du demotiviert bist, mit Zerstreuungen und Ablenkungen erfüllt, anstatt mit den Dingen, die du wirklich tun möchtest. Was für eine Verschwendung. Wenn du weißt, was du wirklich tun möchtest, wäre es doch gut, wenn du es auch tun würdest, oder?

Um wieder in Verbindung mit deinem Motiv und mit dir selbst zu kommen, reicht es wahrscheinlich nicht, dich in Gedanken dazu zu überreden, das zu tun, was du wirklich tun willst. Der Prozess, der dich zurück zur Motivation bringt, ist eher emotionaler Art. Ich habe zwei Prozesse herausgefunden, die mir helfen, wenn ich keinen Kontakt mehr zu mir selbst und meine Zielen habe.

1.Was willst du tun?

Brich die Zerstreuung ab, auch wenn es dir schwer fällt. Du brauchst Ruhe um dich zu finden. Entscheide dich dafür, dir zu erlauben, das zu tun, was du am liebsten tun möchtest. Egal, was es ist.

Frage dich: „Was will ich jetzt am liebsten tun?“ Dann beobachte die Bilder und Gedanken, die durch deinen Kopf ziehen. Stelle dir vor, was du alles tun könntest. Male dir aus, wie sich einzelne Tätigkeiten anfühlen würden, wenn du sie jetzt ausführen würdest. Merke auf dein Gefühl. Sei nicht selektiv, sondern lasse alle Eindrücke zu! Nimm dir dafür ruhig einige Minuten Zeit. Suche dir nun etwas aus, was dir vom Gefühl besonders zusagt. Je stärker und tiefer das Gefühl, desto  besser. Am besten ist es, wenn du den Eindruck hast, dass dich eine Tätigkeit erfüllen würde oder dass sie dich glücklich machen würde. Wähle die Tätigkeit, die sich am schönsten anfühlt. Und dann führe sie aus!

Während du die Tätigkeit ausführst, lass dich weiter von deinen Gefühlen oder deiner Intuition leiten. Wenn die Tätigkeit dich nicht einem deiner Ziele näher bringt, wiederhole den Prozess. Wiederhole den Prozess solange, bis du wieder Dinge tun möchtest, die wichtig für deine Ziele sind.

Die Voraussetzung damit das funktioniert ist, dass du Ziele hast, die dir auch wirklich wichtig sind. Wenn du wieder mit deiner Motivation in Verbindung bist, aber deine Ziele keine Verbindung zu dir haben, nützt dir der Prozess gar nichts. Dann hilft es lediglich, deine Ziele zu ändern. Ziele, die auf dich Dauer demotivieren, sind nutzlos.

2.Was sollst du tun?

Im ersten Prozess sind wir nur von dir ausgegangen. Wenn du etwas tust, kann das aber noch mehr Menschen betreffen. Motive können andere Menschen betreffen als dich selbst.

Damit der Prozess, den ich dir gleich erkläre, funktioniert, musst du für dich eine Lebensaufgabe festgelegt haben. Oder du musst zumindest daran glauben, dass du eine hast. Es ist allerdings nicht wichtig, dass du ganz genau weißt, wie sie aussieht.

Frage dich: „Wofür bin ich da?“ Während dir einige Dinge durch den Kopf gehen, achte wieder auf die Gefühle, die du mit den einzelnen Dingen verknüpfst. Wenn du dich bereits genauer festgelegt hast, wie deine Lebensaufgabe aussieht, solltest du ziemlich schnell ein zufriedenstellendes Ergebnis bekommen, also eines, das sich gut anfühlt.

Nimm dir nun etwas Zeit und male dir deine Lebensaufgabe und deren Auswirkungen nun detailliert aus. Was soll sich durch dein Leben ändern und verbessern? Was macht dein Leben aus? Welches Glück bringt dein Leben in die Welt? Falls du es noch nie gemacht hast, kannst du dir deine Gedanken dazu auch aufschreiben. Beende diesen Schritt nicht, bis du dich wirklich mit deiner Lebensaufgabe verbunden spürst und dir klar ist, was für Glück du dir und der Welt bringst.

Nun sieh dir deine Ziele an, für die du dich nicht motivieren konntest. Wenn sie mit deiner Lebensaufgabe verknüpft sind, solltest du dich nun freiwillig bewegen wollen. Wenn sie nicht damit verknüpft sind, kannst du sie ohnehin ignorieren.

Egal welchen Prozess du gewählt hast, ist es wichtig, sofort deine Tätigkeit(en) zu beginnen, sonst läufst du Gefahr, stattdessen unterbewusst nach neuen Zerstreuungen zu suchen. Solange du dich mit deinen Motiven verbunden fühlst, als motiviert bist, gibt es kaum einen Grund damit aufzuhören.

Die beiden Prozesse habe ich für mich in Zeiten entdeckt, in denen ich tage- oder wochenlang demotiviert war. Sie wirken dann am besten, wenn du dir viel Zeit nimmst und sie sehr detailliert und tiefgehend ausführst.

Für den Fall, dass du nur einen kleinen Schubs brauchst, wählst du am besten die Babystep-Methode.

Timer-Methode

Nehmen wir an, du nimmst dir vor, einen ausführlichen Blogartikel zu schreiben, was mindestens zwei Stunden dauern würde. Doch irgendwie kannst du dich nicht dazu bewegen, mit dem Schreiben zu beginnen. Ständig erfindest du Ausflüchte. Du weißt, dass du den Artikel schreiben möchtest, aber du spürst dein Motiv nicht.

Tu folgendes:
Verpflichte dich dazu, nur 30 Minuten dafür aufzuwenden, das zu tun, was du tun möchtest. Also 30 Minuten an deinem Artikel zu schreiben. Danach bist du frei. Du darfst natürlich gerne weiterschreiben, wenn du möchtest, aber du darfst auch gerne aufhören.
Der Trick dabei ist natürlich, dass es leichter ist, sich für 30 Minuten zu überwinden, als für mehrere Stunden Arbeit. Wenn du dann aber erstmal angefangen hast, wirst du eventuell nicht mal so schnell aufhören, um nicht den Kontext zu verlieren und um nicht später alles schreiben zu müssen.
Wenn 30 Minuten für dich zu viel erscheinen, verringere die Zeit auf 20 Minuten. Oder auf 10. Es kommt nicht wirklich auf die Zeit an, sondern darauf, dass du beginnst, zu handeln. Wenn du zu lange nicht handelst, kann es sein, dass du dich schnell wieder Zerstreuungen widmest und du dein Motivationsproblem vergrößerst.

Du kannst die Timer-Methode für viele Dinge anwenden, die normalerweise etwas länger dauern. 30 Minuten zu meditieren ist dir zu lang? Dann verpflichte dich nur für 10 Minuten. Die komplette Steuererklärung zu erledigen hört sich nach viel Arbeit an? Dann hol dir einen Timer und sorge dafür, dass du wenigstens 15 Minuten daran arbeitest.

Was am wenigsten bringt, wenn du dich nicht motivieren kannst, ist, wenn du dich deswegen schlecht fühlst. Das zieht dich dann nur noch weiter hinunter. Geh stattdessen produktiv mit deiner Motivationslosigkeit um: Sie weist dich auf etwas hin. Du musst es nur akzeptieren.

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10 Kommentare »

  1. Das mit der Demotivation kenn ich nur zu gut…wobei es bei mir einfach eine tierische Faulheit ist. Ich hab die Ferien über immer bis mittags gepennt, am Sonntag bin ich erst aufgewacht als es schon wieder dunkel wurde ^^
    gestern ging der Tag auch wie im Flug vorüber, auch wieder bis mittags gepennt, aber abends dann Gitarrenunterricht, kurz zur UB und einkaufen und telefoniert. Bei mir ist es nicht immer die fehlende Motivation die mich den ganzen Tag rumhängen lässt, sondern einfach weil ichs mag. Wobei mir das auch etwas suspekt vorkommt, weil ich mich meistens ärgere wenn ich mal wieder nix Produktives gemacht habe :)
    Also irgendwie seltsam bei mir…

    Kommentare by Schaps — January 9, 2009 @ 2:04 pm

  2. Oh, das kenne ich mit dem “aufwachen wenn es schon dunkel ist”. :)
    Wenn mein Schlafrhythmus mal außer Kontrolle gerät, dann bin ich ganz schnell an diesem Punkt. Aber ich find’s dann auch immer etwas traurig, wenn ich aufwache, dass ich die Sonne nicht sehen konnte.
    “Faulheit” finde ich immer sehr negativ ausgedrückt: Warum sollte es schlecht sein, einmal nichts zu tun? Aber demotiviert sein heißt ja auch, dass man nicht mal das macht, was man eigentlich machen möchte und das ist irgendwie schade.

    Kommentare by ALICE — January 9, 2009 @ 2:16 pm

  3. Ja, das ist schade…wenn ich verkatert bin, dann bin ich teilweise zu faul mich ein wenig aufzurichten um was gegen den Nachdurst zu trinken…im Ernst, das ist der Hammer :D
    Und a propos Sonne, die sieht man im Winter ja eh fast nie ;)

    Kommentare by Schaps — January 10, 2009 @ 3:45 pm

  4. Das täuscht. Du musst sie nur erwischen, wenn sie kurz vorbeischaut, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. ;)

    Kommentare by ALICE — January 10, 2009 @ 4:17 pm

  5. Letztens hab ich sie erwischt…da wars zwar arschkalt, aber die Sonne hat geschienen. Die letzten Tage waren aber wieder grau in grau hier oben.

    Kommentare by Schaps — January 10, 2009 @ 6:51 pm

  6. Heute war’s ziemlich sonnig, aber arschkalt. Nach fünf Minuten an der Luft konnte ich meine Hände kaum noch spüren. :o

    Kommentare by ALICE — January 10, 2009 @ 8:04 pm

  7. Hallo Alice,
    eigentlich wollte ich alle Deine Beiträge bis heute nachgelesen haben, aber das geht nicht!
    Das mit dem 30 Minuten Trick werde ich gleich mal ausprobieren.
    Schiebe ich das Schreiben einer KG schon tage vor mich her und ärgere mich selber darüber. :-(
    so, morgen mehr.
    Liebe Grüße
    Ika

    Kommentare by Ika (Dornen) — January 11, 2009 @ 8:56 pm

  8. Ja, das hört sich nach dem idealen Fall für die Timer-Methode an! Bin gespannt, ob sie bei dir funktioniert. :)

    Kommentare by ALICE — January 11, 2009 @ 9:33 pm

  9. Hallo alice,
    gestern Abend dachte ich:
    “Nur eine viertel Stunde tut es auch, setzte mich hin und meine Kurzgeschichte ist nun fast fertig. Bin schon am Überarbeiten. ;-)
    Hat also geklappt! ;-)
    Liebe Grüße
    Ika

    Kommentare by Ika (Dornen) — January 14, 2009 @ 11:27 am

  10. @Ika: Yey, es funktioniert! :)

    Kommentare by ALICE — January 14, 2009 @ 11:40 am

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