Zeit besser nutzen

Wenn du abends auf deinen Tag zurückblickst, weißt du eigentlich, was du den ganzen Tag gemacht hast? Wie viele Stunden hast du effektiv gearbeitet und wie viel Zeit dich nur abgelenkt, im Internet gesurft und herumgeträumt?
Du weißt es nicht? Solltest du aber, denn nur wenn du deine Zeit bewusst einsetzt, lebst du auch bewusst. Wenn du keine klaren Entscheidungen triffst, wie du deine Zeit verbringen möchtest oder dich nicht daran hältst, verschwendest du damit deine Lebenszeit. Dabei ist es ganz egal, ob es um die Zeit geht, die du für deinen Beruf nutzt oder deine Freizeit. Zeitverschwendung ist immer Zeitverschwendung – egal in welchem Kontext.

Hier fangen viele Leute an und versuchen produktivere Arbeitsroutinen zu entwickeln. Stattdessen wäre es ein viel offensichtlicher Schritt, die effektive Arbeitszeit zu erhöhen. Wenn du von den drei Stunden, an denen du an deinem Artikel schreibst, eine Stunde damit verbringst, Mails zu checken, etwas zu essen und dir zu überlegen, welchen Film du dir heute Abend anschaust, wäre es nicht sinnvoller, diese eine verschwendete Stunde zu nutzen, als zu versuchen, die zwei anderen Stunden produktiver zu gestalten?

Genauso in deiner Freizeit: Während du dein Buch liest, solltest du dich eigentlich amüsieren, stattdessen denkst du ständig daran, was du später noch alles zu tun hast und liest deswegen den gleichen Absatz fünfmal. Effektive Zeitnutzung sieht anders aus. Und effektives Amüsieren sowieso. ;) Gut, dass es eine handfeste, praktische und simple Methode gibt, um sich seine Zeitnutzung bewusst zu machen.

Time-Log

Diese Methode ist sehr simpel und sehr effektiv. Grundlegend funktioniert ein Time-Log so: Schreibe auf, was du tust und wie lange du es tust.
Normalerweise würde zu einem Time-Log dazu gehören, wann du etwas tust, aber wenn das für dich keine Bedeutung hat (für mich hat es die nicht), kannst du es weglassen.
Leg dazu ein neues Worddokument oder eine neue Textdatei an, wenn du vor allem am Computer arbeitest, oder leg dir einen Notizblock zu (ein Blatt Papier würde zwar erstmal reichen, aber die Chance ist viel zu groß, dass es dir abhanden kommt, also setz lieber auf den Notizblock).

Wenn du eine neue Tätigkeit beginnst, merk dir die Zeit, zu der du sie begonnen hast. Beendest du deine Tätigkeit, rechne aus, wie viel Minuten du mit der Tätigkeit verbracht hast und notiere dir die Tätigkeit und die Minutenanzahl. Mach das den ganzen Tag hindurch, solange du deine Zeitnutzung optimieren möchtest.

Normalerweise werden Time-Logs als Produktivitätsmaßname nur benutzt, um einmalig die Zeitnutzung zu überprüfen und dann zu optimieren. Mein Tipp dagegen lautet: Log deine Zeit jeden Tag, an dem du produktiv sein willst. Und wenn du jeden Tag produktiv sein willst, log sie eben jeden Tag.
Ich schlage das deswegen vor, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass du nach dem einmaligen loggen deiner Zeit, zwar kurz danach mehr auf Zeitnutzung achtest, aber bald darauf wieder in dein altes Muster zurückfällst. Unbewusste Muster sind stark. Mit einem einmaligen Loggen deiner Zeit, kannst du nichts gegen deine alte Gewohnheit, Zeit zu verschwenden, ausrichten. Indem du dir deine Zeitnutzung jeden Tag bewusst machst, gibst du deinem Unterbewusstsein weniger Raum, für dich Entscheidungen zu treffen. Du kannst selbst entscheiden.

Jeden Abend kannst du deinen Time-Log auswerten. Zeitnutzungsprobleme, die dir vorher vielleicht nicht einmal aufgefallen sind, können jetzt nicht mehr fliehen. Wenn du z.B. das Muster erkennst, dass du mehr Zeit mit Twitter, als mit deinen Artikeln verbringst, mach deine Recherchen, bevor du schreibst und schalte dann, bevor du einen neuen Artikel beginnst, deine Internetverbindung ab. Lies dir dazu auch meinen Artikel durch, in dem es geht, Zerstreuungen zu eliminieren. In diesem Artikel, hatte ich auch schon das Thema Time-Log erwähnt, allerdings als einmalige Methode.

Ich habe vorhin geschrieben, dass du aufschreiben sollst, welche Tätigkeiten du wie lange ausführst. Besser kann es jedoch sein, zu notieren, mit welchem Bereich du dich wie lange beschäftigst. „Schreiben“ kann man sich zwar gut vorstellen, aber was hast du geschrieben? Eine E-Mail? Einen Artikel? Ein Gedicht? Oder bei der Tätigkeit „Lesen“: Was hast du gelesen? Einen Roman? Oder ein Buch über Marketing?

Hier einige Beispiele, wie ich die Bereiche aufteile:

Blog = ein Blogposting veröffentlichen, ein neues Plugin installieren, meinen Blog bekannt machen
Lesen = Literatur lesen
Marketing = Marketingmaßnahmen durchführen oder planen, ein Buch oder einen Artikel über Marketing lesen
Internet = surfen, twittern, Accounts checken

Die Bereiche können bei dir ganz anders aussehen, wichtig ist nur, dass du in etwa absehen kannst, in welchem Bereich du deine Zeit eingesetzt hast, damit du weißt, ob du produktiv warst.

Natürlich musst du nicht jede halbe Minute mitloggen und die Zeit in Sekunden messen. Wie genau du sein solltest, hängt davon ab, wie produktiv du sein willst.
Ich messe meine Zeit in 5-Minuten-Blöcken. Kleinere Einheiten machen meiner Meinung nach kaum Sinn. Wenn ich davon zwei Minuten das eine und drei Minuten das andere gemacht habe, such ich mir einfach eines davon aus.
Es kommt wirklich wenig auf Exaktheit an (wen willst du mit deinen exakten Zahlen beeindrucken?), sondern darauf, dass du dir deiner Zeitnutzung bewusst bist.

Gerade bei Zeitnutzungsmethoden ist es wichtig darauf zu achten, dass die Methode am Ende nicht all die Zeit wieder wegnimmt, die man versucht, damit einzusparen.
Da die Time-Log-Methode extrem leicht verwaltbar ist, sollte das für dich kein Problem sein. Investiere die 15 Minuten am Tag, wenn du dadurch 2 Stunden retten kannst.

Normalerweise braucht man eine Weile, um eine neue Verhaltensweise zu etablieren und beim Time-Logging sollte es logischerweise auch so sein. Glücklicherweise ist es das nicht: Dadurch dass dein Time-Log Realität jeder deiner Minuten wird, gibt es auch keine Möglichkeit, daran vorbeizukommen. Es gibt nicht einmal einen Grund dazu.
Mit „nur noch diese Sendung, dann meditiere ich“, kannst du deine seit Tagen geplante Meditation ewig hinausschieben. „Nur noch diese Sendung, dann logge ich wieder meine Zeit“ funktioniert in der Time-Log-Logik dagegen nicht. Daraus wird: „Ich logge, wie viel Zeit ich mit dieser Sendung verbringe“.

Viel schneller als vorher lassen sich mit einem Time-Log Entscheidungen treffen: Die Zeit läuft und du musst später notieren, was du getan hast – also was tust du eigentlich? So lassen sich auch unnötige Pausen vor Aufgaben verringern, die man noch aufschiebt, weil man sich so schwer überwinden kann.

Singeltasking

So ein Time-Log macht Multitasking noch schwieriger, als es sowieso schon ist: Wie viel Zeit hat man mit der einen Tätigkeit verbracht, wie viel Zeit mit der anderen?
Deswegen gleich mein Rat: Wo Multitasking nicht sinnvoll ist, bitte auch nicht einsetzen. Chatten und gleichzeitig Artikel schreiben ist nach meinen Erfahrungen blödsinnig, genauso wie kochen und gleichzeitig Fußball spielen.

Natürlich gibt es auch sinnvolles Multitasking, dass sich sehr leicht loggen lässt: Podcast hören und gleichzeitig joggen, lässt sich beides gleichermaßen loggen und ist dazu noch sinnvoll (außerdem reimt sich „joggen“ auf „loggen“ – und was sich reimt, ist immer gut). Insofern kann dir dein Time-Log vielleicht sogar beibringen, welches Multitasking sinnvoll und welches dagegen sinnlos ist.

Vielleicht hast du das Gefühl, dass dir mit der Time-Log-Methode eine tickende Zeitbombe im Nacken sitzen könnte, die dir laufend ein schlechtes Gewissen macht. Vielleicht wird es sich am Anfang sogar wirklich so anfühlen. Aber dann wirst du erkennen, was dir dein Gewissen eigentlich sagen will: Dass du verantwortlich für deine Zeit bist und dass du sie besser nutzt, bevor sie abläuft. Egal wie, nur nutze sie.

Veröffentlicht am 26.März 2009

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3 Kommentare »

  1. Wenn man zu faul ist um selbst sein Zeit log zu schreiben und die ganze Tag am Computer verbringt empfehlt es sich http://www.rescuetime.com/ zu installieren, was einem dann die Arbeit abnimmt.

    Kommentare by Brutha — March 27, 2009 @ 1:43 am

  2. @Brutha: Danke für den Tipp. Da werden vor allem die kleinen Zeitfresser wie Twitter nicht ausgelassen.

    Kommentare by ALICE — March 27, 2009 @ 10:41 am

  3. [...] Dein Beitrag für die Welt 28 eBook: The 20 Things You Must Know About Music Online 26 Zeit besser nutzen 25 Signaturen 24 Endlose Ideen 23 Fähigkeiten lernen und verbessern 21 Jeder Euro ist ein [...]

    Pingback by » Archiv — August 14, 2009 @ 7:20 pm

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